Investmentweek

KI-Aktien treiben Anleger in die Zwangsjacke – warum Aussteigen keine Option ist

19. Dezember 2025, 20:00 Uhr · Quelle: InvestmentWeek
KI-Aktien treiben Anleger in die Zwangsjacke – warum Aussteigen keine Option ist
Foto: InvestmentWeek
Fondsmanager halten US-Techaktien trotz hoher Risiken. Der Grund liegt in Benchmarks, Opportunitätskosten und dem Druck, nicht zurückzufallen.
Der Optimismus an den Finanzmärkten erreicht Höchststände, doch Warnsignale wachsen. Fondsmanager und Privatanleger bleiben engagiert, um Renditeverluste zu vermeiden.

Die Stimmung an den Finanzmärkten ist so gut wie lange nicht mehr – und genau das macht sie gefährlich. Fondsmanager sind optimistischer als seit über drei Jahren, die Kassen sind leer investiert, US-Techaktien übergewichtet wie selten zuvor. Eigentlich ein klassisches Warnsignal. Und doch passiert das Gegenteil dessen, was man erwarten würde: Die Profis bleiben drin.

Der Grund dafür liegt nicht in blindem Vertrauen, sondern in einer strukturellen Falle.

Der Optimismus erreicht einen kritischen Punkt

Der viel beachtete Fondsmanager-Sentimentindex der Bank of America steht aktuell bei 7,4 von 10 Punkten – dem höchsten Wert seit rund dreieinhalb Jahren. Historisch war genau das oft kein gutes Zeichen. Extreme Zuversicht erwies sich immer wieder als nachlaufender Indikator: Wenn die Stimmung ihren Höhepunkt erreicht, sind die Kurse häufig schon weit gelaufen.

Hinzu kommt ein zweiter, noch gewichtigerer Befund. Die Cash-Quote der befragten Manager ist auf 3,3 Prozent gefallen – so niedrig wie nie seit Beginn der Erhebung. Übersetzt heißt das: Das Pulver ist verschossen. Wer investiert ist, kann kaum noch nachlegen. Wer aussteigt, geht ein hohes relatives Risiko ein.

US-Techwerte gelten als Risiko und Pflicht zugleich

Ausgerechnet dort, wo die Profis die größten Risiken sehen, sind sie am stärksten engagiert: in US-Technologiewerten. Diese Diskrepanz wirkt widersprüchlich, ist es aber nicht. Sie ist das Resultat eines Benchmark-Systems, das keine Abweichung verzeiht.

Institutionelle Investoren messen ihren Erfolg nicht absolut, sondern relativ – meist am MSCI World oder am S&P 500. Beide Indizes werden seit Jahren von einer kleinen Gruppe US-Techkonzerne dominiert. Wer diese Titel untergewichtet, läuft Gefahr, dauerhaft hinter dem Vergleichsmaßstab zurückzubleiben. Und wer dauerhaft underperformt, verliert Mandate.

Die Entscheidung für Tech ist damit weniger eine Wette als eine Absicherung der eigenen Existenz.

Der voll investierte Bär wird zur Leitfigur

Die „Financial Times“ hat für dieses Phänomen einen treffenden Begriff geprägt: den voll investierten Bären. Gemeint sind Anleger, die das Risiko einer Korrektur klar erkennen, aber dennoch vollständig engagiert bleiben – weil der Preis des Ausstiegs zu hoch erscheint.

Liquidität ist reichlich vorhanden, die US-Zinsen sind gesunken, die Kursdynamik der Techriesen bleibt intakt. In diesem Umfeld wird Vorsicht bestraft. Wer auf Sicherheit setzt, verliert relativ – und das zählt in der Welt professioneller Vermögensverwaltung mehr als absolute Verluste.

Privatanleger stecken im gleichen Dilemma

Was für Fondsmanager gilt, trifft Privatanleger in abgewandelter Form ebenfalls. Zwar müssen sie sich nicht an Benchmarks rechtfertigen, doch der psychologische Effekt ist ähnlich. Wer breit über ETFs investiert, ist automatisch stark in US-Tech engagiert – ob bewusst oder nicht.

Wer versucht, den Markt zu schlagen, steht vor einem noch größeren Zwang. Ohne Beteiligung an den großen Gewinnern ist Outperformance kaum möglich. Entsprechend konzentrieren sich Käufe auch bei Privatanlegern auf dieselben Namen. Auf Plattformen wie Robinhood zählen Apple, Microsoft, Nvidia, Amazon, Alphabet, Meta und Tesla zu den meistgekauften Aktien.

