Review – Whirlight – No Time To Trip – Rasantes Point & Click im Test

Point-and-Click-Adventures sind ein schwieriges Genre geworden. Viele moderne Spiele versuchen sich zwar an der Formel der alten Klassiker, verlieren dabei aber oft genau das, was diese Spiele damals so besonders gemacht hat: Charme, absurde Ideen, clevere Rätsel und das Gefühl, in einer seltsamen, liebevoll gestalteten Welt unterwegs zu sein. Genau hier setzt Whirlight – No Time To Trip an – und überrascht dabei mehr, als man zunächst erwarten würde.
Das neue Adventure von imaginarylab wirkt auf den ersten Blick wie eine direkte Liebeserklärung an Genregrößen wie Day of the Tentacle, Sam & Max Hit the Road oder The Secret of Monkey Island. Doch statt nur alte Ideen zu kopieren, versucht Whirlight daraus etwas Eigenes zu machen. Das gelingt nicht immer perfekt – aber erstaunlich oft.
Die Geschichte dreht sich um Hector, einen exzentrischen Erfinder, dessen Ideen meistens irgendwo zwischen genial und katastrophal landen. Nach einer merkwürdigen Eingebung glaubt er endlich den Durchbruch geschafft zu haben. Natürlich geht sofort alles schief. Statt wissenschaftlichem Ruhm stolpert Hector in eine wilde Reise durch Raum und Zeit, begleitet von Margaret, einer Künstlerin mit deutlich mehr Bodenhaftung als ihr chaotischer Begleiter.
Und genau diese Dynamik trägt das Spiel enorm. Hector und Margaret funktionieren hervorragend zusammen. Während viele Adventures versuchen mit „witzigen“ Figuren zwanghaft Humor zu erzeugen, fühlt sich der Humor hier angenehm natürlich an. Die Dialoge sind voller kleiner Spitzen, absurder Situationen und nerdiger Anspielungen, ohne dabei permanent krampfhaft lustig sein zu wollen. Das erinnert stark an die goldene Ära der LucasArts-Adventures.
Besonders stark ist dabei die Atmosphäre. Whirlight erschafft eine Welt, die gleichzeitig nostalgisch und modern wirkt. Die Hintergründe sind teilweise fast fotorealistisch gestaltet, während die Figuren bewusst stilisiert und leicht cartoonhaft gehalten sind. Dieser Kontrast funktioniert überraschend gut. Manche Orte wirken fast wie Gemälde, andere wiederum wie überzeichnete Comicwelten. Gerade Verice Bay bleibt dabei im Kopf – eine Stadt voller kleiner Details, schräger Architektur und versteckter Gags.
Auch audiovisuell macht das Spiel vieles richtig. Die Musik hält sich oft eher zurück, unterstützt die Stimmung aber konstant. Statt epischer Dauerbeschallung setzt Whirlight mehr auf Atmosphäre. Besonders gelungen ist zudem die englische Vertonung. Die Sprecher liefern glaubwürdige Leistungen ab und verhindern, dass die Charaktere zu bloßen Karikaturen werden. Hector wirkt wie ein Mensch, der gleichzeitig brillant und hoffnungslos überfordert ist. Margaret hingegen bringt genau die nötige Ruhe und Direktheit mit, damit die Dynamik funktioniert.

Doch das Herzstück eines Point-and-Click-Adventures sind natürlich die Rätsel. Und hier zeigt sich gleichzeitig die größte Stärke und die größte Schwäche von Whirlight.
Die guten Nachrichten zuerst: Viele Rätsel sind kreativ, logisch aufgebaut und angenehm abwechslungsreich. Das Spiel versteht, dass gute Rätsel nicht nur „schwer“, sondern interessant sein müssen. Oft kombiniert man Gegenstände auf absurde Weise oder muss Ereignisse über verschiedene Zeitlinien hinweg beeinflussen. Gerade die Zeitreise-Elemente sorgen dafür, dass manche Puzzleketten herrlich komplex werden, ohne völlig unfair zu wirken.
Allerdings verfällt das Spiel manchmal genau in jene alten Genreprobleme, die moderne Adventures eigentlich längst hinter sich gelassen haben. Einige Lösungen sind unnötig kryptisch. Gelegentlich landet man in typischen „Probier einfach alles mit allem“-Momenten. Das kann frustrieren – besonders dann, wenn die Spiellogik plötzlich nicht mehr nachvollziehbar wirkt.
Und ehrlich gesagt: Ganz unrecht haben diese Kritikpunkte nicht.
Whirlight liebt klassische Adventurelogik – inklusive ihrer Macken. Wer moderne, streamlined Puzzle-Designs erwartet, könnte hier schnell genervt sein. Wer dagegen mit Spielen wie Monkey Island 2: LeChuck’s Revenge oder erneut Day of the Tentacle aufgewachsen ist, wird viele dieser Momente vermutlich eher als nostalgisch statt störend empfinden.
Interessant ist dabei, dass das Spiel trotzdem versucht zugänglicher zu sein als viele seiner Vorbilder. Interaktive Objekte lassen sich hervorheben, das Journal hilft bei aktuellen Aufgaben und die Struktur verhindert meist, dass man völlig orientierungslos wird. Dadurch entsteht ein angenehmer Mittelweg zwischen klassischer Rätselhärte und moderner Benutzerfreundlichkeit.

