Kampf um den Ostsee-Dorsch: Wissenschaft und Politik in der Diskussion
Der Fischereiwissenschaftler Rainer Froese vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel erhebt eindringlich die Stimme: Ein temporäres Fangverbot für Dorsch und Hering in der Ostsee ist seiner Meinung nach unumgänglich, um die stark bedrohten Bestände dieser Fischarten zu schützen. Froese fordert einen mindestens einjährigen Stopp, idealerweise jedoch zwei bis drei Jahre, um den unter Druck stehenden Arten Raum zur Erholung zu geben. Derzeitige Praktiken in der Ostsee seien, so Froese, so ziemlich alles andere als förderlich, da Jungfische bereits vor ihrer Fortpflanzung gefangen würden und Grundschleppnetze wertvolle Lebensräume zerstörten. Die Folge sei ein dramatischer Einbruch der Dorsch- und Heringsbestände.
Parallel laufen die Beratungen der EU-Agrar- und Fischereiminister zur Festlegung der Fangquoten für 2024 auf Hochtouren. Die Kommission plädiert für die Beibehaltung der Begrenzung auf unvermeidbare Beifänge, bei gleichzeitiger Senkung der Höchstmengen für Dorsch und Hering. Außerdem steht im Raum, Ausnahmen für gezielte Heringsfänge in begrenztem Umfang zu streichen, was für erheblichen Unmut in der Region sorgt.
Ein vehementer Gegner dieser Maßnahmen ist Christopher Zimmermann vom Thünen-Institut für Ostseefischerei in Rostock. Er sieht in der Streichung der Ausnahmen eine finanzielle Katastrophe für die lokalen Fischer, die ohnehin nur noch geringe Mengen an wirtschaftlich relevanten Fischen wie Hornhecht und Plattfischen fangen können. Laut Zimmermann würde ein Ende der Ausnahme für kleinskalige Fischereipraktiken die Bestandsentwicklung nicht beeinflussen, während die wirtschaftlichen Verluste für die Fischer beträchtlich wären. Seine Expertise als Mitglied des Internationalen Rates für Meeresforschung könnte für die EU-Kommission entscheidend sein.

