Hoffnung für den Einzelhandel: Online boomt, Geschäfte stagnieren
besser als seine Vorgänger soll es werden. Doch bislang zeigen sich deutsche Einzelhändler ernüchtert. Die altbekannten Herausforderungen setzen ihnen weiterhin zu: Die Konsumenten geben sich zurückhaltend und achten verstärkt auf ihre Ausgaben. Gründen dafür sind vermeintliche Unsicherheiten, hohe Lebenshaltungskosten und die Angst vor eskalierenden geopolitischen Konflikten, erklärt Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE).
Laut einer Studie des IFH Köln fühlen sich viele durch die anhaltende Wirtschaftskrise bedroht. Rund 50 Prozent der Befragten gaben an, Bedenken zu haben, ihren bisherigen Lebensstandard nicht mehr halten zu können. Ebenso viele haben geplante Anschaffungen vertagt. Diese Verunsicherung schlägt sich auch auf die Händler nieder: Eine Umfrage des HDE zeigt, dass die Mehrheit der befragten Handelsunternehmen im Vergleich zum Vorjahr enttäuschende Halbjahreszahlen vorlegen musste. Während einige Branchen wie Lebensmittel, Uhren und Schmuck etwas optimistischer in die Zukunft blicken, sehen Haushaltswaren-, Fahrrad- und Bekleidungshändler düstere Zeiten voraus.
Johannes Berentzen von der BBE-Handelsberatung führt die Sparhaltung direkt auf den Ukraine-Krieg zurück, der eine merkliche Kluft zwischen Kauf- und Sparwillen aufgerissen hat. Für eine Wende, so Berentzen, sei eine Beruhigung der Weltlage nötig und Anreize durch den Handel, die ein neues Einkaufserlebnis schaffen.
Trotz einer Abnahme der Inflation spüren Verbraucher die Preissteigerungen vieler Produkte deutlich: Lebensmittelpreise wie für Schokolade, Kaffee und Orangensaft sind weiter gestiegen. Dies führt dazu, dass knapp 80 Prozent der Konsumenten vermehrt auf Preise achten, wie eine IFH-Umfrage ergab. Im Preissegment dominieren zunehmend günstige Produkte gegenüber höherpreisigen Marken.
Ungeachtet der schwierigen Lage hält der HDE an seiner Prognose fest, 2025 ein nominales Umsatzplus von zwei Prozent im Einzelhandel zu erreichen, real jedoch ein minimales Wachstum von 0,5 Prozent. Der Optimismus zieht auch aus einer leichten Aufhellung der Verbraucherstimmung. Das HDE-Konsumbarometer verzeichnete im Juli die höchsten Werte des Jahres.
Ein Lichtblick zeigt sich im Onlinehandel, der mit einem voraussichtlichen Umsatzwachstum von vier Prozent 2025 punkten könnte. Martin Groß-Albenhausen vom BEVH betont die allmählich zurückkehrende Kauflaune der Deutschen, die sich vor allem im E-Commerce bemerkbar macht. Asiatische Shoppingportale wie Temu, Shein und AliExpress ergattern dabei einen wesentlichen Teil des Wachstums und zeigen, dass der Onlinehandel international vernetzt bleibt.

