Krieg in der Ukraine

Liberale und Grüne kritisieren Nein von Scholz zu Taurus

27. Februar 2024, 08:42 Uhr · Quelle: dpa
Der Kanzler hat seine Verweigerung von Taurus-Raketen erklärt: Er fürchtet, dass Deutschland in den Ukraine-Krieg hineingezogen werden könnte. Seine Kritiker halten das für vorgeschoben.

Berlin (dpa) - Eine Begründung von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) für sein Nein zur Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern an die Ukraine lässt die Debatte darum erneut hochkochen. Koalitionspolitiker von FDP und Grünen kritisierten seine Weigerung. SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich stellte sich hinter Scholz.

Was Scholz' Kritiker sagen

Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag, Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), sagte dem Fernsehsender «Welt», Scholz liege falsch mit der Behauptung, es müssten Bundeswehrsoldaten in die Ukraine geschickt werden, um diese Waffe vorzubereiten. «In diesem Fall kann die Programmierung in Deutschland stattfinden, beziehungsweise die ukrainischen Soldaten müssen das hier gelehrt bekommen.»

Strack-Zimmermann trat auch Befürchtungen entgegen, dass die Taurus-Flugkörper von Ukrainern umprogrammiert werden könnten, um damit Ziele in Russland anzugreifen, die Deutschland nicht billigen würde. Es gebe in der Ukraine bereits eine Menge programmierter Waffen aus deutscher Produktion: «Wenn das also das Argument ist, müssten wir sofort alle automatischen Waffen, die auf Angriffe reagieren, abziehen. Ich halte das für vorgeschoben.»

Auch die grüne Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt kritisierte Scholz. «Niemand, der Taurus für die Ukraine fordert, will, dass Deutschland zur Kriegspartei wird», sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). Aber: «Für den Frieden in Europa und darüber hinaus ist es essenziell, dass die Ukraine diesen Verteidigungskampf gewinnt.» Die größte Gefahr für die Ukraine und für Deutschlands Sicherheit bleibe es, dass Russlands Präsident Wladimir Putin die Oberhand behalte und dann seinen imperialistischen Feldzug fortsetze.

Strack-Zimmermann zeigte sich auch irritiert über den Zeitpunkt von Scholz' Erklärung zu seinem Nein. Gerade sei Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) bei einem Ukraine-Besuch von einer russischen Drohne verfolgt und bedroht worden. Es sei daher «hochproblematisch, ... dass just zwei Tage später der Kanzler der Bundesrepublik dann ausschließt, dieses System zu nutzen - das ist schon bemerkenswert», sagte sie.

Was Scholz' Unterstützer sagen

SPD-Fraktionschef Mützenich forderte Scholz' Kritiker bei FDP und Grünen auf, den Koalitionsstreit zu beenden. «Einige in der Koalition denken das Ende nicht mit. Wir leben in schwierigen Zeiten, vieles wankt. Dass jetzt manche meinen, auf persönliche Geländegewinne aus sein zu müssen, bringt niemandem etwas. Alle müssen sich jetzt zusammenreißen», sagte Mützenich dem Magazin «Stern». Er selbst wolle dem Kanzler Raum schaffen, um Entscheidungen abzuwägen und herbeizuführen. «Einige in der Koalition versuchen, diesen Raum einzuengen. Dafür ist leider auch der Umgang mit dem Ukraine-Krieg benutzt worden. Dass der Bundeskanzler diesem permanenten Druck nicht nachgibt, ist wichtig», meinte Mützenich.

Auch der Bundestagsabgeordnete Ralf Stegner vom linken SPD-Flügel verteidigte Scholz' Nein. «Diese Ansicht herrscht laut Umfragen auch bei der Mehrheit der Bevölkerung vor», sagte er dem RND.

Wie Scholz sich erklärt

Scholz hatte seine Weigerung mit dem Risiko einer Verwicklung Deutschlands in den Krieg begründet. «Deutsche Soldaten dürfen an keiner Stelle und an keinem Ort mit den Zielen, die dieses System erreicht, verknüpft sein. Auch nicht in Deutschland», sagte er am Montag bei einer Chefredaktionskonferenz der Deutschen Presse-Agentur. Aus seiner Sicht wäre der Einsatz von Taurus aber nur unter Beteiligung von deutschem Personal möglich. «Ich wundere mich, dass es einige gar nicht bewegt, dass sie nicht einmal darüber nachdenken, ob es gewissermaßen zu einer Kriegsbeteiligung kommen kann durch das, was wir tun», sagte er. Scholz hatte bereits im Oktober entschieden, die von der Ukraine erbetenen Taurus-Raketen vorerst nicht zu schicken, es aber öffentlich nie im Detail begründet.

Franzosen und Briten programmieren ihre an die Ukraine gelieferten Marschflugkörper Scalp und Storm Shadow selbst. Es gibt Spekulationen, dass zumindest Großbritannien dafür Personal in der Ukraine stationiert hat; offiziell bestätigt wurde das nie. «Was an Zielsteuerung und an Begleitung der Zielsteuerung vonseiten der Briten und Franzosen gemacht wird, kann in Deutschland nicht gemacht werden», erklärte Scholz nun. «Das, was andere Länder machen, die andere Traditionen und andere Verfassungsinstitutionen haben, ist etwas, was wir jedenfalls in gleicher Weise nicht tun können.»

