Atomwaffen

Friedensforscher warnen vor neuem nuklearen Wettrüsten

16. Juni 2025, 04:30 Uhr · Quelle: dpa
Die Welt gleicht derzeit einem Pulverfass. Mehrere Atommächte sind an Kriegen und Konflikten beteiligt. Das birgt Gefahren, wie nicht zuletzt die Lage zwischen Israel und dem Iran zeigt.

Stockholm (dpa) - Das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri warnt angesichts der höchst angespannten Weltlage vor einem erneuten Rüstungswettlauf der Atommächte. Wie aus dem neuen Jahresbericht des unabhängigen Instituts hervorgeht, werden die weltweiten Atomwaffenarsenale immer weiter ausgebaut und modernisiert. 

Fast alle Atomwaffenstaaten hätten sich 2024 weiterhin in intensiven Modernisierungsprogrammen befunden, bestehende Waffen nachgerüstet und ihnen neuere Versionen hinzugefügt, schreiben die Friedensforscher. Ein gefährliches neues nukleares Wettrüsten zeichne sich ab – und das in einer Zeit, in der es äußerst schlecht um die Verträge zur Rüstungskontrolle stehe.

Mehr als 12.000 atomare Sprengköpfe weltweit

Den weltweiten Gesamtbestand an Atomsprengköpfen schätzt Sipri auf 12.241. Davon befinden sich rund 9.614 für den potenziellen Einsatz in militärischen Lagerbeständen – das sind etwa 29 mehr als im Vorjahr. Schätzungsweise 3.912 der Sprengköpfe wurden demnach auf Raketen oder auf aktiven Stützpunkten platziert, darunter waren wiederum rund 2.100, die in hoher Einsatzbereitschaft gehalten wurden. All diese Werte bilden den Stand im Januar 2025 ab.

Neun Staaten der Erde gelten als Atommächte. Dazu zählen in erster Linie die USA und Russland, die historisch bedingt durch den Kalten Krieg auch heute noch zusammen über fast 90 Prozent aller Atomwaffen verfügen. Hinzu kommen Großbritannien, Frankreich, China, Indien, Pakistan, Nordkorea und Israel, das öffentlich nach wie vor nicht einräumt, im Besitz nuklearer Waffen zu sein. Deutschland besitzt keine Atomwaffen.

Eskalation zwischen Israel und dem Iran

Erneute Atomdebatten in Europa, Nahost und Ostasien deuten Sipri zufolge darauf hin, dass potenziell weitere Staaten ihre eigenen Kernwaffen entwickeln könnten. Die Atombemühungen des Irans sehen die Friedensforscher dabei zunehmend vom eskalierenden Konflikt mit Israel beeinflusst: Während dabei in innenpolitischen Debatten die potenziellen Vorteile einer nuklearen Abschreckung thematisiert würden, signalisiere die iranische Führung bei Gesprächen mit den USA über eine Wiederbelebung des Atomabkommens mit dem Westen Bereitschaft für atomare Zurückhaltung, heißt es im Bericht.

Israel hatte vor wenigen Tagen mit Großangriffen auf iranische Städte und Atomanlagen begonnen und dies unter anderem damit begründet, dass der Iran «nach dem Bau einer Atombombe in nächster Zeit» strebe. Teheran hat das stets dementiert.

Bald erstmals wieder mehr Atomwaffen in der Welt?

Seit Jahrzehnten ist die weltweite Zahl der Atomwaffen kontinuierlich gesunken – zu Spitzenzeiten des Kalten Krieges lag sie mehr als fünfmal so hoch wie heute. Dieser Rückgang ist hauptsächlich darauf zurückzuführen, dass Russland und die USA ausrangierte Sprengköpfe nach und nach demontieren. 

Bei der Zahl der einsatzfähigen Atomwaffen beobachtet Sipri dagegen schon seit längerem einen Anstieg. Während sich das Tempo der Demontage verlangsame, beschleunige sich zeitgleich die Bereitstellung neuer Waffen. Mit anderen Worten: Es sieht danach aus, dass bald mehr neue Atomwaffen bereitgestellt als alte ausrangiert werden. Der Gesamtbestand könnte damit in den nächsten Jahren erstmals wieder steigen.

«Die Ära der Verringerung der weltweiten Atomwaffenzahl, die seit dem Ende des Kalten Krieges andauerte, geht zu Ende», stellt der Sipri-Experte Hans Kristensen fest. «Stattdessen beobachten wir einen klaren Trend hin zu wachsenden Atomwaffenarsenalen, verschärfter nuklearer Rhetorik und der Aufkündigung von Rüstungskontrollabkommen», warnt er.

