Konsumgewohnheiten im Wandel: Print-Prospekte behalten hohen Stellenwert
In der deutschen Einzelhandelslandschaft zeichnet sich ein interessanter Trend ab: Obwohl große Anbieter wie Rewe und Obi ihre traditionellen Werbeprospekte abgeschafft haben, sind gedruckte Handelsangebote noch immer äußerst beliebt. Eine Studie des Handelsforschungsinstituts IFH Köln zeigt, dass 52 Prozent der Kunden, die regelmäßig Prospekte nutzten, diese jetzt vermissen. 62 Prozent der Befragten geben an, nun seltener über Angebote informiert zu werden.
Der Verzicht auf Print-Werbung hat Auswirkungen auf das Kaufverhalten: 45 Prozent der Studienteilnehmer kauften weniger bei diesen Anbietern. Die erwartete Migration zur Nutzung von Apps und digitalen Medien blieb offenbar aus, da die gleiche Anzahl von 45 Prozent die neuen digitalen Kanäle als umständlich empfindet.
Besonders bemerkenswert ist, dass 49 Prozent der Konsumenten nun vermehrt Prospekte anderer Handelsketten lesen, die ihrem Printangebot treu geblieben sind. Laut IFH-Experte Andreas Riekötter ist es nur logisch, dass Verbraucher weniger bei Anbietern kaufen, deren Informationspolitik den Zugang zu Angeboten erschwert. Der Konsum bleibt ein stark vom Gewöhnungseffekt getriebenes Phänomen: So lesen 78 Prozent der Befragten mindestens einmal pro Woche gedruckte Prospekte.
Der Komfort, den Print-Prospekte bieten, ist für viele unschlagbar – 87 Prozent der Leser empfinden die Lektüre als gemütlich und entspannend. Auch wenn online-basierte Medien zulegen, wie etwa die Rewe-App, glauben viele Experten, dass die gedruckte Werbung noch lange nicht ersetzbar ist. Diese Sicht stützen die Daten der IFH-Studie, die aufzeigen, dass übernachten 83 Prozent aller deutschen Haushalte ihre Prospekte erhalten und 96 Prozent diese auch lesen.
Die Deutsche Post hat sich der digitalen Wende ebenfalls verschrieben und ihr „Einkaufaktuell“-Geschäft eingestellt. Hier waren die Gründe betriebswirtschaftlicher Natur, doch auch der allgemeine Trend zu steigenden Produktionskosten für Energie, Papier und Personal spielte eine Rolle. Doch selbst mit diesem Wandel bleibt ein deutlicher Appell in Richtung der Verbraucher: Die Entscheidung über die bevorzugte Informationsquelle liegt letztlich in ihren Händen.

