Zum 50. Thronjubiläum

Juan Carlos steht erneut am Pranger

16. November 2025, 10:00 Uhr · Quelle: dpa
Spaniens Altkönig Juan Carlos
Foto: Ángel Díaz Briñas/EUROPA PRESS/dpa
Bei den Feiern zum 50. Jahrestag seiner Thronbesteigung wird Juan Carlos in Spanien nur Zaungast sein. (Archivfoto)
Juan Carlos I. feiert das Ende der Franco-Ära im Exil, da offizielle Feiern ihn ausschließen. Seine Biografie rührt alte Skandale auf und schadet der Monarchie. (45 Wörter)

Madrid (dpa) - Wenn Spanien bald unter anderem im Parlament den 50. Jahrestag des Diktatur-Endes und der Wiedereinführung der Monarchie feiert, wird der damalige Hauptdarsteller nur Zaungast sein. Altkönig Juan Carlos I. steht nicht auf der Gästeliste der offiziellen Jubiläumsfeier am 21. November im Parlament in Madrid. Der 87-Jährige wird sich mit einem Privatdinner am 22. im engen Familienkreis im abgelegenen Palacio El Pardo begnügen müssen.

In der offiziellen Mitteilung des Königshauses wird der Vater von König Felipe VI. nicht einmal erwähnt. Er bleibt daheim nach einer Welle älterer Skandale und neuen Fehltritten ein «Paria», wie die Zeitung «El Mundo» und andere Medien feststellen. Jemand, den niemand in seiner Nähe haben will.

Der Bourbone bestieg am 22. November 1975, nur zwei Tage nach dem Tod von Gewaltherrscher Francisco Franco den Thron. Er blieb fast vier Jahrzehnte lang Staatsoberhaupt, bis zur Abdankung zugunsten von Felipe im Juni 2014. Ein «König der Skandale», wie viele ihn nennen, bleibt er aber bis heute, denn er tritt weiterhin von einem Fettnäpfchen ins nächste - zuletzt mit empörenden Aussagen in seiner Biografie.

Treffen mit der Familie unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Offizielle Fotos vom Privatdinner wird man nicht zu sehen bekommen. Seit Juan Carlos 2020 - halb freiwillig, halb vom eigenen Sohn und der Regierung erzwungen - ins Wüsten-Exil ging, finden solche Treffen mit Felipe (57), Gattin Sofía (87), die daheim blieb und ihn nie in der Luxusvilla mit Meeresblick in Abu Dhabi besuchte, Kronprinzessin Leonor (20) und anderen Angehörigen der «Casa Real» in Spanien stets unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.

Abgesehen von den Segelfreunden in Sanxenxo in Galicien und anderen wenigen Wegbegleitern, die er ab und zu mal besucht, will sich inzwischen in Spanien kaum jemand an der Seite des Altkönigs ablichten oder sehen lassen.

Wenn Juan Carlos mit seiner jüngst erschienenen Biografie «Reconciliación» tatsächlich Versöhnung schaffen und sein Image glätten wollte, hat er die falsche Taste getroffen. Er bezeichnet seinen skandalfreien und von vielen Spaniern als korrekt und sachlich angesehenen Sohn Felipe als «unsensibel», beschreibt dessen Gattin Letizia (57) als Unruhestifterin und entschuldigt sich nur halbherzig für außereheliche Affären und irreguläre finanzielle Geschenke.

Lobgesang auf den Diktator

Mit demonstrativem Lob für Franco übertraf er allerdings die schlimmsten Erwartungen. «Ich respektierte ihn enorm, schätzte seine Intelligenz und seinen politischen Sinn (...) Ich habe niemals zugelassen, dass ihn jemand vor mir kritisierte», ist im vorerst nur in Frankreich erschienenen Buch zu lesen. 

Kulturminister Ernest Urtasun sprach von «abstoßenden» Worten. In einem Land, in dem Angehörige der Hunderttausenden Diktaturopfer immer noch nach den anonym verscharrten Überresten ihrer Lieben suchen, sei es «schmerzhaft», so etwas zu lesen, sagte Regierungschef Pedro Sánchez.

Juan Carlos, von Franco selbst als Nachfolger auserkoren, galt vielen als Marionette des Regimes - doch bald überraschte er alle. Statt die autoritären Strukturen zu bewahren, führte er einen radikalen Wandel an. Seine große Stunde schlug 1981, als bewaffnete Militärs das Parlament stürmten. Der König, in Uniform vor den Kameras, stellte sich entschlossen auf die Seite der Verfassung - und brachte die Putschisten mit seiner Rede zur Aufgabe. Der Monarch wurde als «Retter der Demokratie» gefeiert. Unter der Regentschaft des charismatischen Staatsoberhaupts blühte Spanien regelrecht auf.