Dramatische Lage bei Rüstungskontrollabkommen

Gleich mehrere Abrüstungs- und Kontrollverträge haben in jüngerer Zeit stark gelitten. 2019 hatten die USA unter dem damaligen wie heutigen Präsidenten Donald Trump den INF-Vertrag zum Verzicht auf landgestützte atomare Kurz- und Mittelstreckenraketen gekündigt und ein Jahr später auch den Rückzug aus dem Vertrag Open Skies über internationale militärische Beobachtungsflüge angekündigt. Daraufhin hatte auch Russland den Open-Skies-Austritt verkündet. 

2022 vollzog Russland nach seinem Einmarsch in die Ukraine seinen Austritt aus dem Abrüstungsvertrag über konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE-Vertrag). Das Land von Kremlchef Wladimir Putin setzte damals auch den letzten großen atomaren Abrüstungsvertrag New Start mit den USA außer Kraft. Gespräche über ein Nachfolgeabkommen liegen seitdem auf Eis. Findet sich keine Lösung, läuft der Vertrag im Februar 2026 aus. 

China rüstet auf

Im Schatten Washingtons und Moskaus kristallisiert sich derweil immer stärker eine dritte führende Atommacht heraus, die sich laut Sipri mitten in der umfassenden Modernisierung und Ausweitung ihres Atomwaffenprogramms befindet: China. Die chinesischen Bestände werden von dem Institut auf etwa 600 nukleare Sprengköpfe geschätzt. Das sind mittlerweile mehr als Frankreich (290) und Großbritannien (225) zusammen. 

«Chinas Atomwaffenarsenal wächst schneller als das jedes anderen Landes: seit 2023 um etwa 100 neue Sprengköpfe pro Jahr», heißt es im Sipri-Bericht. Tendenz: weiter steigend. 

«Atomwaffen garantieren keine Sicherheit»

Dann wären da noch Indien und Pakistan. Nach der jüngsten Konfrontation zwischen den beiden rivalisierenden Atommächten herrscht seit Mitte Mai eine Waffenruhe unter ihnen. Es habe eine Gefahr bestanden, einen konventionellen Konflikt in eine nukleare Krise zu verwandeln, erklärt Sipri-Experte Matt Korda. «Dies sollte eine eindringliche Warnung für Staaten sein, die ihre Abhängigkeit von Atomwaffen erhöhen wollen.» 

Die jüngsten Feindseligkeiten zwischen Indien und Pakistan zeigten, dass Atomwaffen keine Konflikte verhinderten, sagt er. «Es ist entscheidend, sich daran zu erinnern, dass Atomwaffen keine Sicherheit garantieren.»

Ähnlich sieht man das bei der Friedensorganisation Greenpeace. «Die Kombination aus atomarer Aufrüstung und dem Erstarken nationalistischer und populistischer Kräfte in den Atomwaffenstaaten macht Angst», sagt Greenpeace-Abrüstungsexperte Alexander Lurz. Deutschland sei mit dem Kauf von atomwaffenfähigen F-35-Kampfjets für die nukleare Teilhabe selbst Teil dieser weltweiten Aufrüstung.

