Erwachen des vietnamesischen IPO-Marktes - ein Boom mit Bremsklotz?
Vietnams Markt für Börsengänge erlebt derzeit einen bemerkenswerten Aufschwung. Getragen wird dieser durch einen Aktienboom, regulatorische Neuerungen und einen Kreditrausch. Allerdings bleibt das Interesse ausländischer Investoren bisher verhalten, obwohl der Markt von FTSE Russell potenziell aufgewertet werden könnte.
Erst kürzlich gelang es dem Broker Techcom Securities, einem Tochterunternehmen der Techcombank, beeindruckende 410 Millionen Dollar einzusammeln. Dies führte zu einer Unternehmensbewertung von 4 Milliarden Dollar und machte es zu einem der größten Börsengänge Vietnams der letzten Jahre. Im Vergleich dazu liegen die kombinierten 36 Börsengänge in Malaysia, dem größten Markt Südostasiens, deutlich niedriger.
Das auf Vietnam spezialisierte Private-Equity-Unternehmen Dragon Capital prognostizierte zu Jahresbeginn, dass bis 2028 insgesamt 13 Unternehmen – darunter Techcom Securities – an die Börse gehen werden. Diese Unternehmen könnten dann zusammen auf eine Marktkapitalisierung von bis zu 47,5 Milliarden Dollar kommen, was ungefähr 14 Prozent des aktuellen Marktwertes Vietnams entspricht.
Unterstützt wird der Enthusiasmus auch durch eine kürzlich eingeführte Regelung, die die Notierungsverfahren verkürzt. Dies äußerte Nguyen The Minh, Leiter der Abteilung für Forschung und Entwicklung bei Yuanta Securities Vietnam. Während der vietnamesische Index in diesem Jahr um 29 Prozent gestiegen ist, sind auch große Namen wie Vinpearl und das Agrarunternehmen von Hoa Phat Group wieder auf den Plan getreten.
Aktivitäten dieser Art sind teilweise durch einen zunehmenden Kreditfluss gefördert worden, was jedoch Bedenken über potenzielle Preisblasen geweckt hat. Der Bedarf der Wertpapierfirmen nach zusätzlichem Kapital, um neue regulatorische Anforderungen zu erfüllen und Margin-Kredite zu unterstützen, ist ein weiterer Treiber für das Wachstum.
Trotz der Möglichkeit einer Aufwertung zu einem Schwellenmarkt zögern ausländische Investoren weiterhin, sich zu engagieren. Die Weltbank schätzt, dass vor und nach einer möglichen Aufwertung etwa 5 Milliarden Dollar an Nettozuflüssen von ausländischen Investoren verzeichnet werden könnten. Dennoch haben diese ihre Beteiligungen an der größten Börse des Landes, der Ho Chi Minh City Stock Exchange, reduziert.
Hoang Huy von Maybank Securities Vietnam sieht in der Volatilität der Wechselkurse und dem Wunsch, nach der starken Indexentwicklung Gewinne mitzunehmen, die treibenden Kräfte hinter dem zögerlichen Engagement der internationalen Investoren. Dies müsse jedoch nicht zwangsläufig einen Rückzug bedeuten.

