Handwerksbranche am Scheideweg: Reformen dringend nötig
In der deutschen Handwerksbranche macht sich derzeit eine drückende Sorge breit, die nach Einschätzung von Jörg Dittrich, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH), dringend angegangen werden muss. Zwar vermeidet Dittrich Alarmismus, doch die Stimmung ist düster. Die anhaltende Schwächephase der deutschen Wirtschaft verheißt auch für das kommende Jahr keinen nennenswerten Aufschwung.
Die Regierung, die einst mit großen Erwartungen und einem Vertrauensvorschuss startete, hat laut Dittrich einen Großteil ihrer anfänglichen Begeisterung verloren. In einem internationalen Wettbewerb, der immer härter wird, sei es entscheidend, die Dringlichkeit von Reformen zu erkennen und anzugehen. Ein umfassendes Paket von Maßnahmen ist seiner Meinung nach unumgänglich, um bis 2026 nicht weiter in einen Wohlstandsverlust abzurutschen.
Reformen müssen jetzt in Angriff genommen werden, um den drohenden Abschwung zu verhindern und die Werte der Gesellschaft zu sichern. Dazu gehört vor allem, aus der „Vollkasko-Mentalität“ auszubrechen und mehr Verantwortung für die wirtschaftliche Lage zu übernehmen, so der Appell des Handwerkspräsidenten.
Flexibilität ist ein weiteres Stichwort, das Dittrich anspricht: Insbesondere bei der Arbeitszeitregelung sieht er Handlungsbedarf. Hierbei müsse man bereit sein, Neues auszuprobieren und gegebenenfalls gegenzusteuern, sollte sich eine negative Entwicklung abzeichnen. Diese Flexibilität ist für Dittrich ein Schlüssel zur Stärkung der Wirtschaft und zur Sicherung sozialer Werte.
Ein akuter Wandel ist zudem innerhalb der politischen Strukturen gefragt, wo laut Dittrich das Vertrauen gegenüber unternehmerischen Entscheidungen wieder gestärkt werden muss. Er fordert weniger Bürokratie, mehr Vertrauen und weniger Kontrolle.
Auch wenn die Beschäftigung im Handwerk weniger stark als in der Industrie zurückgeht, gibt es auch hier Verluste. Insgesamt gewinnt das Handwerk jedoch durch steigende Ausbildungszahlen an Attraktivität. Doch das Lohnniveau steigt angesichts des Fachkräftemangels und des demografischen Wandels weiter, sodass kostengünstigere Handwerkerleistungen eher eine Illusion bleiben.

