Euro klettert über 1,16 US-Dollar: Sorgen um US-Zollpolitik und Fed-Spekulationen belasten Dollar
Der Euro hat einen bemerkenswerten Höhenflug hingelegt und erreichte am Donnerstag den höchsten Kurs seit dreieinhalb Jahren. Dank aktueller Wirtschaftsdaten aus den USA überschritt die europäische Gemeinschaftswährung zeitweise die Marke von 1,16 US-Dollar, ein Niveau, das zuletzt im Jahr 2021 gesehen wurde. Im New Yorker Handel notierte der Euro schließlich wieder leicht unter dieser Marke mit 1,1577 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) legte den offiziellen Referenzwert für den Euro bei 1,1594 Dollar fest, während der Dollar mit 0,8625 Euro bewertet wurde.
Der Rückgang des US-Dollars ist eng mit der Unsicherheit über die Zollpolitik der US-Regierung verbunden. Trotz wiederholter Ankündigungen und Rücknahmen von Zollmaßnahmen seit Donald Trumps Amtsantritt belastet diese Ungewissheit die amerikanische Währung erheblich. Der Dollar verlor an Boden, während allen voran der Euro immer wieder an Stärke gewann, was Experten zunehmend die Bedeutung des Dollars als Weltleitwährung hinterfragen lässt.
Fortschritte in den Handelsgesprächen zwischen den USA und China konnten dem Abwärtstrend der amerikanischen Währung bisher nichts entgegensetzen. Peking bleibt zurückhaltend und äußert sich kaum zu Details der angekündigten Erleichterungen bei Exportbeschränkungen.
Zusätzliche Zinssenkungsspekulationen durch die US-Notenbank Fed verstärken den Druck auf den Dollar. Trotz der von der Regierung verhängten Zölle steigt die Inflation nur moderat, was der Fed Spielraum für zukünftige Leitzinssenkungen bieten könnte, falls die Wirtschaft weiter abkühlt. Aktuelle Produzentenpreisdaten blieben hinter den Erwartungen zurück, was zusätzliche Signale für eine mögliche Zinssenkung sendet.
Ein schwächelnder Dollar könnte der US-Politik unter Trump durchaus entgegenkommen, da erschwinglichere Exportgüter die Ausfuhren steigern. Gleichzeitig könnten teurere Importe den amerikanischen Verbrauchern den Griff zu heimischen Produkten schmackhafter machen, was das beträchtliche Handelsdefizit der USA verringern könnte. In der Eurozone hingegen bestätigt die EZB, dass die Zinspolitik aktuell stabil bleibt. Isabel Schnabel, Mitglied des EZB-Rates, betonte, dass der gegenwärtige geldpolitische Zyklus sich seinem Ende nähert und die mittelfristige Inflation das Ziel der EZB erreicht hat.

