Globale Klima-Alarmstimmung: Guterres mahnt zu radikalem Handeln
Zehn Jahre nach dem bahnbrechenden Pariser Klimaabkommen ruft UN-Generalsekretär António Guterres die führenden Köpfe der Welt zu entschiedeneren Maßnahmen gegen den Klimawandel auf. Beim Krisengipfel in Belém vor dem beeindruckenden Hintergrund des Amazonas-Regenwaldes fand Guterres klare Worte. "Unsere Unfähigkeit, die Erderwärmung auf unter 1,5 Grad zu begrenzen, ist alarmierend", erklärte er, während Brasilien sich bereits auf die bevorstehende 30. Weltklimakonferenz vorbereitet. Guterres verwies auf wissenschaftliche Prognosen, die darauf hindeuten, dass die 1,5-Grad-Grenze bald überschritten werden könnte, mit unvorstellbaren Konsequenzen. Jede Temperaturerhöhung bringt neue Herausforderungen wie Hunger und Vertreibung mit sich. Der aktuelle Stand im Kampf gegen den Klimawandel ist unzureichend. Angesichts prognostizierter Temperaturen weit über zwei Grad bei weiter steigendem Treibhausgasausstoß sprach er von einem "moralischen Versagen". Der UN-Chef fordert unverzügliche Maßnahmen, darunter ein Stopp der Genehmigung neuer fossiler Energieprojekte und ein Ende der weltweiten Entwaldung bis 2030.
Brasiliens Präsident Lula da Silva betonte die Bedeutung der COP30 als "Wahrheitskonferenz". Mit dem Amazonas als Kulisse plant Brasilien, für den Erhalt seiner Tropenwälder beachtliche Finanzmittel zu mobilisieren, während zerstörte Flächen mit Strafen belegt werden sollen. In Belém erlebt die Zivilgesellschaft eine neue Ära: Bunte Kostüme und Musik sind Teil der Demonstrationen für mehr Klimaschutz, eine Bühne, die bei vorherigen Konferenzen in restriktiveren Staaten fehlte.
Doch die Zukunft des Pariser Konsenses bleibt unklar. Trotz des mitgebrachten Hammers, der 2015 das Abkommen besiegelte, beklagte der britische Premier Keir Starmer den verloren Konsens, während sich Thronfolger Prinz William für nachhaltige Erwägungen aussprach. China präsentierte sich durch Vize-Ministerpräsident Ding Xuexiang als Vorreiter im erneuerbaren Energiebereich. Er betonte die Verpflichtung zu grünem Wirtschaften und forderte den Abbau von Handelsbarrieren für grüne Technologien. Unterdessen haben sich die USA vom Pariser Abkommen abgewendet, unter der Führung von Donald Trump. Erwartet wird in Belém Bundeskanzler Friedrich Merz, dessen Kurzbesuch kaum länger dauern wird als sein Flug dorthin.
Gleichzeitig liefert die Weltwetterorganisation eine düstere Prognose für das kommende Jahr. Extreme Wetterereignisse zeichnen ein besorgniserregendes Bild für 2025. Während weltweit die Treibhausgasemissionen Rekordwerte erreichen, verzeichnet die EU einen moderaten Rückgang der Netto-Emissionen, jedoch bleibt die Herausforderung global immens.

