Dynamik auf dem deutschen Aktienmarkt trotz globaler Spannungen
Trotz der weiterhin angespannten Handelsbeziehungen der USA mit wichtigen Partnern bleiben die Prognosen für den deutschen Aktienmarkt positiv. Die europäische Börse zeigt sich robust, was auf beschlossene und geplante finanzpolitische Maßnahmen zurückzuführen ist. Besonders die Zinssenkung der Europäischen Zentralbank und die Vorhaben der künftigen Bundesregierung zur Lockerung der Schuldenbremse sowie ein geplantes Sondervermögen für Infrastrukturprojekte in Höhe von 500 Milliarden Euro verleihen Auftrieb. Diese Rahmenbedingungen trugen zu einem jüngsten Rekordhoch des Dax bei und steigerten den MDax der mittelgroßen Unternehmen in der vergangenen Woche um über fünf Prozent.
Der Kapitalmarktanalyst Robert Halver von der Baader Bank bemerkte eine bemerkenswerte Widerstandsfähigkeit der europäischen Aktien gegenüber den USA, trotz deren harter Rhetorik in Handelsfragen. Die Aussicht auf ein umfassendes Infrastrukturprogramm in Deutschland sowie auf gesteigerte Verteidigungsausgaben in Europa sorgt für Zuversicht und überlagert die Sorgen um die bevorstehenden amerikanischen Zölle. Halver ist optimistisch, dass die US-Wirtschaft Schäden durch Zollsanktionen vermeiden möchte und diese daher als Bumerang betrachtet, der Inflation fördert und Kreditzinsen erhöht.
Ulrich Kater, Chefvolkswirt der DekaBank, sieht in den Finanzprogrammen Deutschlands einen signifikanten politischen Wandel mit starkem Wachstumspotenzial für die kommenden Jahre. Dennoch mahnt Hannah Thielcke von der Weberbank zur Vorsicht: Die Erholung der Konjunktur hängt maßgeblich von der effizienten Umsetzung der ambitionierten Finanzvorhaben ab, weshalb erst im nächsten Jahr mit positiven Effekten zu rechnen sei.
Einen kritischen Blick auf die Kehrseite der monetären Programme wirft Thorsten Weinelt von der Commerzbank. Er hebt die steigenden Renditen deutscher Staatsanleihen hervor, die mittlerweile in der Vorwoche spürbar angezogen haben, und warnt vor möglichen weiteren Erhöhungen. Darüber hinaus verlief das politische Wochenende in Deutschland konstruktiv, da sich Union und SPD in zentralen Punkten verständigten, um Koalitionsverhandlungen zu beginnen. CDU-Chef Friedrich Merz sucht nun Unterstützung bei den Grünen für die finanzpolitischen Pläne der möglichen schwarz-roten Regierung.
Auf wirtschaftlicher Ebene stehen in der kommenden Woche die Inflationsdaten aus den USA im Fokus, während aus Deutschland die Industrieproduktion Beachtung finden könnte. Die Berichtssaison rückt vermehrt ins Blickfeld der Investoren, da zahlreiche Dax-Unternehmen ihre Finanzzahlen präsentieren.

