IS reklamiert Terrorangriff in Istanbul für sich

02. Januar 2017, 19:20 Uhr · Quelle: dpa

Istanbul (dpa) - Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat die Verantwortung für den verheerenden Angriff auf eine Silvesterfeier in einem Nachtclub in Istanbul übernommen. Ein «Soldat des Kalifats» sei für die Tat in der türkischen Millionenmetropole verantwortlich, hieß es in einer IS-Erklärung.

Zwei der 39 Getöteten kamen nach Angaben des Auswärtigen Amtes aus Bayern. Einer davon habe die deutsche und die türkische, der zweite nur die türkische Staatsangehörigkeit besessen, sagte ein Sprecher. Drei Deutsche seien bei dem Terrorangriff verletzt worden.

Die Echtheit des IS-Bekennerschreibens ließ sich zunächst nicht überprüfen. Der IS hat in Teilen des Iraks und Syriens ein Kalifat ausgerufen. Bei dem Terrorangriff auf eine Silvesterparty in dem bekannten Club Reina waren 39 Menschen getötet worden, darunter mindestens 26 Ausländer. Die meisten der getöteten Ausländer stammten aus arabischen Ländern. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, auch unter den 69 Verletzten seien mehrere Ausländer.

Mindestens ein bewaffneter Angreifer war kurz nach Anbruch des neuen Jahres in den exklusiven Club am Bosporusufer eingedrungen und hatte wahllos das Feuer auf Hunderte Feiernde eröffnet. Dem Täter gelang die Flucht. Anti-Terror-Polizisten nahmen am Montag in Istanbul im Zusammenhang mit dem Angriff acht Verdächtige fest, wie Anadolu berichtete. Der Angreifer sei aber nicht darunter.

In dem Bekennerschreiben hieß es: «In Fortsetzung der gesegneten Operationen des Islamischen Staates gegen die Beschützerin des Kreuzes, die Türkei, hat einer der heldenhaften Soldaten des Kalifats gegen den berühmten Nachtclub zugeschlagen, wo die Nazarener (Christen) ihr polytheistisches Fest feiern. Er hat sie mit Handgranaten und seiner automatischen Waffe angegriffen und ihre Feiern in Trauer umgewandelt.»

Der Angreifer hatte das Feuer mit einer automatischen Waffe eröffnet. Von einem Einsatz von Handgranaten bei dem Angriff ist von offizieller Seite bislang nichts bekannt. Die Zeitung «Hürriyet Daily News» berichtete unter Berufung auf die Ermittlungen, der Angreifer habe mehr als 180 Kugeln aus sechs Magazinen abgefeuert. Augenzeugen hätten angegeben, er habe auf dem Boden liegenden Menschen gezielt in den Kopf geschossen. Er habe sich dann umgezogen und seine Waffe gereinigt. Der Mann habe danach inmitten der Panik den Club verlassen und sei mit einem Taxi vom Tatort weggefahren.

Nach dem türkischen Einmarsch in Syrien im August hatte der IS-Anführer Abu Bakr al-Bagdadi Anfang November zu Anschlägen in der Türkei aufgerufen. Türkische Truppen liefern sich in der nordsyrischen Region um die Stadt Al-Bab seit einiger Zeit heftige und verlustreiche Gefechte mit IS-Kämpfern. Der IS beherrscht Al-Bab.

Der türkische Vize-Ministerpräsident Numan Kurtulmus sagte am Montag in Ankara, der Anschlag sei auch als Reaktion auf den Einsatz der türkischen Armee in Syrien zu verstehen. Dieser werde jedoch weitergehen. Man werde alle Terrororganisationen «in die Knie zwingen». Eine Verlängerung des nach dem Putschversuch vom 15. Juli verhängten Ausnahmezustands schloss er nicht aus.

Das Büro des Ministerpräsidenten teilte mit, Nachrichten in den sozialen Medien, die polarisierten, würden dem Terror in die Hände spielen. Die Nation müsse in diesen Tagen zusammenstehen.

Die Zeitung «Hürriyet» berichtete am Montag unter Berufung auf Geheimdienstinformationen, es gebe Hinweise darauf, dass der Angriff auf den Club von derselben IS-Zelle ausgeführt worden sei wie der Anschlag auf den Istanbuler Atatürk-Flughafen.

Bei dem Angriff auf den größten Flughafen des Landes hatten im Juni mehrere Selbstmordattentäter 45 Menschen mit in den Tod gerissen. Die türkische Regierung machte den IS dafür verantwortlich, der sich nicht dazu bekannte. Die drei Angreifer am Flughafen waren nach Angaben der Regierung aus Usbekistan, Kirgistan und Russland. Die Zeitung «Hürriyet» berichtete, auch bei dem Angreifer aus der Silvesternacht werde untersucht, ob er aus einem der beiden zentralasiatischen Länder Usbekistan oder Kirgistan stamme.

Dem IS wurden seit Sommer 2015 mehrere Anschläge in der Türkei zur Last gelegt. Die Terrormiliz hat vor dem Angriff in der Silvesternacht aber nur ein einziges Mal die Verantwortung für einen Anschlag in der Türkei übernommen. Dabei handelte es sich um einen Autobombenanschlag in der südosttürkischen Kurdenmetropole Diyarbakir im November, bei dem elf Menschen getötet wurden. Allerdings hatte auch die TAK - eine Splittergruppe der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK - diese Tat für sich reklamiert.

Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan kündigte nach dem Anschlag in der Silversternacht an, weiter entschlossen gegen den Terrorismus zu kämpfen. Die Türkei werde alles tun, um «die Sicherheit und den Frieden ihrer Bürger zu gewährleisten». International wurde die Bluttat scharf verurteilt. Bereits 2016 hatte die Türkei eine ganze Reihe verheerender Anschläge erlebt.