Die Opportunitätskosten des Verzichts sind real

Wie teuer es sein kann, nicht dabei zu sein, zeigt eine Analyse des Family-Offices HQ Trust. In den vergangenen fünf Jahren legte der MSCI All-Country World Index um 94 Prozent zu. Ohne die sogenannten Magnificent Seven hätte der Zuwachs lediglich 70 Prozent betragen.

Der Verzicht auf US-Tech bedeutete also einen massiven Renditeverlust. Diese Erfahrung prägt das Verhalten vieler Anleger stärker als jede Warnung vor Überbewertungen.

Warnungen sind laut – vielleicht zu laut

Paradoxerweise verstärken gerade die zahlreichen Mahnungen vor einer Tech-Korrektur das Zögern beim Ausstieg. Denn viele Anleger haben in den vergangenen Jahren erlebt, dass genau solche Warnphasen von weiter steigenden Kursen gefolgt wurden.

Wer zu früh verkauft, steht an der Seitenlinie – und sieht zu, wie der Markt weiterläuft. Dieses Szenario wiegt für viele schwerer als das Risiko einer späteren Korrektur.

Diversifikation statt Totalverzicht

Die Konsequenz daraus ist kein Alles-oder-nichts-Ansatz. Weder blinder Optimismus noch vollständiger Rückzug liefern eine tragfähige Strategie. Was bleibt, ist Diversifikation: neben US-Tech auch europäische Aktien, Rohstoffe, Gold, alternative Anlagen.

Nicht investiert zu sein, ist in diesem Marktumfeld keine Lösung. Dafür sind die strukturellen Zwänge zu stark, die Opportunitätskosten zu hoch und der Druck der Benchmarks zu allgegenwärtig.

Der Boom der KI- und Techaktien mag riskant sein. Aber draußen zu bleiben, ist es ebenfalls.

