Frankreich in der Krise: Lecornus Start als Premier unter Protesten
Frankreichs neuer Premierminister Sébastien Lecornu sieht sich bei seinem Amtsantritt einer herausfordernden politischen Landschaft und massiven Protesten gegenüber. Vor der eindrucksvollen Kulisse landesweiter Demonstrationen kündigte Lecornu an, dass tiefgreifende Veränderungen notwendig seien. Dabei betonte der 39-jährige, vormals als Verteidigungsminister tätige Lecornu, dass nicht nur oberflächliche Anpassungen, sondern auch substanzielle Neuausrichtungen vonnöten seien, um die Diskrepanz zwischen den politischen Gegebenheiten und den Erwartungen der Bürger zu überbrücken.
In seiner ersten Rede als Premier hob der aus den konservativen Reihen stammende und inzwischen als Vertrauter von Präsident Emmanuel Macron geltende Lecornu hervor, wie essenziell es sei, neue Arbeitsweisen zu etablieren und die Zusammenarbeit mit der Opposition zu intensivieren. Konkrete Pläne für die erhofften Reformen blieben zwar vorerst aus, doch zeigten seine Worte den Willen zu umfassenden Veränderungen.
Während Lecornu in Paris seinen Amtseid ablegte, regte sich im ganzen Land Unmut über die Sparpläne der abgelösten Regierung. Ein breites Bündnis, das sich gegen die Vorhaben aussprach, organisierte Blockaden und mobilisierte Zehntausende Menschen. Die französischen Sicherheitskräfte, gut 80.000 Beamte stark, sind in Alarmbereitschaft. Bis in den Abend hinein kam es zu Verhaftungen und Ausschreitungen, wobei eine Vielzahl an Orten betroffen war, darunter auch Paris, Lyon und Marseille.
Der Hintergrund der Proteste bleibt vage, da die Aufrufe eher dezentral erfolgten und verschiedene Gruppen ihren Unmut kundtaten – von linken Parteien über die Gelbwesten bis hin zu Gewerkschaften. Innerhalb des gespaltenen Parlaments wird es Lecornus Primäraufgabe sein, Brücken zu bauen. Die Konstellation aus rechtsnationalen, linken und zentristischen Kräften erschwert die Regierungsbildung. Vor diesem Hintergrund strebt Lecornu zügig Gespräche mit politischen Akteuren und Gewerkschaften an, um passgenaue Lösungen zu finden.
Die unmittelbaren Reaktionen aus politisch gegensätzlichen Lagern, vor allem den Le-Pen-Anhängern und der Linken, zeigen sich skeptisch. Lecornus Nähe zu Präsident Macron stößt auf Widerstand, besonders in Zeiten, in denen grundlegende politische Veränderungen gefordert werden. Der neue Premier wird nun beweisen müssen, ob er den hehren Ansprüchen Aufbruch geben kann und damit die politische Ruhe zurückkehrt.

