Eine Handels-Nato als Bollwerk gegen Zollpolitik
Die deutsche Exportwirtschaft sieht sich mit wachsenden Herausforderungen auf den globalen Märkten konfrontiert und fordert eine umfassende internationale Zusammenarbeit zur Verteidigung des freien Handels. Dirk Jandura, Präsident des Außenhandelsverbands BGA, plädiert für die Schaffung einer sogenannten "Handels-Nato" als Reaktion auf die zunehmende Nutzung von Zöllen als politisches Druckmittel. Die Idee eines Bündnisses, das stark an die militärische Allianz der Nato erinnert, soll insbesondere Zöllen entgegentreten, wie sie unter der Präsidentschaft von Donald Trump in den USA verhängt wurden.
Die deutsche Exportwirtschaft sieht sich durch die Machtspielchen auf dem Weltmarkt unter Druck gesetzt. Vor allem der stark schwankende Euro beeinträchtigt die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Exporteure auf preissensiblen Märkten, sagte Jandura. Die Auswirkungen spiegeln sich in den mittelmäßigen Wachstumsprognosen für die Exporte wider – während die Importe kräftig anziehen könnten.
Janduras Vision einer "Handels-Nato" umfasst die Zusammenarbeit der EU mit Mitgliedern der Transpazifischen Freihandelszone CPTPP, einschließlich Kanada, Australien und Japan. Von der Initiative wären allerdings Russland, die USA und China ausgenommen. Ein Artikel-5-ähnlicher Mechanismus könnte bei Zollkonflikten zum Einsatz kommen und würde kollektive Maßnahmen wie Gegenzölle oder Digitalsteuern ermöglichen.
Die Dringlichkeit des Vorstoßes zeigt sich im Rückgang der deutschen Exporte in die USA, die 2025 um über neun Prozent sanken. Auch die Exporte nach China gingen erheblich zurück, während China weiterhin verstärkt günstige Waren nach Europa exportiert, begünstigt durch die US-Zölle. Gleichzeitig verliert die einst als Hüterin des freien Handels angesehene WTO an Einfluss, da wichtige Mitglieder, darunter die USA, ihre Handlungsfähigkeit immer wieder in Frage stellen.

