Japanische Notenbank zögert bei Zinserhöhungen, hält Inflationsgefahren im Blick
Die Bank von Japan (BOJ) steht aktuell in einem Spannungsfeld zwischen den Risiken einer anhaltend niedrigen Inflation und der Gefahr, dass die Preisspirale außer Kontrolle gerät. Inmitten globaler Unsicherheiten, hervorgerufen durch US-Handelszölle und geopolitische Spannungen in der Region, sieht sich die BOJ gezwungen, vorsichtig abzuwägen.
Unter der Leitung von Gouverneur Kazuo Ueda liegt der Fokus der BOJ derzeit auf den Abwärtsrisiken der japanischen Wirtschaft. Diese könnten durch die Wirkungen amerikanischer Zölle in der zweiten Jahreshälfte noch verstärkt werden. Ueda machte jedoch auch darauf aufmerksam, dass die Bank die Augen vor den Aufwärtsrisiken, wie zum Beispiel steigende Nahrungsmittelpreise, nicht verschließen dürfe.
Im Kontext steigender Erdölpreise, angeheizt durch den Konflikt im Nahen Osten, sieht die BOJ die Gefahr, dass die Inflationserwartungen der Haushalte durch anziehende Benzin- und Energiekosten weiter steigen könnten. Experten, wie Analytiker von Mizuho Securities, prognostizieren einen weiteren Anstieg der Kernverbraucherpreise um bis zu 0,2 Prozentpunkte im Herbst.
Die Zentralbank steht vor der Herausforderung, ihre Preisprognosen für die nächsten Quartale zu überarbeiten. JP Morgan Securities vermutet, dass die BOJ ihre Inflationsprognosen anheben könnte, was eine Zinserhöhung im Herbst möglich erscheinen lässt. Derweil hoffen Marktbeobachter auf klare Signale von der BOJ, um die Unsicherheiten bezüglich der Zinspolitik zu mindern.
Inmitten dieser Gemengelage bleibt die Kommunikation der BOJ bewusst offen. Analysten von ING halten es für möglich, dass Japan seine Zinsanhebungen bis Anfang 2026 aufschieben könnte, sollten sich die Verhandlungen mit den USA weiter in die Länge ziehen. Allerdings könnte eine vorzeitige Anhebung erfolgen, wenn der Inflationsdruck steigt.

