Google setzt auf KI: Strategien zur Stärkung der Marktposition
Google als Vorreiter im KI-Rennen
Im intensiven Wettbewerb der KI-Entwickler setzt Google auf seine Kernkompetenzen, insbesondere die dominierende Web-Suchmaschine. Der Konzern plant, Nutzer verstärkt über seine Suchdienste in innovative KI-Anwendungen zu integrieren. Viele der neuen, leistungsstarken Funktionen des KI-Systems Gemini werden jedoch zunächst hinter einer Bezahlschranke angeboten und sind vorerst hauptsächlich in den USA verfügbar.
Weiterentwicklung der Suchfunktion
Die traditionelle Suchmaske von Google, die über Jahre hinweg kaum verändert wurde, erfährt nun eine grundlegende Überarbeitung für die Ära der Künstlichen Intelligenz. Das Suchfeld wird sich dynamisch erweitern, um längere Anfragen zu ermöglichen, und kann künftig auch mit Bildern, Dateien oder Videos gefüllt werden. Darüber hinaus wird die KI in der Lage sein, über die bisherigen Vorschläge der Autovervollständigung hinauszugehen und umfassendere Antworten zu liefern.
In den letzten Jahren gab es zahlreiche Spekulationen darüber, ob neue Mitbewerber, die Antworten statt Links liefern, Googles Marktstellung gefährden könnten. Google hat jedoch proaktiv reagiert, indem es KI-generierte Zusammenfassungen in die Suchfunktion integriert hat, was die Nutzung der Plattform steigern soll. Dennoch berichten einige Webseiten-Betreiber, dass der Traffic über Google zu ihren Seiten abnimmt.
KI-Suche als zentrales Element
„Die Google-Suche ist nun durch und durch eine KI-Suche“, erklärte Liz Reid, die zuständige Managerin, auf der Entwicklerkonferenz Google I/O. Zukünftig wird die Suchmaschine in der Lage sein, bei komplexen Anfragen Erklärgrafiken zu generieren oder individuelle Fitnesspläne zu erstellen. Google-Manager Robby Stein betonte, dass für jede Anfrage das passende Format gefunden werden soll.
Einführung von Informations-Agenten
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung von sogenannten „Informations-Agenten“. Diese Programme sollen eigenständig Informationen im Internet durchsuchen und den Nutzern wertvolle Hinweise geben. Beispielsweise könnte ein Google-Agent Nutzer benachrichtigen, wenn passende Wohnungsangebote verfügbar sind. Josh Woodward, ein weiterer Google-Manager, beschrieb Gemini als einen „universellen Assistenten“, der den Nutzern in verschiedenen Lebensbereichen helfen soll.
Revolutionierung des Online-Handels
Die Ambitionen von Google erstrecken sich auch auf den Online-Handel. Die Vision ist, dass KI-Agenten eigenständig im Internet nach Produkten suchen und diese für die Nutzer erwerben können. Google plant, die notwendige Infrastruktur dafür maßgeblich zu gestalten.
Ein neu vorgestellter „intelligenter“ digitaler Einkaufskorb wird über verschiedene Händler und Dienste hinweg operieren. Dieser Einkaufskorb wird automatisch nach günstigeren Preisen suchen und Nutzer informieren, wenn Artikel wieder verfügbar sind. Zudem wird er Warnungen ausgeben, wenn die ausgewählten Produkte nicht kompatibel sind.
Automatisierte Einkäufe und KI-Erkennung
Ein technisches Protokoll von Google soll es KI-Agenten ermöglichen, automatisierte Käufe im Namen der Nutzer durchzuführen. Nutzer müssen lediglich angeben, welche Produkte und Marken sie erwerben möchten und welches Budget zur Verfügung steht.
Zusätzlich wird Google die Erkennung von KI-generierten Inhalten in seiner Gemini-App und später auch in der Suchmaschine und im Chrome-Browser verbessern. Nutzer können künftig überprüfen, ob Bilder oder Videos mithilfe von KI erstellt wurden. Google plant, anderen Diensten eine Schnittstelle zur Verfügung zu stellen, um KI-Inhalte besser zu identifizieren.
Monetarisierung durch Bezahlschranken
Einige der neuen Funktionen, wie der KI-Agent Spark, werden hinter Bezahlschranken angeboten. Um Spark nutzen zu können, benötigen Nutzer ein Ultra-KI-Abo, das rund 100 Euro pro Monat kostet. Diese Preisgestaltung spiegelt einen aktuellen Trend wider, da alle großen KI-Anbieter aufgrund der hohen Rechenkapazitäten, die für den Betrieb erforderlich sind, ähnliche Modelle verfolgen.
Laut Google-CEO Sundar Pichai gibt es derzeit Engpässe in der Rechenleistung. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, hat die Google-Muttergesellschaft Alphabet die voraussichtlichen Kapitalausgaben für 2023 um 5 Milliarden Dollar auf 180 bis 190 Milliarden Dollar erhöht, mit der Aussicht auf signifikant höhere Ausgaben bis 2027. Pichai wies darauf hin, dass steigende Preise für Bauteile bedeuten, dass man für das gleiche Budget weniger Rechenkapazität aufbauen kann als in der Vergangenheit.

