Droht das Ende der Billigkosten-Ära im US-Schieferölsektor?
Ein neues Kapitel könnte im US-Schieferölsektor aufgeschlagen werden, denn sinkende Break-even-Kosten scheinen der Vergangenheit anzugehören. Laut der Analysefirma Enverus Intelligence Research deutet alles darauf hin, dass die zukünftigen Kosten der Ölversorgung in den USA erheblich ansteigen werden. So soll der Preis für ein Barrel von derzeit 70 US-Dollar auf bis zu 95 US-Dollar bis Mitte der 2030er Jahre steigen. Dieser prognostizierte Anstieg um 15 US-Dollar pro Barrel wird durch die Abkehr von wirtschaftlich erprobten Vorkommen zu spekulativeren Standorten verursacht, da die zentralen Vorkommen zunehmend erschöpft sind.
Diese Entwicklungen werden vermutlich auch auf den globalen Energiemärkten spürbar sein. Die Fähigkeit der USA, den globalen Ölbedarf zu decken, könnte abnehmen, was langfristige geopolitische Auswirkungen haben könnte. Alex Ljubojevic von Enverus äußert, dass Nordamerikas maßgeblicher Einfluss auf die Wachstumsnachfrage nach Öl schwindet. In den nächsten zehn Jahren wird dessen Beitrag zum Konsumwachstum wahrscheinlich unter 50 % fallen, ein drastischer Unterschied zu den vorherigen zehn Jahren, in denen mehr als 100 % gedeckt wurden.
Dennoch bleiben das Permian Basin in West-Texas und New Mexico sowie die kanadischen Ölsande auch zukünftig die kostengünstigsten und skalierbarsten Ölquellen Nordamerikas. Insbesondere die kanadischen Ölsande profitieren von stabilen Preisen des Western Canadian Select (WCS) und bereits bestehenden Infrastrukturinvestitionen. Auch die US-Schieferölbranche muss sich auf anspruchsvollere Investitionsstrategien einstellen, da die Verfügbarkeit zentraler Ressourcen abnimmt und höhere Kosten entstehen.
Die gesunkene Wachstumsrate im US-Schieferölsektor führt dazu, dass Investitionsentscheidungen hinausgezögert werden. Große Unternehmen wie Diamondback Energy passen ihre Kapitalausgaben an, um Effizienzgewinne und Synergien aus Fusionen zu nutzen. CEO Kaes Van't Hof betont, dass angesichts der aktuellen Unsicherheit keine dringende Notwendigkeit bestünde, die Aktivitäten zu erhöhen.
Hinzu kommen Herausforderungen durch US-Handelspolitiken, mit einem anhaltenden Rückgang in der Öl- und Gasaktivität im Permian Basin. Laut einer Umfrage der Dallas Fed zeigt sich, dass Kapital weniger verfügbar ist, was zu einer Konsolidierung und dem Verschwinden von unabhängigen Akteuren führt, die einst die Schieferölrevolution vorantrieben.

