Geothermie: Bundesregierung plant Versicherungsoffensive für risikoreiche Bohrprojekte
Die Bundesregierung hebt Geothermie auf das nächste Level: Mit einer neuartigen Versicherung will sie den Kommunen helfen, sich den Herausforderungen kostspieliger Bohrungen zu stellen. Die sogenannte Fündigkeitsversicherung wurde in Zusammenarbeit mit der KfW und Munich Re ins Leben gerufen und soll Deutschlands Energiezukunft erneuern.
Der Startschuss hängt derzeit von der Entscheidung über den Bundeshaushalt im Bundestag ab, wie eine Sprecherin des Bundeswirtschaftsministeriums erklärte. Im Fokus steht die Tiefengeothermie, eine Technologie, die heißes Wasser aus tiefen Erdschichten nutzt. Das ambitionierte Ziel: Bis 2030 sollen 10 Terawattstunden geothermisches Potenzial aufgedeckt und die Einspeisung in Wärmenetze drastisch erhöht werden.
Dabei handelt es sich um Nachlässe der vergangenen Regierung, die die derzeitige Koalition fortführen will. Die Potenziale sind bekannt: Bajuwarisches Molassebecken, Oberrheingraben und das norddeutsche Becken gelten als vielversprechende Gebiete. Allerdings hapert es an Bürokratie und Kosten: Der Weg vom Projektanstoß bis zur finalen Bohrung kann fünf Jahre und bis zu 30 Millionen Euro verschlingen.
Kommunen sind jedoch keine risikofreudigen Unternehmen. Hier soll die Versicherung greifen, wenn eine Bohrung unerwartet erfolglos bleibt. Der geplante Pilot soll in drei Jahren 65 Projekte mit bis zu drei Milliarden Euro absichern, so der Geothermie-Verband.
Vorsitzender Gregor Dilger mahnt jedoch zur Vorsicht: Hohe Versicherungskosten könnten das Modell gefährden, aber grundsätzlich sei es vielversprechend. Neben der finanziellen Absicherung verlangt die Geothermie nach beschleunigten Genehmigungsprozessen. Derzeit dauern Bewilligungsverfahren Jahre, was die Projektrealisierung träge macht.
Daher setzt das Wirtschaftsministerium auf gesetzlich festgelegte Maximallaufzeiten für Genehmigungen. Effizienz ist dabei das Zauberwort, denn wie Geologe Tönnis von Munich Re betont, produziert die Geothermie erheblich mehr Wärme pro eingesetzter Energieeinheit als herkömmliche Methoden.

