Europäische Aktienmärkte unter Druck: US-Zollpolitik sorgt für Verstimmung
Die europäischen Börsen standen zum Wochenende hin unter erheblichem Druck. Verantwortlich dafür sind die anhaltenden Unsicherheiten rund um die amerikanische Zollpolitik. Analyst Christian Henke vom Broker IG Markets bemerkte dazu, dass US-Präsident Trump erneut mit überraschenden Schritten die Märkte erschütterte. Staaten, die sich im Handelsstreit nicht einigen konnten, wurden mit drastischen Zöllen belegt. So verzeichnete der EuroStoxx 50 am späten Vormittag einen Rückgang von 1,7 Prozent und sank auf 5.228,98 Punkte. Auch der britische FTSE 100 verlor 0,61 Prozent und fiel auf 9.076,98 Punkte.
In der Schweiz, wo aufgrund eines Feiertags kein Handel stattfand, drohen kommende Woche düstere Wolken. Eine neue US-Liste sieht Steuern von 39 Prozent auf Schweizer Exporte in die USA vor, was die schlimmsten Befürchtungen übertrifft. Noch im April kündigte Präsident Trump lediglich 31 Prozent an, womit die Schweiz jetzt unter den Top-Vier-Nationen mit den höchsten Zöllen rangiert, nur übertroffen von Laos, Myanmar und Syrien. Der Euroraum hingegen kämpft weiter mit den bereits eingeführten 15 Prozent Zöllen, die durch die bisherigen Bilanzen der Börsen deutlich nicht verdaut sind, laut Henke.
Neben den Zollthematiken herrscht Zurückhaltung vor den anstehenden US-Arbeitsmarktdaten, was zusammen mit der üblich schwachen Performance im August die Märkte negativ beeinflusst. Für Pharmawerte erwiesen sich Impulse aus den USA ebenfalls als belastend. Präsident Trump fordert von Herstellern wie Eli Lilly, Novartis und Pfizer, binnen 60 Tagen für eine stärkere Berücksichtigung von Geringverdienern bei der Preisgestaltung von Medikamenten zu sorgen. Auch sollen im Ausland generierte Mehreinnahmen an amerikanische Patienten und Steuerzahler zurückgegeben werden.
Diese Ankündigungen führten zu einem Rückgang der Aktie von Novo Nordisk um 4,4 Prozent, Astrazeneca um 3,8 Prozent und GSK um 1,6 Prozent. Im Bausektor fiel Saint Gobain um 4,3 Prozent nach Veröffentlichung der Halbjahreszahlen, die teils den Erwartungen entsprachen, jedoch beim operativen Ergebnis enttäuschten. Analysten hoben den reduzierten Ausblick für das margenträchtige Nordamerika-Geschäft hervor. Auch die weiter sinkenden Absatzmengen im zweiten Quartal wurden kritisch betrachtet.
Unter den Versicherungsgesellschaften verzeichnete Axa einen Rückgang von 6,2 Prozent. Trotz eines erfolgreichen ersten Halbjahres war ein leichter Gewinnrückgang zu verzeichnen. Axa verkündete zudem die Übernahme von Prima, einem italienischen Direktversicherer im Kfz-Bereich, und strebt damit eine Verdopplung der eigenen Marktpräsenz in Italien an.

