Leidenschaft für Qualität und Präzision
Bei der CEO Leadership Series am TUM Campus Heilbronn schilderte Raynald Aeschlimann, Geschäftsführer des Uhrenherstellers Omega,seinen außergewöhnlichen Lebensweg
Heilbronn, 28.02.2025 (PresseBox) - Eigentlichschiensein Wegin die akademische Weltvorgezeichnet:Wirtschaftsstudium an derrenommiertenUniversität St. Gallen,dazu eine große LeidenschaftfürFinanzthemen –musste Raynald Aeschlimannmit diesen Voraussetzungennicht zwangsläufigWirtschaftsprofessorwerden?Oder zumindest Banker,wie die meisten seiner früheren Kommilitonen?Tatsächlich wollte er zunächsteine akademische Laufbahn einschlagen, berichtete derCEO des Uhrenherstellers Omegabei der CEO Leadership Series der TUM School of Management am TUM Campus Heilbronndem GastgeberProf. Dr.Chengguang Li,Lehrstuhlinhaberfür Strategisches Management, und den Studierenden im Publikum.Dochmit dem Studienabschluss in der Taschewurde ihmplötzlichbewusst: „Ich war zu sehr in der akademischen Welt gefangen. Also habe ich mir ein Jahr Auszeit genommen. Ich fühlte einfach, dass ich es tun musste.“
Jahrzehntelange Auszeit
Aus einem Jahr sindinzwischen29 geworden, denn Aeschlimann kehrtebis heute nichtwieder an die Universität zurück. Stattdessen steht der Schweizer heute an der Spitze eines der renommiertesten Uhrenherstellers der Welt, der unter anderem für die erste Uhr auf dem Mond, dieoffizielle Uhrder James Bond-Serie und den offiziellen Zeitmesser der Olympischen Spiele bekannt ist. Wie kam es dazu?
Alsder SchweizerMitte der 1990er-Jahrein seiner Selbstfindungsphasewar, befand sich die traditionsreiche Uhrenindustriein seiner Heimatin einer tiefen Krise: Internationale Wettbewerber machten den Eidgenossen ihreglobaleFührungspositionzunehmend streitig. „Zwei Drittel der Beschäftigten in der Schweizer Uhrenindustrie verloren ihre Jobs“,erinnerte sichAeschlimann am Heilbronner Bildungscampus.„Niemand wollte in der Uhrenindustrie arbeiten. Es gab keineStellen.“
ErfolgreicherSchritt auf den asiatischen Markt
Docheine Chance bot sich ihm dann doch: In der Zeitung war eine Stelle in der Finanzlogistikbei Omegaausgeschrieben.Aeschlimann, der zuvor bei derInvestmentberatungComplementaerste Berufserfahrung gesammelt hatte,bewarb sich – und die Geschichte nahm ihren Lauf: Er stieg ins Unternehmen ein und arbeitetesich kontinuierlich nach oben. Unter anderem bekleidete er die Positionen desVize-Präsidenten und Verantwortlichen für den Internationalen Verkauf, Retail und Distribution von Omega sowie des Brand ManagersfürOmega und Blancpain in Spanien.Seit 2016 steht er als CEO an der Spitze des Unternehmens.Und so gab er den Studierenden einen wichtigen Tipp auf den Weg: „Sucht euch euren Jobgut ausund folgtdabeieuren Instinkten. JederMenschist anders,dahergibteskeine schlechteArbeit.“
Eine seiner besten Entscheidungen sei der Schritt auf den asiatischen Markt gewesen. Aeschlimannerinnerte sichan Boutique-Eröffnungen mit Cindy Crawfordin China und Indien.Ein PionierwarOmega auf dem chinesischen Markt.Doch längst hat die Globalisierung auch den Uhrenmarkt erfasst und heute gelte: „Der Kunde ist heutzutage überall auf der Welt gleich– und das ist gut so.“
Traditionsbewusst und innovativ
In der anschließenden Fragerundemit den Studierendenpräsentierte sich Aeschlimann als traditionsbewusster Geschäftsmann, der Innovationen trotzdem sehr offen gegenübersteht: Kritisch äußerte er sich über Influencer und bezeichnete Smart Watches als unpersönlich und wenig nachhaltig. Dochin derKünstlichenIntelligenzsieht er große Chancen: „Wir sollten damit arbeiten, solange sie dazu beiträgt, dass wir die richtigen Fragen stellen. Es ist wirklich interessant, in welchen Bereichen wir sie einsetzen undwie wir siemit unseren Werten in Einklang bringen können.“
Sehr bescheiden wurdeder Schweizer, als Linach dem Vermächtnis fragte, das er einst hinterlassen möchte: „Wenn ich eines Tagesvon dieser Weltverschwinde, wünsche ich mir, dasszumindest eine Handvoll Leute meinen Weg weiterbeschreitet. Ich hoffe, dassunsereMarke auch in 300 Jahren nochexistieren wird.“

