Israels Bodenoffensive in Gaza gewinnt an Dynamik – möglicher Tod von Mohammed Sinwar könnte Waffenstillstand beschleunigen
Israel hat die militärische Präsenz in Gaza massiv ausgeweitet. Fünf Divisionen sind laut Armeesprecher Effie Defrin inzwischen gleichzeitig im Norden und Süden des Küstenstreifens im Einsatz. In den letzten Tagen wurden 670 Luftschläge gegen Hamas-Stellungen geflogen – darunter Waffenlager, unterirdische Tunnelsysteme und Abschussrampen für Panzerabwehrraketen.
Ziel der Offensive sei, Hamas zur Aufgabe ihrer militärischen Infrastruktur zu zwingen und Druck auf die islamistische Organisation auszuüben, um die Freilassung der noch 57 israelischen Geiseln zu erzwingen. Gleichzeitig sucht die israelische Regierung den politischen Weg – in Doha sitzen Unterhändler beider Seiten am Tisch.
Nach Angaben eines israelischen Regierungsvertreters wurde vergangene Woche bei einem gezielten Angriff auf das Gelände des Europäischen Krankenhauses in Khan Younis Mohammed Sinwar, führender Hamas-Kommandeur in Gaza, „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ getötet. Offiziell haben weder Hamas noch das israelische Militär dies bislang bestätigt.
Mohammed Sinwar war der Bruder von Yahya Sinwar, der im Oktober ebenfalls durch einen israelischen Angriff getötet worden war. Als letzter hochrangiger Strippenzieher des Massakers vom 7. Oktober 2023 galt er als Schlüsselfigur in den Geiselfragen – und als kompromissloser Hardliner innerhalb der Hamas.
Sollte sich sein Tod bestätigen, könnte dies zu einer Verschiebung der Machtverhältnisse innerhalb der Hamas führen. Beobachter erwarten einen Machtkampf zwischen der militärischen Führung in Gaza und dem politischen Flügel im Exil in Doha. Eine Rückverlagerung der Kontrolle in Richtung Ausland gilt als wahrscheinlich – und könnte Kompromissbereitschaft in den Verhandlungen fördern.
Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ließ verlauten, israelische Delegierte würden „jede Chance“ auf ein Abkommen nutzen – innerhalb des von US-Vermittler Steve Witkoff initiierten Fahrplans oder anderer Formate. Voraussetzung für ein Ende des Kriegs bleibe aber die vollständige Freilassung der Geiseln und eine dauerhafte Entwaffnung der Hamas.
Militärexperten sehen Hamas durch die israelischen Schläge militärisch stark geschwächt. Die Organisation hat zahlreiche erfahrene Kommandeure verloren und produziert kaum noch neue Waffen. Dennoch warnt der ehemalige israelische Geheimdienstoffizier Michael Milshtein: Ein Zusammenbruch der Hamas sei derzeit nicht in Sicht.

