Gebrauchte Elektrogeräte werden kaum zurückgegeben
Kaputte Elektrogeräte landen in Deutschland viel zu oft im Hausmüll. Das wollte die Bundesregierung ändern – mit einem Rückgabeprogramm für den Handel. Seit rund zwei Jahren können Verbraucher Ihren Elektroschrott einfach im Geschäft abgeben. Zumindest in der Theorie. Die Realität sieht aber offenbar anders aus: Kaum jemand macht von dem Angebot Gebrauch. Das hat die Deutsche Presseagentur bei einer Befragung mehrerer großer Supermarktketten herausgefunden. Egal ob beim Discounter oder Der Recycling-Anteil bei Elektrogeräten bleibt also weiterhin niedrig.
Verwirrung und Widerstand der Händler
Daran dürften auch die verwirrenden Bestimmungen schuld sein. Denn es ist nicht auf Anhieb klar, wo Altgeräte zurückgegeben werden können. So muss ein Supermarkt nur dann Elektrogeräte zurücknehmen, wenn er eine Verkaufsfläche von mehr als 800 Quadratmetern hat. Das dürfte aber nur den wenigsten Kunden bekannt sein. Außerdem gilt die Rücknahmepflicht nur für Geräte mit einer Kantenlänge bis 25 cm. Verbraucher müssen sich also aktiv informieren und im Zweifelsfall nachfragen. Hinzu kommt, dass Supermärkte von sich aus kaum über die Möglichkeit informieren. Oft hängt nur ein unauffälliger Hinweiszettel im Eingangsbereich, der viele Fragen offenlässt. Wer ein Gerät zurückgeben will, muss einen Mitarbeiter ansprechen und klären, wie das überhaupt möglich ist. Viele Verbraucher scheuen diesen zusätzlichen Aufwand. So vermeiden die Supermarktbetreiber Kosten und Aufwand für die Geräterücknahme. Das Recycling bleibt allerdings auf der Strecke.
Anreizsysteme können Rückgabequote verbessern
Dass es auch anders geht, zeigt zum Beispiel goodvibe, ein Online-Shop aus der Schweiz. Der Händler hat unter anderem die Elfbar, eine beliebte Einweg-E-Zigarette im Angebot. Bei diesen Produkten ist eine fachgerechte Entsorgung besonders wichtig, da sie einen Akku enthalten. Um die Rückgabequote zu erhöhen, hat goodvibe sich eine Art Pfandsystem einfallen lassen: Kunden erhalten einen Einkaufsgutschein von CHF 15.-, wenn sie ihre gebrauchten E-Zigaretten zurückschicken. Der Shopbetreiber kümmert sich anschließend darum, dass die enthaltenen Materialien umweltgerecht dem Recycling zugeführt werden. Das Programm ist ein Erfolg: Es hat zu einer deutlich erhöhten Rückgabequote geführt. So trägt es zur besseren Rohstoffverwertung bei und schont die Umwelt. Bislang ist goodvibe der einzige Händler in der Schweiz, der umweltbewussten Konsumenten einen solchen zusätzlichen Anreiz bietet. Wenn andere Unternehmen diesem Beispiel folgen, könnte das erheblich zur Nachhaltigkeit der Branche beitragen.
Der Handel muss Verantwortung übernehmen
Der Schlüssel zur Lösung des Recycling-Problems liegt also beim Handel. Der kommt bislang nur widerwillig seinen gesetzlichen Verpflichtungen nach. Stattdessen könnte er ein kundenfreundliches Rücknahmesystem schaffen. Möglich wären zum Beispiel Rückgabeboxen im Eingangsbereich, wie es sie auch schon für Batterien gibt. Oder ein Anreizsystem, wie es einige wenige Unternehmen schon jetzt vormachen: Wer ein neues Gerät kauft, erhält einen Rabatt, wenn er gleichzeitig sein Altgerät zurückgibt. Dadurch würde zwar ein Mehraufwand für die Betreiber von Supermärkten und Elektronikfachgeschäften entstehen. Ein kundenfreundliches Rücknahmesystem stellt aber auch eine Chance dar: Wer Verbrauchern das Recycling von Elektrogeräten erleichtert, zeigt sich nicht nur kundenfreundlich. Er leistet auch einen glaubhaften Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit. Dieses Thema ist in der heutigen Zeit ein wichtiger Imagefaktor. Schließlich kann die Rückgabemöglichkeit auch einige zusätzliche Kunden ins Geschäft locken. Es ist also durchaus im Interesse der Händler, ihr Rücknahmeprogramm auszubauen.
Recycling von Elektrogeräten ist wichtiger denn je
Im Zuge der Digitalisierung ist in den letzten Jahren die Menge an Elektroschrott enorm angestiegen. Deshalb ist das Recycling von elektronischen Geräten von größerer Bedeutung als je zuvor. Nur so kann verhindert werden, dass Schwermetalle und giftige Chemikalien die Umwelt immer stärker belasten. Und die Wiedergewinnung von Rohstoffen wird in Zukunft immer wichtiger werden, wenn natürliche Ressourcen knapp werden. Die Politik hat zwar mit der Rücknahmepflicht für Altgeräte die Rahmenbedingungen für mehr Recycling geschaffen. Damit das System wirklich funktioniert, muss der Handel aber mehr Verantwortung übernehmen und kundenfreundliche Lösungen entwickeln. Wenn die Rückgabemöglichkeiten für Altgeräte auch weiterhin so selten genutzt werden wie heute, wird das Ziel jedenfalls verfehlt.

