Vatikan

Der «gute Amerikaner» - Leo XIV. ein Jahr im Amt

07. Mai 2026, 05:56 Uhr · Quelle: dpa
Papst Leo XIV.
Foto: Andrew Medichini/AP/dpa
Papst Leo XIV. ist seit bald einem Jahr im Amt.
Der erste Papst aus den USA widerspricht dem US-Präsidenten wie kaum jemand sonst - und bekommt dafür viel Lob. Mit anderen Dingen ist man vor allem in Deutschland nicht so zufrieden.

Rom (dpa) - Keine drei Stunden nach seiner Wahl stand Robert Francis Prevost sichtlich nervös auf der Mittelloggia des Petersdoms, ließ sich seine Notizen reichen, schluckte noch einmal und breitete dann seine Arme aus. Dann las Leo XIV., wie er nun hieß, vom Blatt seinen ersten Satz als Papst ab: «La pace sia con tutti voi» («Friede sei mit Euch allen»). Von den Zehntausenden, die an jenem Maiabend nach dem weißen Rauch aus der Sixtinischen Kapelle schnell zum Petersplatz geströmt waren, brandete Jubel auf. 

Der Friedensgruß aus der Bibel ist für regelmäßige Kirchgänger nichts Besonderes. Für den Rest der Welt vielleicht aber schon - zumal in diesen Zeiten, die so kriegerisch sind wie lange nicht mehr. Mit seinem ersten Satz machte das neue Oberhaupt von 1,4 Milliarden Katholiken sogleich klar, dass die Suche nach Frieden eines seiner zentralen Themen sein soll. An diesem Freitag jährt sich Leos Wahl zum ersten Mal. 

Leo macht vieles anders als Franziskus 

Friedlicher ist die Welt seither nicht geworden, auch allen späteren Appellen des Papstes zum Trotz. In Kriegsgebieten wie der Ukraine und dem Iran spielt die Diplomatie des Kirchenstaats keine Rolle. Zumindest aber ist es Leo gelungen, nach aufgeregten Jahren mit seinem Vorgänger Franziskus Ruhe in die Kirche zu bringen. Die Auseinandersetzungen zwischen Traditionalisten und Reformern sind weniger geworden. Kardinal Reinhard Marx, der ihn im Konklave mitgewählt hat, sagt: «Er ist eine andere Person. Ein Brückenbauer. Einer, der Gräben zuschüttet.» 

Groß bewegt in theologischen Dingen hat der neue Mann in Weiß allerdings noch nichts. Auf das erste große Lehrschreiben - vermutlich über Künstliche Intelligenz (KI) und deren Auswirkungen - wird noch gewartet. Auch mit Personalentscheidungen hält er sich bislang zurück. Also wird bei Leo vor allem auf Äußerlichkeiten geachtet: dass er sich traditioneller kleidet, anders als Franziskus wieder im Apostolischen Palast wohnt, regelmäßig die Sommerresidenz in Castel Gandolfo vor den Toren Roms nutzt. 

Viele nennen ihn «Anti-Trump» 

Mit zwölf Monaten Abstand hat auch an Bedeutung gewonnen, was bei Leos erstem Auftritt nur als Fußnote registriert wurde: dass der erste Papst aus den USA damals zwar Italienisch und Spanisch sprach (aus seiner Zeit als Missionar und Bischof in Peru hat Leo auch die dortige Staatsbürgerschaft), aber kein einziges Wort Englisch. Damit machte er deutlich, so liest man das heute, dass er sich aus seiner Heimat nicht vereinnahmen lassen will. 

Im Gegenteil: Der amerikanische Pontifex widerspricht US-Präsident Donald Trump so deutlich wie kaum ein anderer Staats- oder Regierungschef. Wegen «Allmachtsfantasien». Wegen der Drohung, im Iran eine «ganze Zivilisation sterben» zu lassen. Wegen der Behandlung von Migranten. Demonstrativ setzte er eben erst in den USA einen Bischof ein, der als Flüchtling ohne Papiere ins Land gekommen war. Der Kirchenhistoriker Massimo Faggioli meint: «Er ist der gute Amerikaner, wie man ihn aus Filmen kennt.» 

Als Trump ihm jüngst unterstellte, er finde es in Ordnung, wenn der Iran eine Atomwaffe besitze und bringe «viele Katholiken und viele Menschen» in Gefahr, betonte Leo nur, es sei die Mission der Kirche, das Evangelium und den Frieden zu predigen. Und gegen Atomwaffen sei man schon seit Jahren. 

Zeit spielt für den Papst 

Häufiger noch wird Leo als «Anti-Trump» betitelt, zumal der Republikaner auch noch in einer Schimpftirade über den Papst herzog und ein Kitschgemälde von sich selbst als Jesus ins Internet stellte. Leo erklärte, dass er kein Interesse an einer Auseinandersetzung mit Trump habe, aber auch keine Angst vor der US-Regierung. Zurück nahm der Stellvertreter Christi auf Erden - so die Lehre - nichts. 

Im Vatikan legen sie Wert darauf, dass man dort in größeren Zusammenhängen denkt als aktuell im Weißen Haus. Getroffen haben sich Leo und Trump noch nie. Auf eine Begegnung des 267. Papstes mit US-Präsident 45 und 47 gibt es aktuell auch keinerlei Hinweise. Für den heutigen Donnerstag lud Leo aber US-Außenminister Marco Rubio zur Audienz im Vatikan, auch er ein Katholik. 

Als Staatsoberhaupt des kleinsten Staats der Welt mit nicht einmal 1.000 Einwohnern und keinerlei Industrie tut sich Leo naturgemäß leichter, Trump zu widersprechen als gewöhnliche Staats- und Regierungschefs. Dessen übliche Drohungen mit Zöllen oder Militär laufen bei ihm ins Leere. Zudem hat Leo die Zeit auf seiner Seite: Mit seinen 70 Jahren ist er fast ein Jahrzehnt jünger als der Präsident. Wenn die Dinge normal laufen, wird er noch Papst sein, wenn Trump längst Geschichte ist. 

Reformer in Deutschland mit erstem Jahr nicht zufrieden 

Für seine klaren Worte gegen den US-Präsidenten bekam Leo international viel Lob. Andererseits sind gerade in Deutschland viele enttäuscht darüber, dass er bei innerkirchlichen Themen wie der Ernennung von Frauen zur Diakonin - ein Amt, das in der römisch-katholischen Kirche wie das Priestertum bislang ausschließlich Männern vorbehalten ist - auf die Bremse tritt. Mit Segnungsfeiern für schwule Paare, wie sie in Deutschland mehrere Bistümer praktizieren, erklärte er sich auf dem Heimflug von einer langen Afrika-Reise «nicht einverstanden». 

Im Laufe des Jahres will Leo noch nach Südamerika reisen, auch in seine zweite Heimat Peru. In die USA, so hat er es wissen lassen, will er nicht. Trumps Einladung, bei den großen Feiern zum 250. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung am 4. Juli dabei zu sein, schlug er aus. Stattdessen fährt der Papst an diesem Tag auf die Mittelmeer-Insel Lampedusa, wie es auch schon sein Vorgänger Franziskus gemacht hatte. Dorthin, wo es keinen Präsidenten gibt, aber Flüchtlinge.

Kirche / Religion / Papst / Vatikan / Italien / USA / Peru
07.05.2026 · 05:56 Uhr
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