Auch die Länge überrascht positiv. Während viele moderne Adventures nach fünf bis sechs Stunden vorbei sind, liefert Whirlight eine deutlich umfangreichere Reise. Mehrere Reviews sprechen von rund 15 Stunden Spielzeit – je nachdem, wie schnell man die Rätsel löst. Dadurch fühlt sich das Abenteuer angenehm „groß“ an. Man hat wirklich das Gefühl auf einer verrückten Reise durch Zeit, Orte und absurde Situationen zu sein.
Besonders gelungen ist die Art, wie das Spiel ständig neue Ideen einbringt. Neue Schauplätze, neue Figuren, neue Situationen – Whirlight bleibt erstaunlich frisch. Viele moderne Adventures leiden darunter, ihre Grundidee zu schnell aufzubrauchen. Hier dagegen kommt regelmäßig etwas Neues dazu. Genau das hält die Motivation hoch.
Technisch gibt es allerdings kleinere Schwächen. Einige Animationen wirken etwas steif und altbacken. Vor allem Bewegungsübergänge fallen manchmal unangenehm auf. Auch das Inventarsystem hätte etwas komfortabler sein können. Das sind keine katastrophalen Probleme, aber sie verhindern, dass das Spiel komplett poliert wirkt.
Was Whirlight aber wirklich besonders macht, ist seine Persönlichkeit. Das Spiel fühlt sich nicht wie ein generisches Retro-Projekt an, das einfach nur Nostalgie verkaufen möchte. Stattdessen merkt man, dass die Entwickler das Genre wirklich lieben. Überall stecken kleine Referenzen, Details und Ideen, die Fans klassischer Adventures sofort erkennen werden. Trotzdem bleibt das Spiel eigenständig genug, um nicht bloß wie eine Kopie zu wirken.
Und genau deshalb funktioniert es.
Whirlight – No Time To Trip ist kein perfektes Spiel. Manche Rätsel nerven. Einige Designentscheidungen wirken bewusst altmodisch. Wer mit klassischer Adventurelogik nichts anfangen kann, wird hier vermutlich nicht glücklich werden.
Aber für Fans des Genres ist dieses Spiel ein echtes Highlight.
Es versteht, warum Point-and-Click-Adventures früher funktioniert haben: wegen ihrer Atmosphäre, ihrer Figuren, ihres Humors und ihres kreativen Wahnsinns. Whirlight schafft es, dieses Gefühl zurückzubringen, ohne komplett in der Vergangenheit stecken zu bleiben.
Gerade in einer Zeit, in der viele Spiele auf maximale Effizienz und Geschwindigkeit ausgelegt sind, wirkt Whirlight fast entschleunigend. Man erkundet. Man probiert aus. Man bleibt hängen. Man lacht über dumme Dialoge. Und irgendwann merkt man plötzlich, dass schon wieder mehrere Stunden vergangen sind.
Für Adventure-Fans ist das wahrscheinlich das größte Kompliment, das man einem Spiel machen kann.
Whirlight – No Time To Trip ist eine charmante, kreative und herrlich schräge Zeitreise durch die goldene Ära der Point-and-Click-Adventures. Das Spiel kombiniert liebevolle Präsentation, sympathische Figuren und clevere Ideen mit klassischer Rätselkost – inklusive aller Stärken und Schwächen, die das Genre seit Jahrzehnten begleiten.
Nicht jedes Puzzle zündet. Nicht jede Mechanik wirkt modern. Aber genau dadurch fühlt sich Whirlight manchmal fast wie ein verlorenes Adventure aus den 90ern an – nur mit heutiger Technik und deutlich mehr Komfort.
Wer Adventures liebt, sollte dieses Spiel definitiv im Auge behalten.


