Green Hell: Survival-Abenteuer in den Tiefen des Dschungels

16. September 2019, 12:50 Uhr · Quelle: next-gamer.de

„Survival im Wald kann doch jeder“, hat sich das Studio Creepy Jar wohl gedacht, als sie Green Hell entwickelt haben. Wer will sich schon mit einfachen Herausforderungen im europäischen Mischwald herumschlagen, wenn man auch direkt in den Dschungel gehen kann? Und zack, steht die Prämisse für ein neues Survivalspiel auf dem PC. Aber sind schwüle Temperaturen, giftige Tiere und Ureinwohner genug, um dem Genre einen neuen Anstrich zu geben? Das haben wir für euch versucht, herauszufinden.

Was soll schon schief gehen?

Ihr könnt direkt wählen: Folgt ihr der Geschichte oder wollt ihr einfach nur so lang wie möglich überleben? Entscheidet ihr euch zu Beginn für den Story-Modus, um angenehm ins Spiel zu finden, schlüpft ihr direkt in die Haut eines Anthropologen. Dieser ist mit seiner Frau im Regenwald unterwegs, da sie als Übersetzerin bei den im Dschungel lebenden Ureinwohnern unterkommen will. Im Sinne der Forschung bleibt ihr im Lager zurück, da der Stamm euch und eurer Technik alles andere als wohlgesonnen ist. Nur über ein Funkgerät steht ihr im Kontakt zu eurer Frau, dürft dieses aber nur selten nutzen. Schließlich könnte der übermäßige Einsatz eines solchen Gerätes auch eure Frau in Missgunst bringen.

Aber es kommt natürlich, wie es kommen muss. Nach einigen Tagen hört ihr Hilferufe eurer Geliebten über das Walkie-Talkie. Kurzerhand stürmt ihr in den Urwald und versucht sie zu retten. Das geht allerdings, wie sollte es anders sein, völlig schief. Plötzlich steht ihr mitten im Dschungel und müsst euch irgendwie ohne euer Equipment zurechtfinden. Der Kampf ums Überleben beginnt unvermittelt, euch bleiben nur die Materialien, die der Wald euch so gibt und ein kleines Tagebuch, in dem allerlei nützliche Notizen zu Überlebenstaktiken stehen. Mehr habt ihr nicht, um euch zurechtzufinden und irgendwie zu eurer Frau zu kommen.

In the djungle, the mighty djungle…

Green Hell hat uns sehr deutlich gezeigt, dass der Dschungel kurzen Prozess mit uns machen würde. Fünf Minuten im Spiel wurden wir schon von einer Schlange gebissen, sind panisch auf der Suche nach Heilmitteln durch den Wald gerannt, haben uns noch einige Bisse eingefangen und waren dann auch schon tot. So schnell kann’s gehen. Survival ist kein Zuckerschlecken. Und auch, wenn ihr zu Beginn sehr viel am Schwierigkeitsgrad einstellen könnt, werdet ihr kaum an die Hand genommen. Die ersten paar Aufgaben im sicheren Lager vermitteln euch grundlegende Spielmechaniken. Seid ihr aber später auf euch allein gestellt, nehmen diese rapide an Komplexität zu. Ein ausreichendes Studium eurer Lektüre ist unausweichlich. Der Wald will abgesucht werden, aber auch nicht zu gründlich, sonst vergiftet ihr euch nur wieder.

Habt ihr also keinerlei Erfahrung mit Survivalgames, wischt die grüne Hölle in Green Hell erst einmal gründlich den Boden mit euch. Wenn dann auch noch die Ureinwohner Jagd auf euch machen und weitere Tiere auftauchen, müsst ihr die ersten Frustmomente lang stark sein. Denn an sich ist die wissenschaftliche Herangehensweise inklusive vieler interessanter Informationen zu eurer Umwelt im Tagebuch und den Notizzetteln, welche ihr so bei euch tragt, wirklich interessant. Ihr bekommt sehr schnell das Gefühl, dass eure Umgebung mehr als nur reine Kulisse sein soll. All eure Optionen greifen wie kleine Zahnräder mit den Informationen zusammen, die euch eure wissenschaftliche Perspektive auf eure Umwelt gibt. Sobald ihr euch also in alles hineingefuchst habt, fühlt ihr euch wie ein echter Dschungelexperte. Dann wisst ihr genau, welche Insekten und Pflanzen sich gut brutzeln lassen und welche besser nicht.

Hauptsache, euch geht’s gut!

Abgesehen von einer Smartwatch, die einige Informationen über eure Umwelt bereithält, lässt sich der Rest der Mechaniken sehr stark vom Titel „The Forest“ inspirieren. Wer mal einen Blick in diesen Survival-Kracher geworfen hat, wird das schnell merken. Doch Green Hell versucht, hier und da neben der neuen Umgebung auch noch andere Kniffe einzubringen. Anstatt einfach nur auf Hunger und Lebensenergie eurer Figur achten zu müssen, kommt euer Seelenwohl auch nicht zu kurz. Eklige Nahrung, haufenweise Blutegel oder schwere Verletzungen machen euch auch psychisch zu schaffen. Dementsprechend ist es notwendig, nicht nur schicke Baupläne für sichere Unterkünfte aus eurem Notizbuch zu nutzen.

Ihr könnt jederzeit eure Gliedmaßen checken, um so nach Wunden und Insekten zu schauen, die so direkt behandelt oder entfernt werden können. Wickelt eure Wunden ein. Reißt Blutegel vom Körper. Holt euren Rucksack hervor, um euch dort aus Blättern, Holz und Steinen Verbände und Waffen zu basteln, die euch vor der harten Natur schützen. Nur auf eure selbstgebauten Äxte oder Macheten solltet ihr euch nicht zu sehr verlassen. Das Kampfsystem besteht nur aus stumpfem Schwingen der Waffe, was sich enorm klobig anfühlt. Ihr könnt euch nie so wirklich sicher sein, ob ihr jetzt einen guten Treffer gelandet habt oder von welcher Position ihr das definitiv schaffen würdet. Je weniger ihr darauf zurückgreifen müsst, umso besser.

Fazit

Ihr merkt also, spielmechanisch könnte Green Hell etwas ausgefeilter sein. Hier fehlt stellenweise der Feinschliff. Es ist vor allem die Umgebung, die euch in den Bann zieht. Die Tiere, die durch den Dschungel wuseln, die Vielzahl an unterschiedlichen Pflanzen, die Geräuschkulisse. Der riesige Urwald soll sich echt und lebendig anfühlen. Das klappt auch sehr oft. Wenn ihr nicht gerade aktiv auf eure Umwelt eindrescht und die Charaktermodelle der anderen Menschen ignoriert, sieht das Spiel wunderschön aus. Die Inszenierung der Natur aber auch die abgedrehten Szenen, wenn ihr langsam dem Wahnsinn verfallt oder im Laufe der Geschichte ein kleines Schlückchen Ayahuasca nehmt, machen durchaus Freude.

Schade also, dass die Einstiegshürde so hoch ist. Denn wenn ihr mit Survival-Spielen bisher wenig Erfahrung hattet, wird Green Hell euch anfangs enorm fordern. Der Einstieg ist alles andere als freundlich und kann sehr schnell demotivieren. Stört euch das allerdings nicht oder seid ihr absolute Survival-Experten, bekommt ihr hier eine erfrischende und knackige Herausforderung in einem gefährlichen Setting, das zu überzeugen weiß. Da sieht man dann auch gerne über die plumpe Erzählung hinweg.

Gaming
[next-gamer.de] · 16.09.2019 · 12:50 Uhr
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