EU-Ratschef: «Platz in der Hölle» für Brexiteers ohne Plan

06. Februar 2019, 22:51 Uhr · Quelle: dpa

Brüssel/London (dpa) - Mitten in der schwierigen Suche nach einer Brexit-Lösung hat EU-Ratschef Donald Tusk mit einer scharfen Attacke Empörung in London ausgelöst.

«Ich denke manchmal darüber nach, wie der besondere Platz in der Hölle für jene aussieht, die den Brexit vorangetrieben haben, ohne auch nur die Skizze eines Plans zu haben, ihn sicher über die Bühne zu bringen», sagte Tusk am Mittwoch. Die britische Ministerin Andrea Leadsom forderte umgehend eine Entschuldigung für diesen «schändlichen» Kommentar.

Inhaltlich ist der Streit weiter völlig verfahren - und das nur rund 50 Tage vor dem Termin des britischen EU-Austritts am 29. März. Die britische Premierministerin Theresa May will am Donnerstag bei Gesprächen mit Tusk und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker in Brüssel versuchen, doch noch eine geregelte und gütliche Trennung zuwege zu bringen.

Da das britische Parlament das Austrittsabkommen abgelehnt hat, verlangt May Nachbesserungen, was die EU ablehnt. Spekulationen über eine Verschiebung des Austrittsdatums weist die Regierung konsequent zurück, auch am Mittwoch wieder.

Die EU-Seite und auch Bundeskanzlerin Angela Merkel geben sich immer noch zuversichtlich, dass ein Bruch ohne Abkommen vermieden werden kann und damit auch dramatische Folgen für die Wirtschaft. «Es ist noch Zeit, zu einer Einigung zu kommen», bekräftigte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. «Aber natürlich müssen wir, damit es zu dieser Einigung kommt, von Großbritannien erfahren, wie es sich den weiteren Weg vorstellt.»

Das forderte auch Ratschef Tusk bei einem gemeinsamen Auftritt mit dem irischen Ministerpräsidenten Leo Varadkar. «Ich hoffe, dass wir morgen von Premierministerin May eine realistische Vorstellung bekommen, wie die Blockade beendet werden kann», sagte Tusk. Er glaube noch an die Chance für eine gemeinsame Lösung und werde selbst alles dafür tun.

In der Sache blieben Tusk, Varadkar und auch Kommissionschef Juncker aber strikt bei der bisherigen Linie der EU: Man werde keine neuen Angebote machen und den Austrittsvertrag nicht für Neuverhandlungen öffnen.

Als höchste Hürde für die Ratifizierung des Vertrags gilt in London die von der EU geforderte Garantie für eine offene Grenze zwischen dem EU-Staat Irland und dem britischen Nordirland. May will Änderungen an diesem sogenannten Backstop - was die EU strikt ablehnt.

Tusk sagte, für die EU blieben die irische Grenzfrage und der Friedensprozess in Irland oberste Priorität. «Es gibt hier keinen Spielraum für Spekulationen», betonte Tusk. An Großbritannien appellierte er: «Gebt uns eine glaubhafte Garantie für Frieden in Nordirland, und Großbritannien wird die EU als vertrauenswürdiger Freund verlassen.»

Varadkar äußerte sich in einer gemeinsamen Erklärung mit Juncker ähnlich. Der irische Regierungschef kündigte ein eigenes Treffen mit May für Freitagabend in Dublin an.

Die Bemerkung über den «Platz in der Hölle» für die ursprünglichen Verfechter des EU-Austritts verbreitete Tusk auch schriftlich und offenbar sehr bewusst. Die für Parlamentsfragen zuständige britische Ministerin Leadsom meinte dennoch: «Ich bin mir sicher, dass er sich wohl wünschen wird, er hätte es nicht getan, wenn er darüber nachdenkt.» Leadsom ist selbst eine glühende Brexit-Anhängerin.

Der ehemalige Chef der nationalistischen Ukip-Partei, Nigel Farage, hielt Tusk entgegen: «Nach dem Brexit werden wir frei sein von ungewählten, arroganten Tyrannen wie Ihnen und unser Land selber lenken.» Das sei nicht die Hölle, sondern eher der Himmel.

Angesichts der Aufregung in London wurde Juncker bei seiner Pressekonferenz mit Varadkar nach Tusks Bemerkung gefragt. Er sagte: «Ich bin weniger katholisch als mein guter Freund Donald. Er glaubt fest an den Himmel und als Gegensatz dazu an die Hölle. Ich glaube an den Himmel und habe nie die Hölle gesehen - bis auf die Zeit, die ich hier arbeite. Das ist die Hölle.»