Vom Volksheld zum «Paria»

Doch dem Aufstieg folgte der tiefe Fall. Die Monarchie, einst Inbegriff des Aufbruchs, wurde im 21. Jahrhundert zum Symbol von Skandalen und Entfremdung. Den Wendepunkt markierte das Jahr 2012: Nur weil der König sich in Botsuana bei einem nächtlichen Sturz im Hotel die Hüfte brach, erfuhren die Spanier, dass er während der Wirtschaftskrise auf Elefantenjagd war. Die Empörung war riesig. Die Welle der Kritik hielt er rund zwei Jahre aus. 2014 nahm er - emotional und gesundheitlich angeschlagen - Abschied vom Thron.

Doch Ruhe kehrte damit nicht ein. Weitere Skandale im privaten Bereich sowie Enthüllungen über finanzielle Unregelmäßigkeiten setzten dem «Rey emérito» weiter zu. Da die Rufe nach Abschaffung der Monarchie immer lauter und lauter wurden, verließ er Spanien im August 2020 in einer Nacht-und-Nebel-Aktion. Seitdem lebt er trotz der Einstellung aller Justizermittlungen im Exil in Abu Dhabi «in einem goldenen Käfig», wie es der Journalist Jaime Peñafiel formulierte.

Skandale belasten auch andere Königshäuser Europas

Die spanische Monarchie ist derweil nicht die einzige in Europa, die aufgrund von Skandalen harten Bewährungsproben ausgesetzt ist. 

Mit ihren ganz eigenen Problemen ringen derzeit etwa die Royals in Norwegen: Gegen den ältesten Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit (52), Marius Borg Høiby (28), ist in gleich 32 Punkten Anklage erhoben worden. Es geht unter anderem um Vergewaltigungsvorwürfe und um Gewalt im Kokainrausch.

Die norwegische Königsfamilie um König Harald V. (88) und Mette-Marits Mann Kronprinz Haakon (52) versucht den Spagat, dem 28-Jährigen nicht öffentlich in den Rücken zu fallen, die schwerwiegenden Anschuldigungen aber auch nicht kleinzureden. Doch immer wieder scheint durch, welch große Belastung der Fall Marius für den norwegischen Hof seit nunmehr über einem Jahr ist.

«Natürlich ist das schwierig. Sowohl für mich als Schwester als auch für Mama und Papa. Und natürlich für alle, die von dem Fall betroffen sind», sagte Høibys in Australien studierende Stiefschwester, Prinzessin Ingrid Alexandra (21), jüngst in einem Interview des norwegischen Rundfunksenders NRK.

Das traurige und gefährliche Erbe des Altkönigs

Auch bei den britischen Royals geht es derzeit wieder hoch her. Im Zuge des Skandals um den 2019 in Haft gestorbenen Sexualstraftäter Jeffrey Epstein kamen schon vor Jahren Vorwürfe gegen Andrew (65) hoch, den Bruder von König Charles III. (77). In den vergangenen Wochen erhöhte sich der Handlungsdruck auf das Königshaus aber dramatisch. 

Kurz nach der Veröffentlichung der Memoiren des bekanntesten Epstein-Opfers Virginia Giuffre wurden dem 65-Jährigen auch die letzten Titel und Ehren entzogen. Aus Prinz Andrew wurde Andrew Mountbatten Windsor, zudem muss er aus einem luxuriösen Anwesen auf dem Gelände von Schloss Windsor ausziehen.

Giuffre, die sich im April mit 41 Jahren das Leben nahm, hatte Andrew vorgeworfen, sie drei Mal zum Sex gezwungen zu haben. Der Brite pflegte ein freundschaftliches Verhältnis zu Epstein, der über Jahre einen Missbrauchsring betrieben hatte. Andrew weist die Vorwürfe gegen sich zurück. Die Distanzierung von Epstein war aber nie glaubhaft.

Marius Borg Høiby und Andrew haben noch Zeit, an sich zu arbeiten. Bei Juan Carlos hingegen glaubt niemand mehr an Läuterung. «El País» schrieb dieser Tage: Auch wenn er Spaniens Rückkehr zur Demokratie entscheidend geprägt und dafür immense Zuneigung erhalten habe, bleibe vom Altkönig heute «vor allem der Nachhall sexueller Maßlosigkeit, finanzieller Entgleisungen und eines hinter der royalen Fassade zerbrochenen Familienlebens». Mit der Biografie habe er Felipe und der Monarchie einen neuen Bärendienst erwiesen.

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16.11.2025 · 10:00 Uhr
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