Mahle schließt Standort in Neustadt an der Donau: Ein Zeichen für den Druck in der Automobilzulieferindustrie

Mahle schließt Standort in Neustadt an der Donau
Der Stuttgarter Autozulieferer Mahle hat angekündigt, seinen Standort in Neustadt an der Donau zu schließen, was etwa 350 Arbeitsplätze betrifft. Diese Entscheidung ist das Ergebnis einer Kombination aus auslaufenden Kundenaufträgen, rückläufigen Marktentwicklungen und einem gestiegenen Kostendruck durch asiatische Wettbewerber. Mahle gibt an, dass die Aufrechterhaltung des Umsatzniveaus nicht mehr möglich sei, was eine wirtschaftliche Fortführung des Werks unmöglich macht.
Ab Ende 2026 sollen die Produktionslinien schrittweise heruntergefahren werden, mit einer vollständigen Schließung des Standorts im ersten Halbjahr 2027. Das Unternehmen betont, dass Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern über sozialverträgliche Lösungen geführt werden. Im Werk, das seit 1987 besteht, werden vor allem Klimageräte für Premiumfahrzeuge produziert.
Widerstand der Gewerkschaft
Die IG Metall hat scharfe Kritik an der Schließungsankündigung geübt. Rico Irmischer, der 1. Bevollmächtigte der IG Metall Regensburg, bezeichnete die Entscheidung als Skandal. Mehrere erfolglose Verhandlungsrunden und Warnstreiks gingen der Ankündigung voraus. Am Dienstag beteiligten sich rund 300 Mitarbeiter an einem 24-stündigen Warnstreik, was laut Irmischer zeigt, dass die Rechnung des Managements nicht aufgeht.
Boris Schwürz, der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Mahle, äußerte ebenfalls seine Bedenken und bezeichnete die Schließungspläne als Frontalangriff auf die engagierte Belegschaft. Die Entschlossenheit der Mitarbeiter sendet ein starkes Signal an die Konzernzentrale in Stuttgart.
Drohung mit unbefristetem Streik
Der Warnstreik wird als letzte Warnung verstanden. Irmischer kündigte an, dass die Beschäftigten, sollte das Management trotz der Produktionsstillstände an den Schließungsplänen festhalten, unbefristet streiken werden. Die Entschlossenheit der Belegschaft, diesen Kampf zu führen, ist ungebrochen.
Wirtschaftliche Herausforderungen für Mahle
Mahle hat im letzten Jahr sowohl Umsatz- als auch Gewinnrückgänge verzeichnet. Der Umsatz fiel von 11,68 Milliarden Euro auf etwa 11,26 Milliarden Euro, während das Konzernergebnis von 22 Millionen Euro auf 20 Millionen Euro sank. Trotz dieser Rückgänge gelang es Mahle, das dritte Jahr in Folge schwarze Zahlen zu schreiben, nachdem zuvor mehrere Jahre mit Verlusten verzeichnet wurden.
Wie viele andere Unternehmen in der Branche sieht sich auch Mahle gezwungen, Kosten zu senken. Ende des vergangenen Jahres kündigte das Unternehmen an, weltweit 1.000 Stellen in der Verwaltung abzubauen. Zum Jahresende beschäftigte Mahle insgesamt 64.242 Mitarbeiter, was einem Rückgang von über fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht.

