Insider packt aus: Darum hat Nintendo es nicht mehr nötig, neue Marken zu erfinden!
Nintendo wird oft als ein meisterhafter Kurator seiner eigenen, legendären Geschichte wahrgenommen – ein Unternehmen, das seine etablierten Marken wie Mario, Zelda und Pokémon hegt, pflegt und in immer neuen Variationen auf die Bühne bringt. Nur selten wagt sich der Gigant aus Kyoto aus der Deckung, um ein völlig neues Universum zu erschaffen. Ein ehemaliger Entwickler, der an Hits wie Splatoon mitwirkte, wirft nun ein faszinierendes Licht auf diese Strategie. Laut dem Programmierer Ken Watanabe ist dieser Umstand keiner kreativen Stagnation geschuldet, sondern einer tief verwurzelten Entwicklungsphilosophie, die das eigentliche Spiel über alles andere stellt.
Erst das Spiel, dann die Hülle
In einem aufschlussreichen Gespräch mit Bloomberg enthüllte Watanabe den Kern von Nintendos kreativem Prozess. Demnach steht am Anfang jeder neuen Entwicklung nicht die Frage „Was machen wir als Nächstes mit Mario?“, sondern die Suche nach einer fundamental neuen Art zu spielen. Das Team konzentriert sich zunächst voll und ganz auf die Erschaffung innovativer Gameplay-Mechaniken. „Neue Franchises sind einfach deshalb nicht entstanden, weil es keine wirkliche Notwendigkeit gab, sie zu machen“, erklärt Watanabe. Erst wenn ein frisches, fesselndes Spielkonzept als Prototyp existiert, beginnt die zweite Phase: die Suche nach der perfekten thematischen Einkleidung. „Was die Hülle oder das äußere Erscheinungsbild angeht, machen sie sich keinen großen Kopf“, so Watanabe weiter. „Sie wählen einfach das aus, was am besten zu diesem neuen Gameplay passt.“
Kreative Ausbrüche und bewährte Pfade
Diese Methode erklärt, warum Nintendos Portfolio so unglaublich vielseitig ist, obwohl es sich oft derselben Ikonen bedient. Es ist ein Beweis für die Stärke dieser Charaktere, dass sie in Jump ’n‘ Runs, Rennspielen, Party-Games oder strategischen Abenteuern gleichermaßen funktionieren. Die wohl prominenteste Ausnahme dieser Regel aus der jüngeren Vergangenheit ist Splatoon. Das Konzept des farbenfrohen Tintenkampfes war so eigenständig und frisch, dass es förmlich nach einer eigenen, unverbrauchten Welt schrie – mit überwältigendem Erfolg, der mittlerweile zu zwei Fortsetzungen und dem ersten großen Spin-off, Splatoon Raiders, geführt hat. Dennoch scheut sich Nintendo nicht vor Experimenten, besonders zu Beginn einer neuen Konsolengeneration. Titel wie ARMS für die Switch oder das kürzlich erschienene Drag X Drive für die Switch 2 zeugen von diesem Drang, neue Steuerungsschemata und Ideen auszuloten.
Die Macht der Ikonen in der neuen Ära
Die aktuelle Strategie für die enorm erfolgreiche Nintendo Switch 2 untermauert Watanabes Aussagen eindrucksvoll. Die Zugpferde zum Launch waren keine gänzlich neuen Marken, sondern die bombastischen Fortsetzungen Mario Kart World und Donkey Kong Bananza. Ergänzt wird dieses Line-up durch grafisch aufpolierte „Switch 2 Edition“-Upgrades für Meilensteine wie The Legend of Zelda: Breath of the Wild und Tears of the Kingdom. Der phänomenale Erfolg gibt dieser Strategie recht: Mit weltweit über 5,8 Millionen verkauften Konsolen und fast 8,7 Millionen Software-Einheiten in kürzester Zeit beweist Nintendo, dass die Anziehungskraft seiner legendären Helden ungebrochen ist. Es ist eine meisterhafte Symbiose aus Nostalgie und Innovation, die den Grundstein für die nächste Ära des Spielens legt.

