Klimaschutz in der Schifffahrt: Rückschlag durch US-Intervention
In einer bemerkenswerten Wende sind die ambitionierten Verhandlungen zur Vereinheitlichung der Klimaschutzregeln in der internationalen Schifffahrt vorerst ins Stocken geraten. Die mit Spannung erwartete Einigung auf ein Maßnahmenpaket der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO) wurde auf Druck der US-Regierung um ein Jahr vertagt. Der Vorstoß, die Entscheidung zu verschieben, soll offiziell von Saudi-Arabien eingeleitet worden sein.
Präsident Donald Trump lehnte die vorliegenden Vorschläge zur Besteuerung der Schifffahrt vehement ab und bezeichnete sie als "betrügerisch" über seine eigene Plattform Truth Social. Damit positionierten sich die USA gegen die Einführung globaler Vorschriften, was die Hoffnung auf eine zügige Einigung schmälerte.
In Deutschland und Europa begegnete man dieser Entwicklung mit Ernüchterung. Martin Kröger, Hauptgeschäftsführer des Verbands Deutscher Reeder, bezweifelt die Chancen einer baldig erfolgreichen Konsensfindung. Er vermisste eine kraftvolle Reaktion der EU, die seiner Meinung nach durch stumme Zurückhaltung einige Staaten im Gremium unterschätzte.
Auch der deutsche Verband für Schiffbau und Meerestechnik sowie der Naturschutzbund Deutschland reagierten enttäuscht und bezeichneten die Verzögerung als empfindlichen Rückschlag. Die Bemühungen um Klimaneutralität bis 2050 scheinen durch die ausgebliebene Einigung einen herben Rückschlag erlitten zu haben.
Ursprünglich sollten die nun vertagten Regeln frühestens 2027 in Kraft treten. Das sogenannte "Net-Zero Framework" umfasste genormte Treibstoffstandards und die Bepreisung von Treibhausgasemissionen auf globaler Ebene. Ähnliche Modelle existieren bereits auf europäischer Ebene, weshalb die Bundesregierung einen klaren Befürworter der Verabschiedung darstellte.
Die internationalen Klimaambitionen sehen vor, die Treibhausgasemissionen der Schifffahrt bis 2050 auf null zu reduzieren, mit bereits festgelegten Etappenzielen für 2030 und 2040. Doch nach der jüngsten Entwicklung bleibt abzuwarten, ob und wie schnell Fortschritte in dieser entscheidenden Umweltfrage erzielt werden können.

