Marktängste überwinden: Yale-Ökonom Goetzmann über den richtigen Umgang mit Crashs
Der Yale-Ökonom William Goetzmann hat in seiner Karriere schon viele Stürme auf den Finanzmärkten überstanden. Erlebte er doch den Black Monday 1987, die Dotcom-Blase 2000, die Finanzkrise 2008 sowie den pandemiebedingten Markteinbruch 2020. Der Absturz von 2008 bedeutete für ihn gar einen Rückgang seines vollständigen Vermögens um die Hälfte.
Solche Erfahrungen hinterlassen Spuren, nicht nur bei ihm, sondern bei vielen Anlegern, die daraufhin ständig die nächste Katastrophe erwarten. Goetzmanns Untersuchungen verdeutlichen, dass die Angst vor rapiden Verlusten tief in den Gedanken von Investoren verankert ist. In Umfragen schätzten Teilnehmer seit dem Jahr 2000 regelmäßig die Wahrscheinlichkeit eines nahenden Crashs auf 10% bis 20%. Doch diese Ängste entbehren oft einer rationalen Grundlage, wie Goetzmann feststellt.
Interessanterweise schlägt die Furcht der Anleger auch dann Alarm, wenn Ereignisse ohne direkten Marktbezug wie Erdbeben eintreten. Aktuell schürt das gewachsene Interesse an KI-Aktien neue Spekulationen über eine Blasenbildung, wobei der Shiller-KGV des S&P 500 auf einem historischen Höchststand erreicht ist.
Trotz berechtigter Sorgen zeigen die Studien von Goetzmann, dass nach großen Marktzuwächsen ein Absturz eher die Ausnahme als die Regel ist und im Falle eines Crashs deren Auswirkungen meist kurzlebig sind. Ein genauerer Blick auf die Daten seit den 1880er Jahren zeigt, dass eine Korrektur von über 50% in Folge stark wachsender Märkte lediglich in weniger als 1% der Fälle auftrat. In mehr als 25% der Fälle stiegen die Märkte sogar um weitere 100%.
Ungeachtet dessen, dass nicht alle Risiken beachtet werden und dass Marktcrashs oft Hand in Hand mit Rezessionen und einem Anstieg der Arbeitslosigkeit gehen, betont Goetzmann die Vorteile einer langfristigen Perspektive. Hierbei sei es wichtig, nicht in Panik zu verfallen und Investitionen frühzeitig aufzulösen. Ein zentraler Punkt, der Goetzmann Sorgen bereitet, ist die zunehmende Ängstlichkeit der Anleger, die Menschen vom Investieren abhält. In einer Welt, die von stetigen negativen Nachrichten geprägt ist, wächst die Vorsicht nur noch mehr. Dennoch erkennt Goetzmann den Wert des Durchhaltens. In jedem der von ihm miterlebten Crashs bewahrte er Ruhe, was sich langfristig auszahlte.

