Luftverkehrsbranche fordert umfassendere Steuerreformen zur Stärkung des Standorts Deutschland
Unzureichende Maßnahmen für die Luftfahrt
Die von Bundestag beschlossene Reduzierung der Ticketsteuer wird von der Luftverkehrsbranche als unzureichend erachtet. Verbandsvertreter und Airlines äußern Bedenken, dass die aktuellen Absenkungen nicht ausreichen, um den Druck auf die Ticketpreise und die Kostenstruktur signifikant zu mindern.
Max Kownatzki, der neue CEO von Eurowings, beschreibt die Anpassung als einen «Tropfen auf den heißen Stein». In einer offiziellen Mitteilung betont er, dass die Branche dringend wirksamere Maßnahmen benötige, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Dazu zählen substanzielle Entlastungen bei der Luftverkehrsteuer sowie bei Sicherheits- und Flugsicherungsgebühren. Der Koalitionsvertrag zwischen Union und SPD sieht zwar weitere Schritte vor, doch die Dringlichkeit ist unübersehbar.
Eddie Wilson, CEO von Ryanair, kritisiert den fehlenden Reformwillen im deutschen Luftverkehrsmarkt. Er warnt, dass Deutschland für das Wachstum zu teuer werde und Flugzeuge in andere Länder verlagert würden. Wilson bietet an, das Passagieraufkommen in Deutschland auf 34 Millionen pro Jahr zu verdoppeln und Tausende neue Arbeitsplätze zu schaffen, allerdings nur unter der Bedingung, dass die Bundesregierung tiefgreifende Kostenreformen umsetzt.
Der Airline-Verband BDF äußert ebenfalls Unmut über die Details des neuen Gesetzes. Die Absenkungen sind nicht vollständig auf das Niveau des Mai 2024 zurückgeführt worden, was auf eine Anrechnung von Einnahmen aus dem Emissionshandel zurückzuführen ist. Diese Anpassung, die 2024 abgeschafft werden soll, wurde im aktuellen Gesetzesentwurf nicht berücksichtigt, was die Branche weiter belastet.
Jens Bischof, Präsident des Bundesverbands der deutschen Luftverkehrswirtschaft, schlägt vor, die Ticketsteuer temporär vollständig auszusetzen, um den Airlines in Anbetracht der gestiegenen Kerosinkosten durch den Iran-Konflikt zu helfen. Er fordert, dass der Absenkung der Steuer weitere Maßnahmen folgen müssen, da die Belastung pro Fluggast lediglich um 2,50 Euro sinkt, während ein Betrag von 15 Euro notwendig wäre, um den Standort Deutschland wieder wettbewerbsfähig zu machen.
Der Bundestag hat am Donnerstag die Ticketsteuer bei Abflügen aus Deutschland ab Juli 2024 gesenkt. Die Reduzierung beträgt je nach Strecke zwischen 2,50 Euro und 11,40 Euro pro Flug und soll einen Großteil der letzten Erhöhung zurücknehmen. Laut dem Gesetzentwurf wird für das laufende Jahr ein Einnahmen-Minus von 185 Millionen Euro prognostiziert, das bis 2030 auf 355 Millionen Euro ansteigen könnte. Diese Zahlen verdeutlichen die finanziellen Herausforderungen, vor denen die Branche steht und unterstreichen die Notwendigkeit für umfassendere Reformen, um den Luftverkehrsstandort Deutschland zu stärken.

