Jüngste Kritik an der Riester Rente nicht gerechtfertigt
Eine aktuelle Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) geht mit der Riester Rente hart ins Gericht. Demnach kommt die Riester-Förderung nur bei Gutverdienern an. Doch nun regt sich Kritik an der Kritik. Sie sei grundfalsch. Zudem habe die Studie methodische Schwächen.
Die Riester Rente gehört zu den Versicherungsprodukten, die immer wieder in der Kritik stehen. Unzureichende Transparenz und hohe Kosten sind zwei der am häufigsten genannten Punkte, die oft beanstandet werden. Das DIW fügte letzte Woche einen neuen Kritikpunkt hinzu. Demnach komme die Riester-Förderung nicht bei Kleinverdienern an. Ein Großteil der Fördersumme - 38 Prozent - fließe an die oberen 20 Prozent der Einkommensgruppen, während nur sieben Prozent auf die unteren 20 Prozent entfallen. Doch nicht nur der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) versucht diese Kritik schnell zu relativieren bzw. zurückzuweisen. Mit Walter Riester und Axel Reimann, dem Präsidenten der Deutschen Rentenversicherung, finden sich weitere prominente Namen, die der Kritik des DIW nicht folgen.
GDV: Unzureichende Analysen des DIW
Der GDV weist darauf hin, dass nicht nur überwiegend Reiche bzw. Gutverdiener von der Riester-Förderung, bestehend aus Zulagen und Steuervorteilen, profitieren. Denn die oberen 20 Prozent der Einkommensverteilung "beginnen bereits bei einem Netto-Haushaltseinkommen von 37.200 Euro." Zudem kritisiert der Verband, dass das DIW nicht die Verteilung der Zulagen untersucht hat. Diese Analyse wäre zu dem Ergebnis gekommen, dass "25 Prozent der Zulagen an Menschen gehen, die unter 10.000 Euro verdienen." Insofern kann der GDV die Kritik nur zurückweisen.
Deutsche Rentenversicherung vermutet methodische Schwächen
Auch Axel Reimann von der Deutschen Rentenversicherung steht der aktuellen DIW-Studie eher kritisch gegenüber. So werde beispielsweise nicht berücksichtigt, "dass die Riester-Rente in der Auszahlungsphase voll zu versteuern ist und gerade die oberen Einkommensgruppen über die höheren Steuersätze einen erheblichen Teil der Förderung später wieder zurückzahlen", zitiert ihn die Neue Osnabrücker Zeitung. Zusätzlich müssen Gutverdiener auch höhere Beiträge als Geringverdiener zahlen, um die Förderung zu erhalten. Insgesamt weist die DIW-Studie "nach ersten Analysen einige methodische Schwächen auf."
Riester weist DIW-Kritik an Riester Rente als grundfalsch zurück
Schließlich bemängelt Walter Riester, der ‚Erfinder' der Riester Rente, die Studie des DIW. So sei die Kritik "grundfalsch", berichtet das Versicherungsjournal. In Berlin erklärte der ehemalige Arbeitsminister, er sei entsetzt darüber, "wenn über eine sogenannte Riester-Falle gesprochen werde." Solche Aussagen führen nur dazu, dass Menschen, die vorsorgen wollen, verunsichert werden.
Altersvorsorge gibt es nicht zum Nulltarif
Mit der neuen Studie stehen sich wieder einmal Befürworter und Gegner der Riester Rente gegenüber. Doch unabhängig davon, wie gerechtfertigt die Ergebnisse der DIW-Studie sind, so ist eines klar: Altersvorsorge gibt es nicht zum Nulltarif. Wer im Alter von einer privaten Rente leben will, muss frühzeitig mit dem Aufbau des finanziellen Polsters beginnen und Beiträge zahlen. Ganz ohne eine private Altersvorsorge wird ein Leben im Ruhestand zum gewohnten Lebensstandard in den meisten Fällen nicht möglich sein. Die Riester Rente kann für Geringverdiener, insbesondere mit Kindern, eine Möglichkeit darstellen, zusammen mit der staatlichen Förderung vorzusorgen. Die aktuelle Kritik macht jedoch deutlich, dass nicht ohne weiteres ein Vertrag abgeschlossen werden sollte. Interessierten ist zu empfehlen, sich persönlich zu den jeweiligen Altersvorsorgemöglichkeiten sowie zu den Vor- und Nachteilen beraten zu lassen.

