Koalition einigt sich auf Kompromiss für Asylpaket II

28. Januar 2016, 22:54 Uhr · Quelle: dpa

Berlin (dpa) - Nach monatelangem Streit über Details haben die Koalitionsspitzen den Weg für weitere Asylrechtsverschärfungen frei gemacht. «Das Asylpaket II, das steht jetzt, und das kann sehr schnell durchs Kabinett», sagte SPD-Chef Gabriel nach einem Treffen mit Kanzlerin Merkel und dem CSU-Chef Seehofer.

Für Flüchtlinge mit eingeschränktem («subsidiärem») Schutzstatus soll der Familiennachzug - wie eigentlich schon im November vereinbart - für zwei Jahre ausgesetzt werden. Allerdings sollen Angehörige, die noch in Flüchtlingscamps in der Türkei, Jordanien und dem Libanon sind, vorrangig mit Kontingenten nach Deutschland geholt werden. Solche Kontingente müssen aber noch auf EU-Ebene vereinbart werden. Diese Sonderregelung zielt vor allem auf Syrer.

Merkel, Gabriel und Seehofer hatten sich bereits vor knapp drei Monaten in den Grundzügen auf das Paket verständigt, das im Wesentlichen die Einrichtung neuer Aufnahmestellen mit Schnellverfahren für bestimmte Flüchtlingsgruppen vorsieht. Über weitere Punkte - vor allem den Familiennachzug - war danach aber großer Streit ausgebrochen.

Die Koalitionäre verständigten sich zusätzlich darauf, in einem nächsten Gesetzesvorhaben bessere Bedingungen für junge Flüchtlinge zu schaffen, die in Deutschland eine Ausbildung machen. Sie sollen laut Gabriel nach einer erfolgreichen Lehre künftig zwei Jahre in Deutschland arbeiten dürfen.

Seehofer erklärte zu der Einigung: «Ich bin hoch zufrieden.» Die Verzögerung habe nicht die CSU zu vertreten, die sich zu jedem Zeitpunkt an die vor drei Monaten getroffene Vereinbarung gehalten habe. CDU-Generalsekretär Peter Tauber sagte: «Der Beschluss trägt dazu bei, unser Ziel zu erreichen: die Zahl der Flüchtlinge und Asylbewerber spürbar zu reduzieren.»

Union und SPD wollen außerdem in einem nächsten Schritt Marokko, Algerien und Tunesien als weitere «sichere Herkunftsstaaten» einstufen, um Asylbewerber von dort schneller wieder in ihre Heimat zurückzuschicken. Die Zahl der Asylbewerber aus Marokko und Algerien war zuletzt deutlich gestiegen, die Zahlen aus Tunesien kaum.

«Subsidiär geschützte» sind Menschen, die sich nicht auf das Asyl-Grundrecht berufen können und auch keinen Schutzstatus nach der Genfer Flüchtlingskonvention genießen, aber dennoch nicht heimgeschickt werden, weil ihnen dort zum Beispiel Todesstrafe oder Folter drohen. Sie bekommen zunächst nur eine Aufenthaltserlaubnis für ein Jahr. Es handelt sich um eine relativ kleine Gruppe.

Die große Gruppe der Syrer erhält derzeit vor allem Schutz nach der Genfer Flüchtlingskonvention. Bald könnten aber auch sie wieder vermehrt nur «subsidiären Schutz» bekommen. Die SPD hatte Syrer ursprünglich ganz von der Einschränkung beim Familiennachzug verschonen wollen, konnte sich damit aber nicht durchsetzen. Daher nun der Kompromiss mit den geplanten EU-Kontingenten.

Die Beschränkung beim Familiennachzug soll nach zwei Jahren automatisch auslaufen. Das heißt, danach können auch «subsidiär Geschützte» wieder ohne Einschränkung Familienangehörige nachholen.

Auch bei einem weiteren offenen Punkt aus dem Asylpaket einigten sich die Koalitionspartner: Die Eigenbeteiligung von Asylbewerbern für Integrationskurse soll künftig zehn Euro im Monat betragen.

Zum weiteren internationalen Kurs sagte Gabriel, es gebe Einigkeit in der Koalition, dass auch von Jordanien und dem Libanon kleinere Kontingente übernommen werden sollen. Die Belastung für diese Länder werde sonst unglaublich groß. Die EU müsse aber vor allem mit der Türkei ein großes Kontingent verabreden. Dafür werde die Türkei ihre Grenzen dicht machen, Schlepper bekämpfen und ein Rücknahmeabkommen schließen für Flüchtlinge, die nach Griechenland geflüchtet seien.

Die Niederlande, die derzeit die EU-Ratspräsidentschaft innehaben, bereiten einen europäischer Plan vor, um Flüchtlinge von den griechischen Inseln direkt mit Schiffen der Grenzschutzagentur Frontex in die Türkei zurückzuschicken. Demnach würden sich EU-Staaten im Gegenzug verpflichten, bis zu 250 000 Flüchtlinge pro Jahr aus der Türkei zuzulassen, sagte der Fraktionsvorsitzende der regierenden Sozialdemokraten, Diederik Samsom. Gemeinsam mit einer Kerngruppe von EU-Ländern will die Regierung in Den Haag damit eine deutliche Verringerung der Flüchtlingszahlen erreichen.

