Kaffeestreit geht in die nächste Runde: Tchibo unterliegt erneut gegen Aldi Süd

Tchibo musste im Rechtsstreit um vermeintlich zu günstige Kaffeepreise eine erneute juristische Niederlage hinnehmen. Der 6. Kartellsenat des Oberlandesgerichts Düsseldorf hat die Berufung von Tchibo gegen das Urteil der ersten Instanz abgelehnt. Das Urteil ist zwar noch nicht rechtskräftig, lässt Tchibo allerdings die Option, den Fall vor den Bundesgerichtshof zu bringen.
Im Kern wirft Tchibo dem Discounter Aldi Süd vor, seine Eigenmarke Barissimo unter den Herstellungskosten zu verkaufen, was gegen bestehendes Recht verstoße. Diese aggressive Preispolitik soll sowohl den Wettbewerb als auch Verbraucher beeinträchtigen. Doch die Düsseldorfer Richter sahen das anders. Der Tchibo-Sprecher Arnd Liedtke bedauerte, dass das Gericht hier eine Chance zur Korrektur im deutschen Lebensmittelhandel verpasst habe.
Bereits zuvor hatte das Landgericht Düsseldorf im Januar 2025 gegen Tchibo entschieden, das angeführt hatte, dass Aldi Süd zeitweise Kaffee mit erheblichen Verlusten von bis zu zwei Euro pro Kilo verkauft habe. Die Produktion überwacht Aldis Tochtergesellschaft New Coffee. Branchenexperten wie Jens-Uwe Franck sehen in dem Fall ein Symptom der wandelnden Handelslandschaft, in der Discounter zunehmend auf Eigenmarken setzen und selbst Produktionswege mitgestalten.
Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, dass der Bundesgerichtshof bereits 2002 im Fall Walmart ähnliche Praktiken untersagte, weil sie kleine Wettbewerber benachteiligten. Dennoch erlauben kartellrechtliche Regeln auch marktstarken Einzelhändlern, bestimmte Produkte als Verlustführer im Rahmen einer Mischkalkulation zu nutzen.
Der Kaffeemarkt steht derzeit ohnehin unter Druck: Steigende Rohkaffeepreise, resultierend aus schlechteren Ernten, lassen die Verbraucher tief in die Taschen greifen. Laut dem Statistischen Bundesamt stiegen die Bohnenkaffeepreise im Dezember um 55 Prozent im Vergleich zu 2020. Deutschland bleibt, trotz aller Widrigkeiten, der größte Abnehmer brasilianischen Rohkaffees, wie der Kaffeeverband berichtet.

