Klimakonferenz

Klimagipfel ohne Beschluss zu Exitplan für Kohle, Öl und Gas

22. November 2025, 17:44 Uhr · Quelle: dpa
Weltklimakonferenz COP30
Foto: Andre Penner/AP/dpa
Der Klimagipfel war von Protesten Indigener begleitet worden.
Die Weltklimakonferenz in Brasilien endete ohne Beschluss zu einem Ausstieg aus fossilen Brennstoffen. Stattdessen wurde eine Verdreifachung der Klimahilfen für ärmere Länder vereinbart.

Belém (dpa) - Trotz mehr als 19-stündiger Verlängerung hat sich die Weltklimakonferenz in Brasilien nicht darauf einigen können, einen verbindlichen Plan für die Abkehr von Öl, Kohle und Gas zu erarbeiten. Die rund 200 Länder vereinbarten in Belém lediglich eine freiwillige Initiative, um die Klimaschutz-Anstrengungen der Staaten zu beschleunigen. 

Öl, Kohle und Gas kommen nicht vor

Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) äußerte sich «ein bisschen enttäuscht» und sagte, die Ölstaaten hätten mit einer «Blockade» ehrgeizigere Beschlüsse verhindert. Im zentralen Abschlussdokument ist nicht die Rede von fossilen Energieträgern, auch Öl, Kohle und Gas werden nicht explizit genannt – außer im Begriff «Treibhausgase». 

Beschlossen wurde, dass reiche Staaten ihre Klimahilfen an ärmere Länder zur Anpassung an die Folgen der Erderhitzung deutlich erhöhen. Konkret ist von einer Verdreifachung bis 2035 die Rede. Finanzexperte Jan Kowalzig von Oxfam kritisierte, dass «kein Basisjahr für die Verdreifachung und kein konkreter Betrag» genannt wird. Der Betrag dürfte deutlich unter den von den Entwicklungsländern geforderten jährlich 120 Milliarden US-Dollar liegen.

Bundesregierung und Verbündete konnten sich nicht durchsetzen

Für das handfestere Ziel eines Fahrplans zum Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas hatte sich die Bundesregierung als Teil eines breiten Bündnisses aus rund 80 Staaten eingesetzt, konnte sich aber nicht durchsetzen. Schon bei der Klimakonferenz vor zwei Jahren in Dubai hatte die Weltgemeinschaft eine Abkehr von diesen fossilen Brennstoffen beschlossen – wann und wie dies geschehen soll, wurde nun anders als erhofft in Belém nicht präzisiert. 

Trotzdem betonte Umweltminister Schneider mit Blick auf den Austritt der USA aus dem Pariser Klimaabkommen: «Das Entscheidende ist, dass die Welt am Tisch sitzt», auch wenn ein großer Spieler nicht mehr dabei sei.

Bauchlandung für Brasilien

Für Brasilien ist das Ergebnis eine Bauchlandung. Noch zum Konferenzauftakt zu Beginn der vergangenen Woche hatte Präsident Luiz Inácio Lula da Silva erklärt, gebraucht würden Fahrpläne, die es der Menschheit ermöglichten, ihre Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen zu überwinden sowie die Entwaldung zu stoppen und umzukehren. Damit hatte er bei vielen Gipfelteilnehmern hohe Erwartungen geweckt.

Der von Brasilien bewusst symbolisch ausgewählte Konferenzort am Rande des fürs Weltklima wichtigen Amazonas wurde zwar vielfach beschworen – doch auch einen konkreten «Waldaktionsplan», um die Zerstörung von Wald einzudämmen, beschloss die Konferenz nicht. Es wird lediglich an einen früheren Beschluss erinnert, die Entwaldung bis 2030 zu stoppen.

Neuer Fonds soll Regenwald erhalten helfen

Was die Gastgeber vorweisen können, ist ein neuer Fonds zum Schutz des Regenwalds, für den Deutschland eine Milliarde Euro über einen Zeitraum von zehn Jahren bereitstellt. Länder, die ihre Wälder erhalten, sollen nach dem neuartigen Modell belohnt werden. Umgekehrt sollen sie für jeden zerstörten Hektar Wald Strafe zahlen. 

Die Millionenstadt Belém am Rande des Regenwalds stellte die Zehntausenden Gäste aus aller Welt während der vergangenen zwei Wochen vor Herausforderungen – nicht nur wegen knapper Hotelbetten, die durch Kreuzfahrtschiffe und Privatunterkünfte aufgestockt wurden.

Denn so spürbar wie in Brasilien war die Außenwelt selten auf einer Klimakonferenz: Mehrfach konnten die hallengroßen Zelte den heftigen tropischen Regengüssen nicht standhalten, es tropfte in die Flure hinein. Im Endspurt brach aus ungeklärter Ursache sogar ein Feuer aus und trieb alle auf die Straße. Die COP, wie die Klimakonferenz im UN-Jargon heißt, brenne, genau wie Welt, hieß es prompt von Aktivisten.

Indigene Aktivisten stürmten das Gelände

Indigene waren auf der Amazonas-COP so stark vertreten wie nie zuvor. Trotzdem wussten viele indigene Gruppen, die Weltöffentlichkeit zu nutzen: Eines Abends stürmten etliche indigene Aktivisten das gesicherte Gelände, wenige Tage später blockierte eine Gruppe morgens den Eingang – im Kampf um mehr Mitsprache und Landrechte. 

Der Druck von außen war ein deutlicher Kontrast zu den vorherigen Klimakonferenzen in autoritären Staaten wie Aserbaidschan oder Ägypten. Höhepunkte der Proteste in Belém waren ein mehrtägiger «Gipfel des Volkes» auf dem Uni-Gelände und eine riesiger, bunter Marsch von Zehntausenden für mehr Klimaschutz.

1,5-Grad-Limit wird befristet überschritten

Schnelles Handeln ist angesichts der eskalierenden Klimakrise nötig. Denn beim Verbrennen von Öl, Gas und Kohle entstehen die meisten klimaschädlichen Treibhausgase, die dafür sorgen, dass sich der Planet immer mehr aufheizt. Die zehn wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen waren die vergangenen zehn. 

Inzwischen geht die Wissenschaft davon aus, dass die im Pariser Klimaabkommen angestrebte maximale Erderwärmung von 1,5 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit mindestens befristet überschritten wird, und zwar schon spätestens zu Beginn der 2030er Jahre. Die drastischen Folgen wären mehr und heftigere Stürme, Waldbrände, Dürren und Überschwemmungen.

Klima / UN / #COP30 / Deutschland / Brasilien / International
22.11.2025 · 17:44 Uhr
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