Merz auf asiatischem Kurs: Indien statt China
In einem bemerkenswerten diplomatischen Schritt hat Bundeskanzler Friedrich Merz Indien zu seinem ersten bedeutenden Reiseziel in Asien auserkoren, und damit bewusst die für seine Vorgänger typischen Destinationen China und Japan gemieden. Auf seiner zweitägigen Visite im bevölkerungsreichsten Land der Welt wird er von einer Vielzahl prominenter Wirtschaftsvertreter begleitet, darunter Führungskräfte von Siemens, Airbus Defence and Space und Thyssenkrupp Marine Systems. Anstelle der indischen Hauptstadt wird Merz in Ahmedabad von Premierminister Narendra Modi mit einer Geste der besonderen Wertschätzung empfangen. Hier stehen nicht nur politische Gespräche, sondern auch kulturelle Höhepunkte wie das Drachen-Festival und die historische Stätte von Mahatma Gandhi auf dem Programm.
Am zweiten Tag seiner Reise widmet sich Merz der Hightech-Metropole Bengaluru, wo die wirtschaftliche Zusammenarbeit im Vordergrund steht. Doch obwohl Indien ein wichtiger Handelspartner ist, liegt es auf der Liste der deutschen Handelspartner derzeit lediglich auf Platz 23. Ein potenzieller Durchbruch könnte ein Freihandelsabkommen mit der EU sein, dessen Verhandlungen jedoch seit Jahren ins Stocken geraten sind.
Inmitten einer sich wandelnden geopolitischen Landschaft sucht Deutschland nach neuen Partnerschaften, um Abhängigkeiten zu diversifizieren. Besonders relevant ist hierbei die Rüstungskooperation, die durch eine bevorstehende Absichtserklärung zwischen den Verteidigungsministerien beider Länder untermauert werden soll. Thyssenkrupp Marine Systems steht im Dialog über den Kauf von U-Booten durch die indische Marine, während Airbus auf Interesse am Transportflugzeug A400M hoffen kann.
Ein weiterer Schwerpunkt der Gespräche ist der erhebliche Anstieg bei der Anwerbung von Fachkräften aus Indien. Die Anzahl der sozialversicherungspflichtig in Deutschland beschäftigten Inder hat sich seit 2015 vervielfacht. Künftig könnten mehr Freihandelsverträge und Bildungskooperationen den Austausch weiter stärken und den Einfluss Indiens auf dem deutschen Arbeitsmarkt vergrößern.