Waffen / Atom / Militär / Konflikte / Krieg / Schweden / USA / Russland / International / China / Iran / Israel
16.06.2025 · 04:30 Uhr
[1 Kommentar]
Abschiebungen
Berlin (dpa) - Deutschland hat erneut einen syrischen Straftäter in sein Heimatland abgeschoben. Der 32-Jährige war nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur mehrmals mit dem Gesetz in Konflikt geraten und 2020 rechtskräftig wegen Drogendelikten und Körperverletzung zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden.  Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums sagte der «Bild»-Zeitung: «Heute wurde ein weiterer […] (00)
vor 2 Minuten
Kernkraft aus dem Flugzeugträger: Ein neuer Ansatz gegen den Energieengpass der KI
Rechenzentren, die große KI-Modelle trainieren und betreiben, treiben den Strombedarf stark nach oben und verschärfen damit die Suche nach kontinuierlich verfügbarer Energie. Eine ungewöhnliche Idee aus den USA setzt dabei auf Technik, die ursprünglich für Flugzeugträger entwickelt wurde: Marine-Reaktoren sollen an Land verlegt und als Kraftwerksmodule für Rechenzentren genutzt werden. Dabei steht […] (00)
vor 4 Stunden
JLab präsentiert Neuheiten auf der CES 2026
JLab, ein führender Anbieter für persönliche Audiotechnologie, präsentiert seine neuesten Innovationen und Produkt-Updates auf der CES 2026 und unterstreicht damit erneut das Engagement für hochwertige, verbrauchsorientierte Audiolösungen. Im Fokus stehen die Markteinführung der JBuds Mini ANC, des neuen Go Work 3 Headsets sowie die neue Farbvariante „Cloud White“ für die beliebten JBuds Open- […] (00)
vor 3 Stunden
Zusammenarbeit mit NVIDIA GeForce für ein gelungenes PC Erlebnis von 007 First Light
IO Interactive, der preisgekrönte Entwickler und Publisher hinter der weltweit gefeierten  HITMAN -Reihe, und Amazon MGM Studios geben stolz eine Zusammenarbeit mit NVIDIA GeForce bekannt, um ein verbessertes PC-Erlebnis für  007 First Light  zu liefern, das am 27. Mai 2026 veröffentlicht wird.  007 First Light erscheint für PS5, Xbox Series X|S, Xbox ROG Ally X, Xbox ROG Ally, Nintendo […] (00)
vor 3 Stunden
Andy Friendly im Alter von 74 Jahren gestorben
Friendly, einer der prägenden Köpfe hinter dem US-Entertainmentjournalismus und langjähriger Medienmanager bei King World und CNBC, ist tot. Der frühere Fernsehmanager und Emmy-nominierte Produzent Andy Friendly ist am Sonntag, 4. Januar, im Alter von 74 Jahren in seinem Haus in Bel-Air gestorben. Dies bestätigte seine Familie. Friendly gehörte über Jahrzehnte zu den einflussreichen Persönlichkeiten des amerikanischen Fernsehens und war […] (00)
vor 2 Stunden
Marc-André ter Stegen
Dschidda (dpa) - Marc-André ter Stegen ist nach Angaben von FC Barcelonas Sportdirektor Deco nicht schwerer am Knie verletzt. Dem deutschen Fußball-Nationaltorwart gehe es gut, sagte Deco vor dem Halbfinale des spanischen Supercups in Dschidda dem Sender Movistar. Ter Stegen wird in Barcelona von dem Arzt untersucht, der ihn zuletzt auch am Knie operiert hatte.  «Er hatte ein ungutes Gefühl im […] (00)
vor 58 Minuten
Kostenloses Stock Foto zu ablehnen, aktienmarkt, analyse
Der Kurs von XRP hat das Jahr mit einer soliden Basis begonnen und die negative Dynamik der letzten Wochen des Vorjahres umgekehrt. Ein Analyst geht nun weit über kurzfristige Ziele hinaus und skizziert eine psychologische Roadmap, die erklärt, wie XRP letztlich bei $100 pro Coin gehandelt werden könnte. Diese Roadmap basiert darauf, wie sich die Einstellung der Investoren ändert, wenn XRP […] (00)
vor 35 Minuten
Sichere Zugänge und Schutz auf dem Dach
Wangen im Allgäu, 07.01.2026 (PresseBox) - Auf der Dach+Holz International in Köln (24.-27. Februar, Halle 8, Stand 604) präsentiert HYMER-Steigtechnik Lösungen für sicheres Arbeiten in der Höhe. Der Schwerpunkt des Messeauftritts liegt auf Systemen für sichere Zugänge und Absturzsicherung: die modularen HYGHTS-Geländersysteme, Steigleitern für dauerhafte Zugänge sowie praxisorientierte Serienleitern für den handwerklichen Einsatz. Das Portfolio […] (00)
vor 5 Stunden
 
Prozess gegen AfD-Abgeordneten Halemba
Würzburg (dpa) - Geschniegelt und gestriegelt kommt Daniel Halemba ins Amtsgericht Würzburg. […] (03)
Bundespressekonferenz
Berlin (dpa) - Vier Tage nach der Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro […] (00)
A44 gesperrt - Problem mit Windrad
Jackerath (dpa) - Weil der Flügel eines Windrads abgeknickt ist, ist die A44 zwischen dem […] (01)
Soldaten der Bundeswehr (Archiv)
Berlin - Die notwendige parlamentarische Zustimmung zu einem Bundeswehr-Einsatz im Zuge eines […] (00)
Amy Schumer
(BANG) - Amy Schumer hat die Scheidung von Chris Fischer eingereicht. Die Schauspielerin gab […] (00)
Assassin’s Creed Black Flag „Resynced“: Neue Domain enthüllt Hinweise auf das Remake?
Seit Monaten brodelt die Gerüchteküche rund um ein mögliches Remake von Assassin’s Creed IV: […] (00)
iPhone soll im Jahr 2028 eine 200 MP Kamera erhalten
In zwei Jahren soll das iPhone laut einem Bericht ein Upgrade auf eine 200 MP Kamera erhalten […] (00)
«besseresser»: Boardrestaurants sind am Zug
Im Anschluss bekommt nochmal Nutella sein Fett weg. Von Tomatensuppe über Currywurst bis hin zum veganen […] (00)
 
 
Suchbegriff