Dramatische Kursanpassungen am Himmel: Luftverkehrsmuster im geopolitischen Wandel
Die dynamischen Veränderungen in der geopolitischen Landschaft haben ihren Einfluss auf den Luftverkehr nicht verfehlt. Die bisher über Russland und die Ukraine führenden Flugrouten zwischen Europa und Asien mussten nach der russischen Invasion in das Nachbarland umgeleitet werden. Dies führt nicht nur zu längeren Reisen, sondern belastet auch die Umwelt durch einen erhöhten Kerosinverbrauch und einer damit verbundenen Steigerung der CO2-Emissionen.
Eine aktuelle Studie, veröffentlicht in 'Communications Earth & Environment', hat diesen Effekt präzisiert. Laut Nicolas Bellouin von der Universität Sorbonne sind täglich rund 1.100 Flüge betroffen. Im Jahr 2023 führten die Umwege zu einem Anstieg der globalen CO2-Emissionen des Luftverkehrs um etwa ein Prozent, da diese zusätzlichen 8,2 Millionen Tonnen Kohlendioxid beitrugen.
Ein Hauptfaktor ist der gesperrte russische Luftraum für westliche Gesellschaften, während russische Airlines den europäischen Luftraum meiden müssen. Dies führte zur Einstellung mehrerer Verbindungen und zu erheblichen Routenverlängerungen. Ein anschauliches Beispiel ist ein Lufthansa-Flug von Tokio nach Frankfurt, dessen Dauer sich im Vergleich zu Anfang 2022 erheblich verlängert hat, indem er über die Arktis und nicht mehr über Russland geführt wird.
Anhand der Studie stieg der Treibstoffverbrauch auf den betroffenen Strecken zwischen Europa und Asien um 14,8 Prozent und auf den Strecken zwischen Nordamerika und Asien um 9,8 Prozent. Andere geopolitische Konfliktgebiete wie Syrien, Libyen und Jemen haben im Vergleich dazu nur marginal Einfluss auf die globalen CO2-Emissionen.

