Lula kritisiert Vernachlässigung Haitis durch den Westen

27. Januar 2010, 16:37 Uhr · Quelle: dpa
Buenos Aires/Port-au-Prince/Porto Alegre (dpa) - Das bitterarme Haiti ist in den vergangenen Jahren nach Ansicht des brasilianischen Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva mit seiner Misere alleingelassen worden.

Bedeutende finanzielle Hilfen sei von den Ländern des Westens nicht gewährt worden, betonte er auf dem Weltsozialforum im südbrasilianischen Porto Alegre, wo er zum «Jahr der Solidarität» mit Haiti aufgerufen hatte. Zwei Wochen nach dem Jahrhundert-Beben der Stärke 7,0 mit mindestens 150 000 Toten wurde Haiti in der Nacht zum Mittwoch erneut von einem Erdstoß erschüttert.

Unterdessen bestätigte sich der Tod eines weiteren Deutschen. Der 33-jährige UN-Mitarbeiter aus Hungen im Kreis Gießen (Hessen) sei in den Trümmern des UN-Gebäudes in Port-au-Prince gestorben, bestätigte die Stadt Hungen am Mittwoch Berichte Gießener Zeitungen. Er war seit 2007 als Berater für die Friedensmission in Haiti im Einsatz.

Zusammen mit der Regierung von Haiti plant UNICEF eine Impfkampagne. 600 000 Kinder im Alter von bis zu fünf Jahren sollen gegen Masern, Tetanus und Diphtherie immunisiert werden, teilte das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen in Paris mit. Im Kampf gegen illegalen Kinderhandel hat die Regierung Haitis in Abstimmung mit UNICEF die Präsenz an den Grenzen verstärkt. Für das Internationale Rote Kreuz ist der Hilfseinsatz in Haiti der größte, den es je für ein einzelnes Land gegeben hat.

Die UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay rief unterdessen zu erhöhter Aufmerksamkeit bei der Einhaltung der Menschenrechte in Haiti auf. Mit dem Appell eröffnete sie am Mittwoch in Genf eine Sondersitzung des UN-Menschenrechtsrates. Es sei besonders wichtig, die Schwächsten zu schützen, vor allem Behinderte, Betagte, arme Menschen sowie Frauen und Kinder. Sie alle seien erhöhten Risiken durch willkürliche Verhaftungen, Gewalt, sexuelle Ausbeutung und Menschenhandel ausgesetzt, sagte die UN-Hochkommissarin.

Haitianische Polizisten gaben am Dienstag Warnschüsse ab, als eine Menschenmenge in Port-au-Prince einen Konvoi mit Lebensmitteln angriff. Von den Schüssen ließen sie sich nicht beeindrucken und zerrten Säcke und Pakete von den Fahrzeugen. Verletzt wurde niemand. Wie durch ein Wunder wurde ein Mann nach zwölf Tagen aus den Trümmern eines Hauses gerettet. Nach Mitteilung des US-Militärs wurde der 31- Jährige am Dienstag eher zufällig bei Aufräumarbeiten entdeckt. Er war nicht bei dem ersten schweren Erdstoß verschüttet worden. Zuerst hatte es so ausgesehen, als ob Ricot Duprévil bereits zwei Wochen in dem Schutt gelegen hatte.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) sicherte Haiti auch für die Zukunft Unterstützung zu. Deutschland werde den Karibikstaat auch dann weiter im Blick behalten, wenn über die Erdbebenopfer nicht mehr berichtet werde, versprach er in Berlin. Die Bundesregierung leiste 15 Millionen Euro Soforthilfe, zusammen mit den Spenden der Deutschen ergebe sich eine Summe von 100 Millionen Euro.

Die Leiterin des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP), Helen Clark, sagte bei der Pressekonferenz mit Westerwelle, es müsse umgehend mit dem Wiederaufbau begonnen werden. Dazu seien fürs erste etwas mehr als 500 Millionen US-Dollar nötig. Sie betonte, dass Haiti ein langfristiges Engagement der Geberländer brauche.

Nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS erreichten die neuen Erschütterungen in Haiti die Stärke 4,9. Das Zentrum habe in etwa zehn Kilometer Tiefe rund 65 Kilometer westlich der Hauptstadt Port-au-Prince gelegen. Über Schäden oder Verletzte ist noch nichts bekannt. Für die traumatisierten Menschen bedeuten die Dutzenden von Nachbeben jedoch stets einen furchtbaren Schrecken.

Das Technische Hilfswerk (THW) will die Trinkwasserversorgung auf das Umland von Port-au-Prince ausweiten und in der Stadt Léogâne zwei weitere Trinkwasseraufbereitungsanlagen in Betrieb nehmen. «Angesichts des Ausmaßes der Katastrophe rechnen wir mit einem längeren Einsatz» sagte THW-Einsatzleiter Klaus Buchmüller in Bonn.

Erdbeben / Haiti
27.01.2010 · 16:37 Uhr
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Phil Harres (Archiv)
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