Terrorismus / Konflikte / Türkei
02.01.2017 · 19:20 Uhr
[24 Kommentare]
Streit zwischen Kiew und Warschau droht sich zu vertiefen
Warschau (dpa) - Vor dem Hintergrund politischen Streits mit der Ukraine häufen sich in Polen Berichte über Übergriffe auf dort lebende Ukrainerinnen und Ukrainer. Großes Aufsehen erregte ein Zwischenfall in Bielsko-Biala im Südwesten Polens. In einem Bus beschimpfte ein Mann ukrainische Mädchen unflätig und verlangte, sie sollten in ihr Land […] (00)
vor 2 Minuten
Sam Neill
(BANG) - Sam Neill ist Berichten zufolge an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben. Der 'Jurassic Park'-Star verstarb am Montag (13. Juli), nur wenige Monate nachdem er nach einem Kampf gegen ein angioimmunoblastisches T-Zell-Lymphom als "krebsfrei" eingestuft worden war. Seine Angehörigen beschrieben seinen Tod als "plötzlich und unerwartet". Ein […] (00)
vor 2 Stunden
Computerkonzern IBM
Armonk (dpa) - Der Computerkonzern IBM hat im vergangenen Quartal die Umsatzerwartungen verfehlt und damit die Börse schockiert. Die Aktie stürzte im vorbörslichen US-Handel zeitweise um rund 23 Prozent ab. Grund für den Erlösknick ist laut IBM ein verändertes Ausgabeverhalten der Kunden.  Sie steckten ihr Geld in den letzten Juniwochen vermehrt in den […] (00)
vor 45 Minuten
OCTOPATH TRAVELER und OCTOPATH TRAVELER II finden ihren Weg auf Nintendo Switch 2
Zum heutigen, 8. Jubiläum der  OCTOPATH TRAVELER -Reihe kündigte Square Enix an, dass  OCTOPATH TRAVELER   und  OCTOPATH TRAVELER II   am 1. Oktober 2026 1  für Nintendo Switch 2 erscheinen werden. Der Ankündigungstrailer von  OCTOPATH TRAVELER   und  OCTOPATH TRAVELER II für Nintendo Switch 2 steht hier bereit: OCTOPATH TRAVELER   und  […] (00)
vor 9 Stunden
Sachsen-Anhalt: TV-Duell am 26. August im MDR
Mit Arenen, Duellen, Bürgerformaten und Podcasts bereitet sich der MDR auf die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September vor. Der MDR hat sein Konzept für die Berichterstattung zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026 veröffentlicht. Nach Angaben des MDR soll die Berichterstattung die politischen Entwicklungen im Land umfassend begleiten und zugleich transparent machen, nach […] (00)
vor 1 Stunde
Nico Schlotterbeck
Dortmund (dpa) - Borussia Dortmund rechnet erst im Herbst wieder mit dem verletzten Innenverteidiger Nico Schlotterbeck. «Das wird noch ein paar Wochen dauern. Das muss man ehrlicherweise sagen. Ob das dann vor oder nach der ersten Länderspielpause wieder ist, werden wir schauen, wie der Heilungsverlauf ist», sagte Dortmunds Sport-Geschäftsführer Lars […] (00)
vor 1 Stunde
business, computer, security, currency, finance, bitcoin, money, digital, financial, technology
Ripple hat sich zusammen mit anderen kryptowährungsorientierten Unternehmen der neu gegründeten x402 Foundation als Premier-Mitglied angeschlossen. Die von der Linux Foundation gehostete Organisation soll das x402-Protokoll überwachen – ein offenes Protokoll, das von Coinbase beigesteuert wurde und Zahlungen direkt in standardmäßige Web-Interaktionen […] (00)
vor 30 Minuten
Waldenburger Versicherung setzt beim Thema Mitarbeitergesundheit auf Teamgeist und Ausdauer
Waldenburg, 14.07.2026 (lifePR) - Als Aspekt strategischer Unternehmensführung gewinnt das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung. Steigende Fehlzeiten, die Ausweitung des Fachkräftemangels und die immer deutlicheren Zeichen des demografischen Wandels rücken das Thema Mitarbeitergesundheit immer weiter in den Fokus. Wie viele Unternehmen hat auch die […] (00)
vor 1 Stunde
 
Bundesministerium für Gesundheit (Archiv)
Berlin - Die Bundesregierung hat in den Gerichtsverfahren um den Einkauf von […] (04)
Belgische Polizei (Archiv)
Brüssel - Bei einem Brand im OXY Tower im Zentrum von Brüssel sind am Dienstag […] (00)
Brand in Bangkok
Bangkok (dpa) - Blockierte Fluchtwege, fehlender Brandschutz und möglicherweise […] (01)
Marius Borg Høiby
Oslo (dpa) - Der älteste Sohn der norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit, Marius […] (00)
28.700 Besucher zeigten: Gaming in Wien ist längst kein Nischenthema mehr
Gaming kann laut, bunt und digital sein. Es kann aber auch aus Würfeln, Karten, […] (00)
WM 2026 - England Pressekonferenz
Miami (dpa) - Vor den Halbfinals bei der Fußball-Weltmeisterschaft stehen Debatten […] (03)
Thomas Müller
(BANG) - Auf dem Fußballplatz hat Thomas Müller nahezu alles erreicht. Weltmeister, […] (02)
Kalkofe und Rütten machen SchleFaz-Live-Event zu Geisterjäger
Im Ernst-Reuter-Saal Berlin wird die Premiere von «Geisterjäger John Sinclair - Die […] (00)
 
 
Suchbegriff