Ein russischer Flieger auf Abwegen: Spannungen in der Lüfte über Litauen
In einem unerwarteten Luftraumvorfall sind laut litauischen Militärangaben zwei russische Flugzeuge ohne Erlaubnis in den Himmel des baltischen Nato-Staates eingedrungen. Ein Kampfflugzeug des Typs SU-30 und ein Tankflugzeug IL-78 überschritten die Grenze bei Kybartai und blieben für 18 Sekunden in litauischem Gebiet. Dieser Vorfall ereignete sich in einer Region, die bereits als Brennpunkt militärischer Spannungen bekannt ist.
Moskau reagierte unverzüglich und bezeichnete die Anschuldigungen aus Vilnius als unbegründet. Laut russischem Verteidigungsministerium handelte es sich um planmäßige Übungsflüge über Kaliningrad, wobei keine internationalen Grenzen verletzt worden seien. Die litauische Armee ließ sich von diesen Beteuerungen jedoch nicht abbringen und alarmierte prompt zwei spanische Eurofighter, die zur Sicherung des baltischen Luftraums aufstiegen.
Litauens Regierungsoberhäupter verurteilten das Eindringen als schwerwiegende Völkerrechtsverletzung. Präsident Gitanas Nauseda und Ministerpräsidentin Inga Ruginiene fanden klare Worte für das Verhalten Russlands, das sie als verächtlich gegenüber internationalem Recht und der Sicherheit der Nachbarn bezeichnen. In einer diplomatischen Reaktion wurde ein Vertreter der russischen Botschaft vorgeladen und eine Protestnote überreicht. Die Allianzpartner in Nato und EU wurden ebenso umgehend über diese Eskalation informiert.
Diese neuen Entwicklungen geschehen in einem Kontext wiederholter Luftraumverletzungen durch Russland, die das Gefühl der Bedrohung in den baltischen Staaten weiter verstärken. Erst kürzlich kam es zu ähnlichen Vorfällen im estnischen Luftraum, die zu Beratungen und scharfen Warnungen innerhalb der Nato führten. Um der permanenten Bedrohung zu begegnen, ist die Nato seit 2004 im Baltikum stationiert, um einen erheblichen Beitrag zur Sicherung des dortigen Luftraums zu leisten.

