Gaza-Krieg

Israels Militär beginnt Bodenoffensive in Stadt Gaza

16. September 2025, 14:24 Uhr · Quelle: dpa
Das israelische Militär hat mit Tausenden Soldaten die Offensive in Gaza gestartet, um Hamas zu bekämpfen. Internationale Kritiker warnen vor dramatischen humanitären Folgen und fordern eine Waffenruhe. (28 Wörter)

Gaza/Tel Aviv (dpa) - Das israelische Militär hat mit Tausenden Soldaten und schwerem Gerät seine geplante Bodenoffensive in der Stadt Gaza begonnen - obwohl sich dort noch Hunderttausende Zivilisten aufhalten. Nach Anweisung der politischen Spitze hätten Truppen «den Bodeneinsatz in die Hamas-Hochburg ausgeweitet, in die Stadt Gaza», sagte ein Militärsprecher vor Journalisten. Es handele sich um ein «schrittweises Manöver», an dem Luft- und Bodenstreitkräfte beteiligt seien. 

Ziel sei es, die Hamas-Kräfte in diesem Gebiet auszuschalten, sagte der Sprecher weiter. Israel gehe davon aus, dass sich dort bis zu 3.000 kampfbereite Mitglieder der islamistischen Terrororganisation aufhielten. Unter der Stadt befinde sich ein ausgedehntes, unterirdisches Tunnelnetzwerk der Hamas. Die israelischen Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen. 

Man werde alles unternehmen, um die Sicherheit der 48 verbliebenen Geiseln und der Zivilisten in Gaza zu gewährleisten, sagte der Militärsprecher weiter. Rund 40 Prozent der Zivilbevölkerung - mehr als 350.000 Menschen - haben die Stadt nach Angaben beider Seiten verlassen. Das heißt im Umkehrschluss, dass sich in der von Israel zur Kampfzone erklärten Stadt weiter Hunderttausende Palästinenser befinden.

Verteidigungsminister Katz: «Gaza brennt» 

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sprach vom Beginn eines intensiven Einsatzes in der Stadt Gaza. Verteidigungsminister Israel Katz schrieb am Morgen: «Gaza brennt.» Die Soldaten kämpften, «um die Voraussetzungen für die Freilassung der Geiseln und die Niederlage der Hamas zu schaffen». Man werde «nicht nachlassen und nicht zurückweichen – bis die Mission abgeschlossen ist», schrieb Katz weiter. Es war zunächst völlig unklar, wie lange der Einsatz in der Stadt Gaza dauern würde. Manche Experten gehen davon aus, dass er sich über Monate hinziehen könnte. 

Das israelische Militär hatte in der Nacht auf Dienstag seine Angriffe auf die Stadt Gaza massiv intensiviert. Mehrere US-Medien berichteten über Panzer, die in die Stadt vorrückten. Die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa sprach nach Angriffen von Dutzenden Toten.

Israelische Kampfflugzeuge flogen laut Wafa nahezu ununterbrochen heftige Attacken auf die im Norden des Gazastreifens gelegene Stadt, begleitet von Artilleriebeschuss. Augenzeugen berichten von verzweifelten Zuständen in der Stadt.

Mindestens zwei Divisionen des Militärs im Einsatz

Israelische Truppen seien schon seit Wochen in den Außenbezirken der Stadt Gaza im Einsatz, sagte der Sprecher. Seit Montagabend bewegten sie sich zudem langsam in Richtung des Stadtzentrums. Es seien zwei Divisionen an dem Einsatz beteiligt, reguläre und Reservetruppen. In den kommenden Tagen sollten weitere Divisionen zum Einsatz kommen. Eine Division besteht in der Regel aus 10.000 bis 15.000 Soldatinnen und Soldaten. Man stelle sich auf einen «komplexen Häuserkampf» in der Stadt Gaza mit «vielen Herausforderungen» ein, sagte der Sprecher.

Die Armee hatte die Menschen in der Stadt vor Beginn der Offensive dazu aufgerufen, sich in eine sogenannte humanitäre Zone im Süden des Küstenstreifens zu begeben. In der Zone gebe es mehr Nahrungsmittel, Wasser, Medikamente und Unterkünfte, so die Darstellung des israelischen Militärs. Internationale Hilfsorganisationen haben immer wieder vor einer Verschärfung der schlimmen humanitären Lage im umkämpften Gazastreifen gewarnt. 

Fast alle der rund zwei Millionen Palästinenser im Gazastreifen sind während des verheerenden Krieges, der schon seit fast zwei Jahren wütet, zu Binnenvertriebenen geworden. Viele von ihnen mussten schon mehrmals unter unbeschreiblichen Umständen fliehen. Den Vereinten Nationen (UN) zufolge ist die Versorgungslage in dem abgeriegelten Küstenstreifen dramatisch, vielen Menschen leiden an Hunger. 

