Gefährdete Ostsee: Simulationsstudie warnt vor Ölpest durch russische Schattenflotte
Eine neue Simulationsstudie des Helmholtz-Zentrums Hereon in Zusammenarbeit mit Greenpeace beleuchtet die potenziellen Gefahren, die von einem havarierten Öltanker der russischen Schattenflotte in der Ostsee ausgehen könnten. Dabei wurde die Ausbreitung von 48.000 Tonnen des Öls 'Ural Crude' an verschiedenen Standorten von Primorsk bis Skagen untersucht, unter Nutzung von Strömungs- und Winddaten des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie. Diese eindrucksvollen Simulationen sind auf einer interaktiven Karte zugänglich und zeigen, wie schnell ein solches Umweltdesaster die Meeres- und Küstenschutzgebiete von Finnland bis Dänemark betreffen könnte.
Im Falle einer Ölpest wären die Folgen gravierend: Wertvolle Lebensräume für Seevögel und Meeressäuger, sowie Kinderstuben vieler Fischbestände, wären für Jahrzehnte beeinträchtigt. Zusätzlich droht eine Belastung der beliebten Urlaubsgebiete. Thilo Maack, Meeresbiologe bei Greenpeace, warnt eindringlich, dass eine Ölpest das letzte sei, was die ohnehin stark bedrohte Ostsee brauche.
Die russische Schattenflotte, bestehend aus mehr als 190 teils veralteten und unterversicherten Tankern, wird von Russland genutzt, um westliche Sanktionen zu umgehen. Außenminister Johann Wadephul (CDU) sieht die Flotte als Bedrohung für Ostseeanrainer und fordert ein schärferes Vorgehen. Er betont die Gefahr eines potenziellen Unfalls durch die mangelhafte technische Ausrüstung und schlecht ausgebildete Besatzungen dieser Schiffe.
Diese Bedrohung steht im Kontext der andauernden Sanktionen gegen Russland, die einen Preisdeckel für russisches Öl einschließen. Im Februar wurde dieser Deckel auf 44,10 US-Dollar pro Barrel gesenkt, um Russlands finanzielle Kriegsmittel zu begrenzen.
Ein herausragendes Beispiel für die Probleme der Schattenflotte stellt der Tanker 'Eventin' dar, seit etwa einem Jahr vor Rügen in einem juristischen Dilemma gefangen. Nach einem dramatischen Ausfall im Januar 2025, der den Tanker manövrierunfähig in der Ostsee zurückließ, wird das 20 Jahre alte Schiff auf der EU-Liste der unerwünschten Schiffe geführt.

