Riesenpandas

Kosten, Kritik, Hoffnung – Was Münchens Pandas bedeuten

21. Januar 2026, 15:07 Uhr · Quelle: dpa
Panda-PK im Tierpark Hellabrunn
Foto: Peter Kneffel/dpa
Noch hat Söder (r) nur einen Plüschbären in seinem Büro, doch spätestens 2028 soll es echte Tiere in München geben.
Der Münchner Zoo setzt auf Panda-Glück und Ministerpräsident Söder ist verzückt. Was hinter den Millionen für die zwei schwarz-weißen Bären steckt und warum es Ärger mit Artenschützern gibt.

München (dpa) - Spätestens 2028 soll München um eine niedliche Attraktion reicher sein: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) kündigte für den Tierpark Hellabrunn zwei Riesenpandas an. An höchster Stelle sei in China entschieden worden, dem Zoo die Tiere als Leihgabe zu geben, sagte Söder bei der Vertragsunterzeichnung zwischen dem Tierpark und China. Doch es gibt auch kritische Stimmen. Ein Überblick über die Meinungen.

Warum Menschen Leih-Pandas befürworten:

Panda-begeisterte Besucherströme

Wenn die Pandas da sind, erwartet der Tierpark einen großen Andrang von Besucherinnen und Besuchern. «Das wird einen Zulauf geben über sehr lange Zeit, Pandas sind eine der höchsten Attraktionen», ist sich Söder sicher. «Wir werden sehr viele Kinder sehr glücklich machen.» Auch der Tierpark geht davon aus, die Zahl von derzeit rund zwei Millionen jährlichen Gästen steigern zu können – und freut sich auf klingelnde Kassen, allerdings vorerst nur für zehn Jahre. Wenn die politische Stimmung dann immer noch gut ist, könnte der Leihvertrag verlängert werden.

Ihre Niedlichkeit

Pandabären können auch erwachsene Menschen in Ekstase versetzen, gelten sie doch als «Süüüüüß!!!», «Aawwww» und «goldig».

Auch Söder ist dem Charme der putzigen Bären mit dem schwarz-weißen Fell verfallen, seit er sie bei seiner China-Reise 2024 live erleben durfte. «Pandas sind einfach knuffig», schwärmte er auch dieses Mal und drückt den Plüschpanda, den er mitgebracht hat und der sonst in seinem Büro steht, «weil er so schön ist.»

Artenschutz

Das ist für Tierparkdirektor Rasem Baban ein wichtiges Anliegen. Der große Panda sei ein Symbol für erfolgreichen Artenschutz und für internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit. «Unser Anspruch ist es, den großen Pandas ein Zuhause zu bieten, das höchsten internationalen Standard entspricht», verspricht er.

Freundlich-friedliche Panda-Diplomatie?

Die Beziehungen zu China liegen Söder am Herzen, wie er auch bei einem Besuch in der Volksrepublik 2024 deutlich machte. Damals begann er, den Panda-Deal einzufädeln. Das sei ein «Höhepunkt der bayerisch-chinesischen Diplomatie», sagte er. In der Tat spielt die Regierung von China eine wichtige Rolle, sind die Bären doch nur eine Leihgabe, ebenso wie ein möglicher Nachwuchs.

Das München zwei Tiere bekommt, sei «an höchster Stelle» entschieden worden, berichtete Söder und sprach von einer besonderen Auszeichnung. Weltweit lebten nur 51 Pandas außerhalb Chinas. Zwei davon sind übrigens seit 2017 im Berliner Zoo, dank der ehemaligen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Auch Frankreich darf auf zwei Tiere hoffen.

Der chinesische Botschafter Deng Hongbo nannte den Vertrag einen Ausdruck des Wunsches, die Beziehungen zu Bayern zu vertiefen. Pandas seien in China ein nationaler Schatz, ein Zeichen der Freundschaft und ein Symbol des Friedens, sagte er.

«Bambus and Pretzels»?

Doch es geht nicht nur um China. Söder hofft, mit den Bären und ihrem hohen Niedlichkeitsfaktor auch insgesamt wirtschaftlich zu punkten, schließlich sei Bayern in einem weltweiten Wettbewerb um Hightech, Investitionen, Firmen und Arbeitsplätze. «Dazu gehört auch Attraktivität. Unternehmen kommen auch, wenn die Kulisse passt», ist der CSU-Politiker überzeugt. Gerne nach dem Motto: «Bambus and Pretzels», wie Söder auf die Anmerkung eines Journalisten reagierte. «Wir überlegen uns diesen Slogan.»

Was Kritiker bemängeln:

Hohe Kosten

Ein wichtiger Punkt in Zeiten angespannter öffentlicher Kassen: die Kosten. Der Freistaat finanziert den Neubau des Pandageheges, das 18 Millionen Euro kosten soll. Geld, das laut Söder bereits im Haushalt veranschlagt ist. Hinzu kommt die Artenschutzabgabe, die China für die Leihgabe verlangt. Rund eine Million Euro im Jahr soll sie hoch sein, dem Vernehmen nach will der Freistaat das mit der Stadt München als Trägerin des Tierparks gemeinsam stemmen.

Auch nicht ohne: die Unterhaltskosten, über die Söder bestens informiert ist. «Sie werden bis zu 1,80 Meter groß oder lang, wiegen zwischen 70 und 130 Kilo und fressen 14 Stunden am Tag, täglich bis zu 18 Kilo Bambusblätter», sagt Söder. Verena Dietl, Dritte Bürgermeisterin von München und Aufsichtsratsvorsitzende von Hellabrunn, hat da aber keine Bedenken und verweist auf höhere Einnahmen, wenn künftig mehr Menschen in den Zoo kommen, um die Pandas zu sehen. Es sei deshalb auch nicht geplant, die Tickets wegen der Pandas teurer zu machen. Eine Attraktion wird dafür allerdings weichen. Die Paviane sollen abgegeben werden.

Pro Wildlife kritisiert Massenzucht

Die Organisation Pro Wildlife lehnt Panda-Deals ab. «Die Haltung und Zucht von Pandas in westlichen Zoos ist kein Beitrag zum Artenschutz, sondern ein finanzielles und politisches Geschäft auf dem Rücken der Tiere», ist man bei der Organisation überzeugt. Pandas würden in China seit Jahrzehnten in Zuchtstationen «wie am Fließband produziert». Diese Massenzucht trage nicht zum Erhalt der wildlebenden Population bei, zumal kaum Tiere ausgewildert würden. Zudem hätten die in Gefangenschaft gezüchteten Pandas mit ihren wilden Artgenossen nur noch das Aussehen gemein und in Freiheit kaum Überlebenschancen.

Bedrohung des natürlichen Lebensraumes

In der Tat gelten wildlebende Pandabären als gefährdet. Fast die Hälfte der wildlebenden Populationen sei vom Aussterben bedroht. «Nur wenn es gelingt, die Bambuswald-Lebensräume und Wanderrouten der Pandas in China zu schützen, kann die Art langfristig überleben», sagte Pro Wildlife-Sprecherin Laura Zodrow. Die Millionen für neue Pandagehege und Leihgebühren sollten lieber in den Schutz dieser Lebensräume fließen.

Tier / Zoo / Bayern / China / Deutschland / Riesenpanda / Artenschutz
21.01.2026 · 15:07 Uhr
[8 Kommentare]
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