Erhebliche Zunahme an Gewalt gegen Journalisten in Deutschland
Die Anzahl gewaltsamer Übergriffe auf Journalisten hat sich in Deutschland signifikant erhöht, wie eine aktuelle Analyse der Organisation Reporter ohne Grenzen (RSF) offenbart. Insgesamt wurden im letzten Jahr 89 Angriffe auf Medienschaffende dokumentiert – eine alarmierende Verdopplung im Vergleich zum Vorjahr. Besonders häufig kam es zu Vorfällen bei Kundgebungen im Kontext des Nahost-Konflikts sowie bei Veranstaltungen rechtsextremer Gruppierungen und Abtreibungsgegnern.
Ein Großteil der dokumentierten Vorfälle betraf physische Angriffe auf Menschen, während eine kleinere Zahl von Angriffen sich gegen Redaktionsgebäude oder Wohnhäuser richtete. Die Täter setzten verschiedenerlei Mittel ein – von Schlägen und Tritten über den Einsatz von Fahnenstangen bis hin zu Attacken mit Pfefferspray. Besonders brisant ist die Lage bei Demonstrationen in Berlin, wo 38 Attacken stattfanden, und ebenfalls in Kreisen rechtsextremer Ausrichtung, aus denen 21 Übergriffe gemeldet wurden.
Reporter ohne Grenzen betont eine zunehmende Pressefeindlichkeit in Deutschland und spricht von einem „stark verengten Meinungskorridor“. Insbesondere die Berichterstattung über den Gaza-Krieg und die daraus resultierenden Spannungen hätten zu dieser Entwicklung beigetragen. Lokale Journalisten, die häufig Angriffen ausgesetzt sind, melden diese aus verschiedenen Gründen oftmals nicht, was auf eine hohe Dunkelziffer hindeutet.
Der Deutsche Journalisten-Verband zeigt sich über die Eskalation besorgt und fordert ein deutliches Entgegentreten gegenüber den Angriffen. Attacken auf Journalisten seien zugleich Angriffe auf die Demokratie, die es zu benennen und zu bekämpfen gilt. In einer ähnlichen Haltung fordert die Journalisten-Gewerkschaft dju innerhalb von Verdi, das Thema Medienschutz im neuen Koalitionsvertrag zu verankern. Die politischen Akteure sind gefordert, unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen, um die Sicherheit der Journalisten zu gewährleisten, während sie eine zunehmend pressefeindliche Atmosphäre in der Gesellschaft beobachten.