EU / Theresa May / Abkommen / Brexit / Donald Tusk / Hölle / Brexiteers / Nigel Farage / Europa / Großbritannien / Irland
06.02.2019 · 22:51 Uhr
[8 Kommentare]
Ein Social-Media-Post von Katie Miller, einer ehemaligen Regierungsberaterin und Influencerin, hat für diplomatische Turbulenzen zwischen den Vereinigten Staaten und Dänemark gesorgt. In einem Beitrag auf der Plattform X zeigte sie eine Karte von Grönland in den Farben der US-Flagge, begleitet durch das Wort „BALD“ in Großbuchstaben. Als Ehefrau von Stephen Miller, dem stellvertretenden Stabschef, […] (00)
vor 22 Minuten
Die Geissens
(BANG) - Der Raub in der Geissen-Villa ist womöglich aufgeklärt worden. Nach dem brutalen Überfall auf das Anwesen von Carmen und Robert Geiss im südfranzösischen Saint-Tropez im Sommer 2025 gibt es endlich einen Durchbruch in den Ermittlungen: Die französischen Behörden haben mehrere mutmaßliche Täter festgenommen. Diese Entwicklung sorgt bei der prominenten TV-Familie für Erleichterung und weckt […] (02)
vor 10 Stunden
Review: Govee Table Lamp 2 Pro x Sound by JBL im Test
Die Govee Table Lamp 2 Pro x Sound by JBL ist weit mehr als eine klassische Tischlampe. Sie vereint stimmungsvolle, intelligente Beleuchtung mit hochwertigem Sound und positioniert sich damit als multifunktionales Lifestyle-Produkt für moderne Wohnräume. Govee kombiniert hier seine langjährige Erfahrung im Bereich smarter RGB-Beleuchtung mit der renommierten Audio-Kompetenz von JBL und schafft […] (00)
vor 4 Stunden
Review – Battlefield 6 – Ein erfolgreicher Release und eine gute Season mit RedSec
Nachdem die erste Season von Battlefield 6 in den letzten Zügen liegt, ist für mich der richtige Zeitpunkt gekommen, meine Eindrücke zum neuesten Teil der Reihe zusammenzufassen. Vorab sei erwähnt, dass ich der Battlefield-Serie seit Battlefield 1942 treu bin und insbesondere in Battlefield 2 mit Abstand die meisten Spielstunden investiert habe. Nach dem eher durchwachsenen Start von […] (00)
vor 4 Stunden
Amanda Seyfried
(BANG) - Amanda Seyfried verbrachte ein Jahr mit der Vorbereitung auf ihre Rolle in 'The Testament of Ann Lee'. Die 40-jährige Schauspielerin verkörpert in dem Film von Mona Fastvold die titelgebende spirituelle Anführerin und erklärte, dass sie sehr früh mit den Vorbereitungen begonnen habe, da für die Dreharbeiten nur 34 Tage zur Verfügung standen. Auf die Frage, ob die kurze Produktionszeit […] (01)
vor 10 Stunden
74. Vierschanzentournee - Innsbruck
Innsbruck (dpa) - Der erstmals geschlagene Domen Prevc klatschte der japanischen Skisprung-Sensation Ren Nikaido anerkennend Beifall, Bundestrainer Stefan Horngacher ärgerte sich über die Jury. Mit seinem Sieg beim spektakulären Bergiselspringen in Innsbruck verdarb Nikaido dem in der Gesamtwertung weiter souverän führenden Prevc die Chancen auf den Vierfach-Sieg bei der Vierschanzentournee. Den […] (03)
vor 6 Stunden
Warum Europas neue Waffen oft nicht einsatzbereit sind
Europa rüstet so stark auf wie seit Jahrzehnten nicht. Doch selbst modernste Waffen helfen wenig, wenn sie im Ernstfall nicht funktionieren. Eine Untersuchung legt offen, wie groß die Lücke zwischen Kauf und Einsatzbereitschaft wirklich ist. Geld ist nicht das Problem An fehlenden Mitteln scheitert Europas Verteidigung nicht. Bis 2030 sollen mehr als 800 Milliarden Euro in Rüstung und Sicherheit […] (00)
vor 43 Minuten
Mit led streifen fernseher für das perfekte Kinoerlebnis zu Hause
Bietigheim-Bissingen, 04.01.2026 (PresseBox) - Mit LED Streifen Fernseher für das perfekte Kinoerlebnis zu Hause Ein perfektes Kinoerlebnis zu Hause hängt nicht nur von der Bildqualität Ihres Fernsehers ab, sondern auch von der richtigen LED Hintergrundbeleuchtung . Mit LED Streifen hinter Fernseher können Sie nicht nur eine beeindruckende Atmosphäre schaffen, sondern auch das Seherlebnis auf […] (00)
vor 14 Stunden
 
Die politische Landschaft in Deutschland erlebte jüngst eine beeindruckende […] (00)
Dmitri Medwedew, einstiger Präsident Russlands und derzeit Vizevorsitzender des nationalen […] (00)
Die Festnahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro birgt weitreichende diplomatische […] (00)
Der nächtliche US-Angriff auf Venezuela hat die ohnehin fragile Stimmung im Land zusätzlich […] (00)
Azteken-Epos und Politthriller: HISTOIRE TV im Januar
Eine aufwendig produzierte Serie über Aufstieg und Fall der Azteken trifft auf eine investigative […] (00)
KI ohne Rechenzentren: Ein Infrastrukturmodell gerät ins Wanken
Das rapide Wachstum von Anwendungen künstlicher Intelligenz hat den Bedarf an enormen […] (02)
wear, fashion, hand, leather, desktop, pants, fabric, denim, closeup, pocket, gold, cryptocurrency, money, finance, virtual, bitcoin, exchange, payment, currency, blockchain, mining, cash, financial, digital, economy, banking, cryptography, crypto, moneta
Nach einem schwierigen Ende des Jahres 2025 scheint der Altcoin-Markt im neuen Jahr die Führung […] (00)
Doomscrolling ade: Smartphone mit Tastatur speziell für Messenger-Dienste
Du möchtest mit deinem sozialen Umfeld in Verbindung bleiben und gleichzeitig endlich vom […] (01)
 
 
Suchbegriff