Eine Gemeinschaft der Unterschiede
Erkenntnisse vom Global Technology Forum – mit Carl Benedikt Frey, Professor für AI & Work an der University of Oxford
Heilbronn, 27.01.2026 (PresseBox) - Ein Austauschprogramm brachte Carl Benedikt Frey in jungen Jahren während seines Studiums nach Oxford. Dort fand er ein akademisches Zuhause und ist seit mittlerweile 13 Jahren an der Universität aktiv, seit knapp drei Jahren als Professor für „AI & Work”. An einem Ort, an dem Geschichte und Innovation aufeinandertreffen. Beim Global Technology Forum (GTF) im vergangenen Jahr begegnete er vielen Gleichgesinnten, die seine Leidenschaft für KI teilen.
Frey ist überzeugt, dass der Wohlstand der Menschheit durch Technologie und Innovation vor allem kontinuierlich wächst, aber dass technologischer Wandel auch eine disruptive Kraft entfalten kann. „Fortschritt ist nichts Natürliches, sonst hätte die Menschheit nicht 200.000 Jahre gebraucht, um die erste industrielle Revolution zu erleben“, sagt der Wissenschaftler. In der mittlerweile vierten industriellen Revolution, die durch KI getragen wird, sieht Frey Handlungsbedarf: „Die Modelle, mit denen Ökonomen die Zusammenarbeit von Menschen und Computern bei der Arbeit beschreiben, sind bestenfalls unvollständig.“ Genau hier setzt der Professor an.
Informatik trifft Wirtschaft
Als Wirtschaftswissenschaftler arbeitet Frey bei den technologischen Themen mit einem Experten aus einer anderen Disziplin zusammen: „Ich hatte das Glück, einen Kollegen aus dem Fachbereich Informatik zu treffen, mit dem ich gemeinsam das Thema Automatisierung beleuchte.“ Die Veröffentlichungen im Zusammenhang mit KI erhalten derzeit die meiste öffentliche Aufmerksamkeit. Frey selbst hat jedoch einen anderen Favoriten aus seinem Schaffen: „Mein neues Buch mit dem Titel „How Progress Ends“ ist das wichtigste Werk, das ich je geschrieben habe.“ Das Buch wurde für den Financial Times & Schroders Business Book of the Year Award 2025 nominiert. In ihm blickt Frey auf die vergangenen tausend Jahre zurück und zeigt auf, warum einige Gesellschaften von dem raschen technologischen Wandel profitieren und andere daran scheitern.
Interdisziplinarität und Internationalität sind große Standortvorteile von Oxford. Nicht nur Wirtschaftswissenschaftler und Informatiker arbeiten hier zusammen: „Es gibt nur wenige andere Orte, an denen man als Altphilologe neben einem Physiker im Gemeinschaftsraum oder beim Abendessen sitzen kann.“ Daher war es für Frey nur folgerichtig, nach dem Studium in Schweden und seiner Promotion in München an den altehrwürdigen Universitätsstandort zu wechseln. Frey sagt über Oxford: „Das Besondere ist die Kombination aus seiner Historie und der Tatsache, dass wir einige der zukunftsweisendsten Institutionen der Welt haben, zum Beispiel das Oxford Internet Institute und die Oxford Marketing School.“
Voneinander lernen
Mit dem „TUM Campus Heilbronn Joint Global AI Research Hub“ gelingt dieser Brückenschlag auch über Ländergrenzen hinaus. „In diesem Forum lerne ich Kolleginnen und Kollegen von Partneruniversitäten kennen, die im gleichen Fachgebiet forschen, sich aber auf andere Bereiche spezialisiert haben. Mit der Zeit führt das zu neuen Ideen, Inspiration und hoffentlich auch zu neuen Kooperationen“, sagt Frey. Denn an Projekten mangelt es dem Experten für „AI & Work“ wahrlich nicht: „Die Auswirkungen von KI auf Sprachkenntnisse und Resilienz oder der Einfluss der Technologie auf Unternehmen, die KI in guten wie in schlechten Zeiten nutzen, sind Themen, mit denen wir uns beschäftigen.“ In Zukunft dann universitäts- und länderübergreifend.