Wadephul: Eroberung der Stadt Gaza der falsche Weg

Außenminister Johann Wadephul kritisierte Israels Vorgehen. Deutschland trage eine besondere Verantwortung für den Staat Israel in dessen grundsätzlich gerechtfertigtem Kampf gegen die Hamas. «Aber wir schauen uns genau an, mit welchen Mitteln und zu welchen Kosten dieser Kampf geführt wird.» Die humanitäre Situation im Gazastreifen sei inakzeptabel, auch das Fortführen der Auseinandersetzung mit dem Ziel der Eroberung der Stadt Gaza sei der falsche Weg.

Die britische Außenministerin Yvette Cooper schrieb auf der Plattform X, die neue Offensive des israelischen Militärs sei «rücksichtslos und entsetzlich». Diese werde nur zur mehr Blutvergießen und zu mehr getöteten Zivilisten führen sowie das Leben der verbliebenen Geiseln gefährden. Es brauche eine sofortige Waffenruhe, forderte sie. 

Sorge um das Schicksal der Geiseln

Das Forum der Angehörigen der Geiseln äußerte große Besorgnis. Nach 710 Nächten in der Gewalt von Terroristen «könnte heute Nacht die letzte Nacht für die Geiseln sein», hieß es in einer Erklärung des Forums in der Nacht auf Dienstag. Netanjahu entscheide sich bewusst dafür, «sie aus politischen Erwägungen zu opfern». Er ignoriere dabei völlig die Einschätzungen des Generalstabschefs und der Sicherheitsbehörden. 

Oppositionsführer Lapid: Niemand versteht, was Israel will

Israels Oppositionsführer Jair Lapid warf Netanjahu vor, für die wachsende internationale Isolation des Landes verantwortlich zu sein. Dies habe keine höhere Macht verursacht, vielmehr sei Netanjahu der «Hauptschuldige», sagte Lapid. Der Ex-Ministerpräsident warf ihm unter anderem vor, er habe zu extremistischen Äußerungen seiner Minister zum Gazastreifen geschwiegen. Außerdem gebe es keine klare politische Linie. «Niemand auf der Welt versteht, was Israel will.» Es sei unklar, wie der Gaza-Krieg enden solle. «Alles ist amateurhaft und nachlässig und arrogant», kritisierte Lapid. 

Das israelische Sicherheitskabinett hatte im August gegen den Widerstand der Militärspitze die Einnahme der Stadt Gaza gebilligt. Netanjahu sagte, die Armee solle dort die verbliebenen Hamas-Kräfte zerschlagen. Im Gazastreifen befinden sich noch 48 Geiseln, von denen nach israelischen Informationen noch 20 am Leben sind.

Der Gaza-Krieg begann mit dem Überfall der Hamas und weiterer islamistischer Terroristen auf Israel am 7. Oktober 2023, bei dem rund 1.200 Menschen getötet und mehr als 250 in den Gazastreifen verschleppt wurden. Seither sind nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums rund 65.000 Palästinenser in dem Küstengebiet getötet worden, darunter zahlreiche Frauen und Kinder. 

UN-Menschenrechtler werfen Israel Völkermord vor 

Kritiker werfen Israel Kriegsverbrechen vor. Israel betont dagegen, man bekämpfe ausschließlich die Hamas, während Zivilisten von der Terrororganisation als «menschliche Schutzschilde» missbraucht würden.

Von den Vereinten Nationen bestellte Menschenrechtler warfen Israel am Dienstag auch vor, Genozid, also Völkermord, zu begehen. Die Kriegsführung Israels gegen die Hamas ziele auf die Auslöschung der Palästinenser ab. Vier der fünf in der UN-Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermordes von 1948 erwähnten Tatbestände seien erfüllt, befand die dreiköpfige Kommission. Sie zitierte zahlreiche Reden und Schreiben der politischen und militärischen Führung Israels, die nach ihrer Überzeugung Völkermordabsichten belegen. Israel verurteilte den Bericht der Menschenrechtler als skandalös.

