Koalitionsquerelen: Stromsteuer im Fokus – Streitpunkt oder Einigkeitssignal?
Die drückende Sommerhitze mag die Köpfe erhitzen, aber die aktuellen Diskussionen um die Stromsteuer offenbaren unerwartete Allianzen und altbekannte Spannungen innerhalb der deutschen Politik. Kurz vor dem bedeutsamen Koalitionsausschuss der Regierung aus CDU und SPD am Mittwoch erwächst ein bunter Chor an Stimmen, die an die Stromsteuerfront treten.
Stefan Körzell vom Deutschen Gewerkschaftsbund erinnert die Regierung an ihre gemachten Zusagen. Mit klaren Worten, die an die globale Öffentlichkeit gerichtet sind, fordert der Gewerkschafter die sofortige Umsetzung der im Koalitionsvertrag vereinbarten Stromsteuersenkung. Interessant ist, dass sich diesmal auch die Gewerkschaften mit Branchenriesen wie dem Handelsverband Deutschland und dem Verband der Automobilindustrie einig sind. Gemeinsam appellieren sie an Energieministerin Katherina Reiche (CDU), für eine Steuerreduzierung einzutreten, die alle Bereiche der Gesellschaft umfassen soll - vom Einzelhandel bis zum Handwerk.
Im Vordergrund steht das Versprechen der Koalition, eine dauerhafte Entlastung für Verbraucher und Betriebe in Höhe von mindestens fünf Cent pro kWh zu gewährleisten. Doch, wie so oft, lauert der Haken der Finanzierung. Der aktuelle Vorstoß sieht vor, in erster Linie Industriebetriebe und Landwirtschaft zu begünstigen, während die Steuerlast der privaten Verbraucher vorerst unverändert bleibt.
Trotz der vielerorts ersehnten Ersparnis von rund 29 Euro jährlich pro Privathaushalt bleibt die Frage der Gegenfinanzierung bedrängend unbeantwortet. Den Nerv der alten Ampelstreitigkeiten trifft die Debatte allemal: SPD-Mann Thorsten Rudolph erinnert die CDU an kostspielige politische Programme, während die CDU reuevoll eigene Umsetzungswilligkeit signalisiert. Steffen Bilger von der Union plädiert dafür, die Steuerentlastung auch auf Privathaushalte auszudehnen.
In einem abschließenden Akt teilt auch Christian Dürr, einstiges FDP-Mastermind, Kanzler Friedrich Merz einige gutgemeinte Worte mit: Entschlossenheit sei gefragt. In der Gemengelage aus neuen und alten Konflikten bleibt abzuwarten, ob die Stromsteuer tatsächlich der Katalysator für politische Eintracht wird oder ob weiterhin dicke Wolken über den Koalitionsgesprächen hängen.

