H&M schlägt Erwartungen – doch ein Prozent Wachstum ist kein Grund zum Feiern
Der Modehändler H&M hat mit seiner neuen Frühjahrskollektion bei den Kunden gepunktet und so zum Jahresauftakt mehr verdient als erwartet. Der operative Gewinn stieg im ersten Geschäftsquartal von Dezember bis Februar auf 1,51 Milliarden Kronen (rund 140 Millionen Euro), wie die Nummer zwei der Branche hinter der Zara-Mutter Inditex am Donnerstag mitteilte. Analysten hatten im Schnitt lediglich mit 1,39 Milliarden Kronen gerechnet.
Das klingt gut – doch die Details sind ernüchternd. H&M verdiente mehr als erwartet, weil die Erwartungen niedrig waren. Das Unternehmen kämpft seit Jahren mit schwachem Wachstum, schrumpfenden Margen, steigender Konkurrenz. Ein Quartal über den Prognosen ändert daran nichts.
Frühjahrskollektion punktet – doch Gesamtquartal war schwach
„Gegen Ende des Quartals haben unsere gut ankommenden Frühjahrskollektionen zu einem positiven Verkaufstrend beigetragen, der sich auch im März fortsetzte", sagte Vorstandschef Daniel Erver. Für März stellte Erver ein währungsbereinigtes Umsatzplus von einem Prozent in Aussicht, nachdem die Erlöse im gesamten Berichtsquartal organisch noch um ein Prozent gesunken waren.
Ein Prozent Wachstum im März – nach minus ein Prozent im Gesamtquartal. Das ist kein Comeback, das ist Stagnation. H&M wächst nicht, es tritt auf der Stelle. Die Frühjahrskollektion rettete das Quartal, aber das reicht nicht für nachhaltige Erholung.
Nahost-Risiken belasten – doch H&M sieht sich gewappnet
Die Entwicklungen im Nahen Osten und deren Auswirkungen auf den Welthandel beobachte das Unternehmen genau. Dank einer flexiblen Lieferkette und eines geringen Anteils an Luftfracht sei man jedoch in der Lage, den Warenfluss an veränderte Bedingungen anzupassen. Die Märkte im Nahen Osten machten nur einen kleinen Teil des Gesamtumsatzes aus, hieß es weiter.
Das ist diplomatisch formuliert. Übersetzt heißt es: Der Irankrieg trifft uns, aber wir versuchen, die Schäden zu begrenzen. Die flexible Lieferkette ist kein Vorteil, sondern Notwendigkeit. Wer heute nicht flexibel ist, überlebt nicht. Der geringe Anteil an Luftfracht bedeutet: H&M setzt auf Schiffe – und die müssen um Afrika fahren, weil Hormus blockiert ist. Das kostet Zeit, Geld, Wettbewerbsfähigkeit.
H&M gegen Inditex – der Kampf ist verloren
H&M ist die Nummer zwei hinter Zara-Mutter Inditex. Doch die Kluft wächst. Inditex wächst schneller, verdient mehr, ist innovativer. H&M hängt hinterher, kämpft mit veralteten Strukturen, langsamer Reaktion, schwacher Digitalisierung. Ein Quartal über den Erwartungen ändert daran nichts.
Die Frage ist nicht, ob H&M überleben kann. Die Frage ist, ob es je wieder wachsen kann. Derzeit sieht es nicht danach aus. Ein Prozent Plus im März ist kein Wachstum. Das ist Rauschen. Solange H&M nicht zweistellig wächst, bleibt es hinter Inditex zurück.


