Einheitliche europäische Börse: Merz' Vision für einen stärkeren Kapitalmarkt
Europa hat sich als Wiege erfolgreicher Unternehmen etabliert, dennoch zieht es viele von ihnen für ihren Börsengang in die USA - wie den Mainzer Impfstoffhersteller Biontech oder den Bezahldienst Klarna. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) plant eine Kehrtwende und hat die Gründung einer europäischen Börse ins Gespräch gebracht.
Diese Initiative findet breite Zustimmung, auch wenn die Umsetzung mit erheblichen Herausforderungen verbunden ist. Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Schutzvereins für Wertpapierbesitz (DSW), lobt Merz' Vorschlag als "Königsweg für Europa". Eine zentrale Börse in Frankfurt könnte die notwendige Liquidität im europäischen Finanzmarkt bündeln.
Allerdings stehen dem nationale Interessen entgegen, denn jedes Land möchte seine eigene Börse behalten. Im Bundestag hat Merz kürzlich betont, dass die Stärke des europäischen Binnenmarkts besser ausgeschöpft werden müsse.
Ein European Stock Exchange würde Unternehmen wie Biontech, bekannt seit der Corona-Pandemie, davor bewahren, sich für die Nasdaq in den USA zu entscheiden. SPD-Vizekanzler und Finanzminister Lars Klingbeil sicherte seine volle Unterstützung zu.
Auf der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank in Washington bezeichnete er den Vorstoß als sinnvollen Schritt zur Integration der europäischen Kapitalmärkte. Auch die Deutsche Börse zeigt sich offen für Merz' Initiative.
Mit mehr als 500 Handelsplätzen gilt die EU als der fragmentierteste und intransparenteste Markt, wo nur etwa 30 Prozent des Aktienhandels an offenen Börsen stattfinden. Eine Stärkung des Kapitalmarkts ist notwendig, um gesellschaftlichen Herausforderungen, wie der Unternehmensfinanzierung und Altersvorsorge, zu begegnen.
Während in den USA starke Börsen und große Investoren dominieren, ist Europa seit Jahren damit beschäftigt, die Finanzmärkte zu konsolidieren. Fortschritte bleiben jedoch aus. Laut der Europäischen Zentralbank (EZB) lagern rund 11,5 Billionen Euro auf den Sparkonten der Bürger, deren Wert durch die Inflation sinkt.
Teile dieses Kapitals könnten durch kluge Investitionen enorme Summen freisetzen. Doch wie Tüngler anmerkt: "Das Lenken von Ersparnissen an die Kapitalmärkte funktioniert schon in Deutschland nicht." Jetzt, so Tüngler, ist die Zeit für Taten gekommen.