Politik / Konflikte / Krieg / Waffen / Bundesregierung / Taurus / FDP / Grüne / Olaf Scholz / Marie-Agnes Strack-Zimmermann / Katrin Göring-Eckardt / Deutschland / Ukraine / Russland
27.02.2024 · 08:42 Uhr
[2 Kommentare]
Sahra Wagenknecht (Archiv)
Osnabrück - Die frühere Linken- und BSW-Vorsitzende Sahra Wagenknecht fordert eine grundlegende Reform des Rentensystems, um Menschen in körperlich belastenden Berufen einen abschlagsfreien Ruhestand ab dem 60. Lebensjahr zu ermöglichen. Das berichtet die "Neue Osnabrücker Zeitung" (Dienstagsausgabe). Die Politikerin sprach sich explizit für […] (01)
vor 16 Minuten
Elektromobilität: Wie lange halten die Batterien von Elektroautos?
Elektroautos gelten längst als technisch ausgereift, doch die Sorge um die Lebensdauer ihrer Batterien hält sich hartnäckig. Neue Antworten kommen nun nicht aus dem Labor, sondern direkt aus dem Alltag: Auswertungen realer Fahrzeugdaten aus zehntausenden Elektroautos zeigen, wie sich Akkus unter echten Nutzungsbedingungen entwickeln. Grundlage […] (00)
vor 5 Stunden
Jackery – Effizient, leicht und robust: Mobiles Solarmodul SolarSaga 100W
Eine unabhängige Marktanalyse bestätigt die globale Spitzenposition des Anbieters für portable Energielösungen: Laut einer aktuellen Studie des Marktforschungs- und Beratungsunternehmens Frost & Sullivan hat Jackery weltweit die meisten tragbaren 100-Watt-Solarmodule verkauft. Grundlage der Auszeichnung ist das kumulierte Absatzvolumen im Zeitraum […] (00)
vor 38 Minuten
GTA 6: Fans wittern Trailer 3 in Kürze!? – Rockstar ändert „nur“ YouTube-Playlist
Reicht ein kleiner Klick, um den nächsten GTA 6-Hype auszulösen? Offenbar ja, wenn man es der offizielle Account macht. Rockstar Games hat zuletzt mehrere YouTube-Playlists aktualisiert, darunter auch eine zu GTA 6. Was genau geändert wurde, ist bislang nicht ersichtlich, doch für viele Fans ist sofort klar: GTA 6 Trailer 3 könnte näher sein, als […] (00)
vor 3 Stunden
«The Tonight Show» geht auf Goldjagd
Direkt im Anschluss an die Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele meldet sich «The Tonight Show Starring Jimmy Fallon» mit einer besonderen Ausgabe zurück. Nach dem feierlichen Auftakt der Milan Cortina 2026 Olympic Winter Games übernimmt Jimmy Fallon um 23: 35 Uhr das Ruder. Die Spezialfolge von The Tonight Show Starring Jimmy Fallon wird bei NBC ausgestrahlt und ist am Folgetag […] (00)
vor 1 Stunde
Deutschland - Spanien
Herning (dpa) - Bundestrainer Alfred Gislason eilte nach der bestandenen EM-Nervenprobe der deutschen Handballer auf das Parkett und klatschte seine Schützlinge erleichtert ab. Durch ein überzeugendes 34: 32 (17: 15) gegen Spanien hat die DHB-Auswahl das historische Vorrunden-Aus abgewendet und neue Hoffnungen auf eine Medaille geweckt. Sogar zwei […] (09)
vor 2 Stunden
bitcoin, blockchain, currency, coin, gold, money, finance, digital, crypto, payment, cryptocurrency, cash, cryptography, business, financial, btc, exchange, technology, crypto-currency, bitcoin, crypto, cryptocurrency, btc, btc, btc, btc, btc
XRP zeigt weiterhin Stärke, obwohl es kürzlich bei höheren Kursen auf Widerstand gestoßen ist. Solange der Kurs über der wichtigen Marke von $1,30 bleibt, bleibt der positive Trend intakt. Dies deutet darauf hin, dass der jüngste Rückgang eher eine Konsolidierung als der Beginn einer tieferen Umkehr sein könnte. Langfristiger Ausbruch unterstützt […] (00)
vor 59 Minuten
Nexus Uranium erwirbt das Uranprojekt “RC” in South Dakota
Lüdenscheid, 19.01.2026 (PresseBox) - Nexus Uranium Corp. (ISIN: CA65345P2008 | WKN: A41PJQ), Nexus oder das Unternehmen, gibt den Erwerb des Uranprojekts “RC” in South Dakota und damit die zweite strategische Absteckung des Unternehmens im Uranbezirk “Fall River County” innerhalb von zwei Wochen […] (00)
vor 7 Stunden
 
CDU Klausur
Berlin (dpa) - Im Streit um Grönland will Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am […] (07)
S-Bahn in Berlin (Archiv)
Berlin - Steffen Krach, Spitzenkandidat der SPD Berlin und angehender SPD-Landeschef, […] (04)
Martin Werding (Archiv)
Düsseldorf - Der Wirtschaftsweise Martin Werding fordert die EU zu einer harten […] (00)
Klassenraum in einer Schule (Archiv)
Wiesbaden - Die Zahl der Privatschulen in Deutschland nimmt zu. Im Schuljahr 2024/25 […] (01)
SAP-Chef Christian Klein
Frankfurt/Main (dpa) - Deutschlands größter Softwarekonzern SAP und der […] (00)
CBS räumt den Dienstag um: «Harlan Coben’s Final Twist» übernimmt
Der US-Networksender setzt ab sofort auf frische True-Crime-Kost zur besten Sendezeit und […] (00)
VfB Stuttgart - 1. FC Union Berlin
Stuttgart (dpa) - Viele Zweikämpfe, kaum Tempo - und kein Sieger: Der VfB Stuttgart […] (02)
Feuchte Statistik, trockene Felder: Wie der Klimawandel Europas Ernten bedroht
Auf den ersten Blick klingt es widersprüchlich: In weiten Teilen Europas nehmen die […] (01)
 
 
Suchbegriff