Konflikte / Krieg / Nahost / Israel / Palästinensische Gebiete
16.09.2025 · 14:24 Uhr
[6 Kommentare]
Gitta Connemann (Archiv)
Berlin - Die CDU-Politikerin Gitta Connemann kritisiert die Kirchen für ihre ablehnende Haltung zur Widerspruchslösung bei der Organspende. Das könne sie nicht verstehen, sie akzeptiere es auch nicht, sagte Connemann dem "Stern". Es müsse bei der Freiwilligkeit bleiben, aber man dürfe von allen Menschen eine Entscheidung darüber verlangen. "Jetzt ist […] (00)
vor 11 Minuten
Vielfältige Wälder Einer der größten Vorzüge Deutschlands sind seine abwechslungsreichen Naturlandschaften. Wälder sind ein wesentlicher Bestandteil dieser Landschaften. Sie finden sich in jeder Region des Landes und sind öffentlich zugänglich. Touristen, die Waldspaziergänge und Entspannung in der Natur genießen, haben eine große Auswahl. Nadelwälder […] (00)
vor 5 Stunden
Ein Mann zeigt mit dem Finger auf einen Namenscluster
Ludwigsfelde (dpa/tmn) - Wer weiß schon, wo außer den direkten Verwandten noch Menschen mit demselben Nachnamen wohnen? Herausfinden lässt sich das auf der Webseite «Geogen» - der Name steht für «geografische Genealogie», was so viel bedeutet wie ortsbezogene Ahnenforschung. So erklärt es Entwickler Christoph Stöpel auf der Seite. Dreh- und Angelpunkt […] (00)
vor 7 Minuten
Wer kennt das nicht: Eine App lädt zu langsam, das Menü wirkt unübersichtlich — und schon ist man weg. Digitale Plattformen kämpfen heute härter denn je um jeden Klick. Was macht den Unterschied zwischen Plattformen, die begeistern, und solchen, die Nutzer sofort wieder verlieren? Die Antwort liegt selten in einer einzigen Funktion — sondern im […] (00)
vor 5 Stunden
«30 Rock»-Darsteller Grizz Chapman mit 52 Jahren gestorben
Der aus der Kultserie «30 Rock» bekannte Schauspieler Grizz Chapman ist im Alter von 52 Jahren gestorben. Wie sein Cousin Donte Harrison, ehemaliger Spieler der Harlem Globetrotters, in sozialen Netzwerken bestätigte, starb Chapman am Freitag im Schlaf. Eine genaue Todesursache wurde zunächst nicht veröffentlicht. Harrison erklärte jedoch, Chapman habe über viele Jahre mit gesundheitlichen […] (02)
vor 10 Stunden
SC Paderborn 07 - VfL Wolfsburg
Paderborn (dpa) - Mit Sicherheitsabstand zu ihren aufgebrachten Fans standen die trauernden Wolfsburger Spieler auf dem Paderborner Rasen und versuchten, das Unfassbare zu verarbeiten. Der millionenschwere Volkswagen-Club ist aus der Fußball-Bundesliga abgestiegen. Das Team von Trainer Dieter Hecking hat die Relegation gegen den SC Paderborn auf […] (01)
vor 23 Minuten
bitcoin, crypto, finance, coin, money, currency, cryptocurrency, blockchain, investment, closeup
Jeff Park zieht Parallelen zwischen der aktuellen Phase der Kryptowährungen und der Zeit vor dem Durchbruch der Künstlichen Intelligenz (KI) bei Nvidia. In einem Beitrag argumentiert Park, dass die Kryptoindustrie sich in einem schwierigen "Mittelspiel" befindet, bevor On-Chain-Kapitalmärkte als selbstverständliche Infrastruktur anerkannt werden. Park […] (00)
vor 1 Stunde
SurfaceTechnology GERMANY 2026: Intensive Gespräche und fachlicher Austausch
Hilden, 25.05.2026 (PresseBox) - Die SurfaceTechnology GERMANY 2026 vom 5. bis 7. Mai auf dem Messegelände in Stuttgart unterstrich ihre Position als zentraler Treffpunkt für die internationale Oberflächentechnik-Community. Über 4.600 Fachbesucher aus aller Welt informierten sich an den drei Messetagen an den Ständen der rund 210 nationalen und […] (00)
vor 9 Stunden
 
Grischa Prömel (Archiv)
Stuttgart - Der VfB Stuttgart hat seinen ersten Neuzugang für die kommende Saison […] (00)
Elterngeld
Berlin (dpa) - Die Überlegungen der Koalition zu Einsparungen bei staatlichen […] (00)
Logo auf AfD-Parteitag (Archiv)
Berlin/Magdeburg - Für den Fall einer Regierungsübernahme der AfD nach der […] (05)
Thomas Gottschalk (Archiv)
Osnabrück - Michelle Hunziker hat sich emotional über ihren früheren "Wetten, […] (02)
San Antonio Spurs - Oklahoma City Thunder
San Antonio (dpa) - Die San Antonio Spurs haben im Playoff-Halbfinale der […] (01)
Review: Scapade AirPass – Reisepasshülle mit Apple Find My Tracking
Die Scapade AirPass wirkt auf den ersten Blick wie ein klassisches Reise-Accessoire: […] (00)
Pfingsten ohne große TV-Andacht: Kirchensendungen schwächeln deutlich
Sowohl Das Erste als auch das ZDF erreichten mit ihren Gottesdiensten und religiösen Formaten […] (00)
Shakira
(BANG) - Shakira hat derzeit keine Zeit für die Liebe. Die Sängerin ist seit dem Ende […] (02)
 
 
Suchbegriff