Migration / Flüchtlinge / Koalition / Deutschland
28.01.2016 · 22:54 Uhr
[0 Kommentare]
Tanzmariechen im Straßenkarneval (Archiv)
Homburg - Der Bund Deutscher Karneval (BDK) verlangt von der Politik mehr Unterstützung bei der Terrorabwehr von Karnevalsumzügen. BDK-Präsident Klaus-Ludwig Fess warnt, dass viele Vereine andernfalls organisatorisch und finanziell an ihre Grenzen geraten könnten. Die Belastungen für die meist ehrenamtlich getragenen Karnevalsgesellschaften seien in den […] (01)
vor 1 Stunde
Neil Young
(BANG) - Neil Young hat seine komplette Tournee abgesagt. Der 80-jährige Musiker hat seine geplante UK- und Europatour gestrichen, die am 17. Juni bei den Eden Sessions in Cornwall beginnen und am 26. Juli im italienischen Udine enden sollte. Zur Begründung erklärte er, "dies ist nicht der richtige Zeitpunkt", um Konzerte zu spielen. In einem Statement […] (01)
vor 18 Stunden
Alexander Graham Bell
Washington (dpa) - Vor 150 Jahren erlebte das US-Patentamt in Washington D.C. dramatische Szenen, die die Technikgeschichte prägten. Am kalten Valentinstag, dem 14. Februar 1876, reichten Alexander Graham Bell und Elisha Gray fast zeitgleich Unterlagen ein, die das Ende der räumlichen Distanz durch das Telefon versprachen. In diesem beispiellosen […] (00)
vor 46 Minuten
Fallout 5 kommt, aber nicht bald: Todd Howard deutet geheime Projekte an
Irgendwie ist es ein wiederholendes Versprechen. Ja, Fallout 5 kommt, aber nicht sehr bald. Noch schlimmer: Es befindet sich noch nicht einmal in Entwicklung! In einem aktuellen Interview mit der Game Informer hat Todd Howard sehr offen über die Zukunft der Fallout-Reihe gesprochen. Die Botschaft ist eindeutig: Fallout 5 wird kommen. Aber nicht so […] (00)
vor 8 Stunden
«American Idol» geht live zu Disney+
Die US-Erfolgsshow ist ab Ende März nicht mehr nur im klassischen Fernsehen, sondern auch live beim Streamingdienst von Disney zu sehen. Die Castingshow American Idol baut ihre Live-Präsenz weiter aus: Ab 30. März wird das Format nicht mehr ausschließlich bei ABC ausgestrahlt, sondern parallel live bei Disney+ gestreamt. Damit reagiert der Sender auf veränderte Sehgewohnheiten und will […] (00)
vor 1 Stunde
Olympische Winterspiele 2026
Predazzo (dpa) - Den deutschen Skispringerinnen blieb beim großen Medaillen-Showdown nur die Zuschauerrolle, die geschlagene Topfavoritin Nika Prevc weinte bitterlich in den Armen ihres Trainers: Die erste Schanzen-Entscheidung bei den Olympischen Winterspielen in Italien bot Drama und Spektakel, aber nicht das erhoffte erste Edelmetall für das deutsche Team. Selina […] (01)
vor 9 Stunden
woman, crypto, bitcoin, digital, currency, coin, blockchain, happy, success, business
Der Kurs von XRP hat ein historisch überverkauftes Niveau erreicht. Ein Krypto-Analyst berichtet, dass in der Vergangenheit bei Erreichen dieser Niveaus stets ein Kursanstieg folgte. Er geht davon aus, dass XRP vor einem erneuten signifikanten Anstieg stehen könnte, mit einem möglichen Kursziel von über $2. XRP-Kurs fällt auf überverkauftes […] (00)
vor 59 Minuten
Nächste Generation Peptide: LIR und Neuland Laboratories beschleunigen Entwicklung
Lüdenscheid, 07.02.2026 (lifePR) - LIR Life Sciences Corp. (ISIN: CA50206C1005 | WKN: A41QA9) , LIR oder das Unternehmen, freut sich bekannt zu geben, dass es mit “Neuland Laboratories Limited” (“Neuland”) im Rahmen der bestehenden Dienstleistungsvereinbarung zwischen den Parteien (siehe Pressemitteilung vom 8. Januar 2026) mit den Aktivitäten zur […] (00)
vor 20 Stunden
 
Showdown im Golf: Atomgespräche im Oman – Washington verschärft Ton und Reisewarnung
Scharfe Worte aus Washington Kurz vor Beginn der Gespräche attackierte US- […] (00)
Neuwahlen in Thailand
Bangok (dpa) - Thailand steht vor einer richtungsweisenden Entscheidung: Rund 53 […] (00)
Schaffner stirbt nach Angriff bei Ticketkontrolle – Tatverdächtiger in U-Haft
Tat bei Fahrscheinkontrolle Nach Angaben der Ermittler kontrollierte der Bahnmitarbeiter kurz […] (11)
Savannah Guthrie
Tucson (dpa) - Die US-Fernsehmoderatorin Savannah Guthrie hat sich nach der […] (00)
Lisa Kudrow
(BANG) - Lisa Kudrow appelliert an die neuen Eigentümer von Warner Bros, das […] (00)
KI-Crash 2026: Warum Amazon und Google abgestraft werden
Die Börse hat ihr Urteil gefällt: Ein vernichtendes Votum gegen den Gigantismus. Wenn […] (00)
TV-Karneval
Köln (dpa) - Wer sich in diesen Tagen durch das Fernsehprogramm zappt, wird auf eine […] (00)
Highguard: Episode 2 bringt Wächter Ekon, Ranglistenmodus und Skydrift-Karte
Highguard, der kostenlose PvP-Raid-Shooter von Wildlight Entertainment, hat gerade […] (00)
 
 
Suchbegriff