Merz in Washington – Ein Balanceakt zwischen Tradition und Politik
In einer der bislang herausforderndsten Auslandsreisen seiner Kanzlerschaft landete Friedrich Merz in Washington, wo er im Weißen Haus von US-Präsident Donald Trump empfangen wird. Der Besuch, der als Initialzündung für die deutsch-amerikanischen Beziehungen der kommenden Jahre gilt, dreht sich weniger um konkrete politische Absprachen als um die Chemie zwischen den beiden Spitzenpolitikern. Der diplomatische Auftakt verlief durchaus positiv: Trump bot Merz das traditionsreiche Gästehaus Blair House für die Nacht an, welches bereits Persönlichkeiten wie Charles de Gaulle und Queen Elizabeth II. beherbergte.
Ganz dem Ritual folgend, hinterließ Merz ein Buch im Gästehaus: eine Sammlung von Briefen deutscher Einwanderer nach Amerika. Der Kanzler wird im Oval Office nicht nur Trump, sondern auch weiteren hochrangigen Vertretern wie Außenminister Mark Rubio begegnen. Rubio hat in der Vergangenheit Deutschland kritisiert, was durchaus Zündstoff birgt. Merz jedoch zeigte sich entschlossen, seine Standpunkte klar zu vertreten.
Der eigentliche Höhepunkt des Trips ist jedoch das persönliche Kennenlernen zwischen Merz und Trump. Trotz eines flüchtigen Treffens vor Jahren und einigen Telefonaten, ist dies ihre erste vertiefte Begegnung. Interessanterweise verzichtet Merz auf einen Dolmetscher, was Teamgeist und Vertrauen signalisieren soll. Diskutiert wird unter anderem über den anhaltenden Ukraine-Konflikt, ein Thema, in dem Merz sich als führende europäische Stimme positioniert hat, um Trump zu neuen Sanktionen zu bewegen.
Auch Handelsthemen und der kommende Nato-Gipfel stehen im Fokus der Gespräche. Trotz bestehender Spannungen über vorgeschlagene Zölle und Verteidigungsausgaben, zeigt sich Merz selbstbewusst. Er pocht darauf, dass Deutschland in den Transatlantik-Beziehungen kein Bittsteller sei. Dass sich Trump jedoch öffentlich zu Merz äußert, bleibt bislang aus, was als positiv gewertet wird, da es den Fokus auf produktive Themen lenkt.

