Mindestlohn-Debatte: DGB sieht wirtschaftlichen Aufschwung durch Erhöhung auf 15 Euro
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) sieht in der Erhöhung des Mindestlohns auf 15 Euro pro Stunde einen potenziellen Treiber für die wirtschaftliche Entwicklung. Stefan Körzell, Mitglied des DGB-Vorstands, betont, dass alleinstehende Vollzeitbeschäftigte ohne Kinder bei einem solchen Mindestlohn rund 2.700 Euro mehr netto jährlich zur Verfügung hätten.
Aktuell liegt der Mindestlohn bei 12,82 Euro pro Stunde. Eine Anhebung wäre nicht nur für die Arbeitnehmer von Vorteil, sondern auch für den Staat. Körzell prognostiziert bei etwa sechs Millionen Mindestlohnempfängern jährliche Mehreinnahmen von rund sechs Milliarden Euro durch die Einkommenssteuer. Zudem könnten auch die Sozialversicherungen von insgesamt steigenden Löhnen profitieren.
Im politischen Sondierungspapier von Union und SPD ist 2026 als mögliches Ziel für einen 15-Euro-Mindestlohn genannt. Die Entscheidung darüber soll von der Mindestlohnkommission getroffen werden, die bis zum 30. Juni eine Empfehlung abgeben soll. Trotz des Bekenntnisses der Gewerkschaften zur Kommissionsarbeit betont Körzell, dass diese künftig an einem armutsfesten Mindestlohn gemessen werden muss.
Sorgen um negative Effekte auf die Beschäftigung teilen die Gewerkschaften nicht, da der höhere Mindestlohn dem Fachkräftemangel in Dienstleistungsbranchen entgegenwirken könnte. Anders sehen dies Arbeitgeber- und Handwerksverbände. Sie warnen vor denkbaren negativen Folgen, wie etwa Preiserhöhungen für Konsumenten und möglichen Betriebsaufgaben infolge unbezahlbarer Kostensteigerungen.