Finanzen / Märkte / KI-Aktien / US-Techaktien / Fondsmanager
[InvestmentWeek] · 19.12.2025 · 20:00 Uhr
[0 Kommentare]
Märkte bleiben ruhig nach US-Intervention in Venezuela
Der politische Schock trifft auf geschlossene Märkte Als die US-Streitkräfte in der Nacht auf Samstag Ziele in Venezuela angriffen, waren die Börsen weltweit geschlossen. Die erste echte Bewährungsprobe folgte daher erst mit dem Wochenstart. Die Frage lautete: Reagieren die Märkte auf den Sturz von Nicolás Maduro mit Volatilität – oder ordnen sie das Ereignis als regional begrenztes Risiko ein? […] (00)
vor 43 Minuten
Zentralverband des Deutschen Handwerks (Archiv)
Berlin - Angesichts der anhaltenden Wirtschaftskrise appelliert das Handwerk an die Bundesregierung, die für 2027 geplante Einkommensteuersenkung auf dieses Jahr vorzuziehen. "Es ist richtig und dringend notwendig, die Unternehmenssteuerbelastung im Höchststeuerland Deutschland zu senken", sagte der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), Jörg Dittrich, der "Bild". Doch eine […] (00)
vor 3 Minuten
Kernkraft aus dem Flugzeugträger: Ein neuer Ansatz gegen den Energieengpass der KI
Rechenzentren, die große KI-Modelle trainieren und betreiben, treiben den Strombedarf stark nach oben und verschärfen damit die Suche nach kontinuierlich verfügbarer Energie. Eine ungewöhnliche Idee aus den USA setzt dabei auf Technik, die ursprünglich für Flugzeugträger entwickelt wurde: Marine-Reaktoren sollen an Land verlegt und als Kraftwerksmodule für Rechenzentren genutzt werden. Dabei steht […] (01)
vor 13 Stunden
Cyberkriminalität
Hamburg (dpa) - Der unter seinem Foren-Namen bekanntgewordene mutmaßliche Pädokriminelle «White Tiger» steht ab Freitag (9.1.) in Hamburg vor Gericht. Da der heute 21-Jährige die mehr als 200 angeklagten Straftaten, darunter einen vollendeten und fünf versuchte Morde, selbst noch als Jugendlicher oder Heranwachsender begangen haben soll, findet die Verhandlung vor einer Jugendkammer der Großen […] (00)
vor 1 Stunde
Zusammenarbeit mit NVIDIA GeForce für ein gelungenes PC Erlebnis von 007 First Light
IO Interactive, der preisgekrönte Entwickler und Publisher hinter der weltweit gefeierten  HITMAN -Reihe, und Amazon MGM Studios geben stolz eine Zusammenarbeit mit NVIDIA GeForce bekannt, um ein verbessertes PC-Erlebnis für  007 First Light  zu liefern, das am 27. Mai 2026 veröffentlicht wird.  007 First Light erscheint für PS5, Xbox Series X|S, Xbox ROG Ally X, Xbox ROG Ally, Nintendo […] (00)
vor 12 Stunden
«Jackass» kehrt mit neuem Kinofilm im Sommer zurück
Nach vier Jahren Pause meldet sich die Chaos-Truppe um Johnny Knoxville zurück: Ein neuer «Jackass»-Film startet am 26. Juni weltweit in den Kinos. Wie nun bestätigt wurde, bringt Paramount Pictures im Sommer einen brandneuen Teil der langlebigen Stunt- und Comedy-Reihe Jackass ins Kino. Zwar wurde der Titel noch nicht offiziell genannt, klar ist jedoch: Es handelt sich um einen neuen Film und nicht um eine Wiederaufführung früherer Beiträge. […] (00)
vor 1 Stunde
Brooklyn Nets - Orlando Magic
New York (dpa) - Die Orlando Magic mit Basketball-Europameister Tristan da Silva haben ihr Auf und Ab in der NBA mit einem Sieg fortgesetzt. Dank eines verwandelten Drei-Punkte-Wurfs von Topstar Paolo Banchero mit auslaufender Uhr gewannen die Magic bei den Brooklyn Nets mit 104: 103 nach Verlängerung. Damit setzte sich eine skurrile Serie beim Team aus Florida fort: Seit der Niederlage bei den […] (00)
vor 1 Stunde
camos ernennt Heiner Habeck zum CEO
Stuttgart, 07.01.2026 (PresseBox) - camos, ein führender Anbieter moderner CPQ-Lösungen (Configure, Price, Quote), gab heute die Ernennung von Heiner Habeck zum Chief Executive Officer bekannt. Zusammen mit Steffen Lorscheider (Chief Product & Technology Officer) wird er für das zukünftige Wachstum des Unternehmens verantwortlich sein. Er tritt die Nachfolge von Simon Märkle an, der das […] (00)
vor 9 Stunden
 
btc, bitcoin, cryptocurrency, crypto, money, currency, coin, finance, mining, payment, cash, internet, blockchain, gold, crypto-currency, business, cryptography, digital, financial, banking, electronic, network, stack, new order, bitcoin, bitcoin, bitcoin
Dogecoin (DOGE) erlebte einen beeindruckenden Jahresbeginn, angetrieben durch die Wiederbelebung des […] (00)
Netzentgelt-Rabatte unter Druck – warum die Industrie nun nach Frankreich blickt
Streit um Stromnetzentgelte spitzt sich zu Der geplante Kurs der Bundesnetzagentur sorgt seit […] (00)
Exor bleibt Ferrari treu und sichert Aktionärsstabilität
Exor bleibt strategischer Ankeraktionär Die niederländische Investmentgesellschaft Exor hat […] (00)
Freiwillige Ausreisen
Berlin (dpa) - Im vergangenen Jahr sind zwar deutlich weniger Asylsuchende nach Deutschland […] (00)
Wechsel: Neue Moderation fürs «auslandsjournal»
Antje Pieper geht nach Rom - stattdessen präsentieren Shakuntala Banerjee und Alica Jung künftig das […] (00)
Infineon-Aktie gefragt: Bernstein sieht weiter Kurspotenzial
Bernstein bestätigt Kaufempfehlung für Infineon Das US-Analysehaus Bernstein Research hat […] (00)
67 Tage Zwangspause: Hacker stürzen „Rainbow Six Siege X“ ins totale Chaos
Es sollte der triumphale Sieg über die Cheater-Plage werden, doch aktuell gleicht Rainbow Six […] (01)
JLab präsentiert Neuheiten auf der CES 2026
JLab, ein führender Anbieter für persönliche Audiotechnologie, präsentiert seine neuesten […] (01)
 
 
Suchbegriff